Top candidates of German parties talk about energy economy

© EPA / CLEMENS BILAN / POOL

Deutschland-Wahl

SPD knapp vor CDU: Das Feilschen ums Kanzleramt wird lang

SPD und Olaf Scholz holen bei der Bundestagswahl knappen Sieg. Doch bei der Union will Armin Laschet auch nach der historischen Niederlage nicht aufgeben und stellt Anspruch auf Kanzleramt

von Sandra Lumetsberger, Konrad Kramar

09/26/2021, 11:23 PM

Der erste Blick war ein Blick zurĂŒck. Als Armin Laschet, Spitzenkandidat von CDU/CSU am Abend nach den ersten Hochrechnungen vor die Mikrofone im Berliner Konrad-Adenauer-Haus trat, bedankte er sich zuerst bei Angela Merkel. Das historisch schlechte Ergebnis, das er selbst als ihr Erbe an der Parteispitze eingefahren hatte, hakte Laschet fast beilĂ€ufig ab. Man sei „nicht zufrieden“, meinte der RheinlĂ€nder fast lapidar zu den 24,7 Prozent WĂ€hlerstimmen, die die Union bekommen hat. Das ist noch einmal um 9 Prozentpunkte schlechter als das Wahlergebnis von 2017.

Gegen rote Regierung

FĂŒr Laschet aber ist das fĂŒrs erste kein Grund, seinen Anspruch auf das Kanzleramt aufzugeben. Jede Stimme fĂŒr die Union habe einen klaren Auftrag enthalten, meinte er, und der sei, eine „rot gefĂŒhrte Bundesregierung zu verhindern“. Damit stellt der Unionskandidat offen Anspruch auf das Kanzleramt.

Wahrscheinlich wusste Olaf Scholz schon von der offenen Kampfansage seines wichtigsten Gegenspielers, als er kurz nach Laschet im Willy-Brandt-Haus in Berlin vor die Mikrofone trat. Der SPD-Spitzenkandidat, der mit 25 Prozent vorlĂ€ufig ganz knapp auf Platz eins gelandet war, gab sich zurĂŒckhaltend. Er sprach zwar vom Plan, regieren zu wollen, und dass die WĂ€hler „einen Kanzler Olaf Scholz“ wollten, blieb aber vorerst vor allem dabei, sich bei den WĂ€hlern zu bedanken. Immerhin hat der Hamburger, der einst unter dem SPD-Kanzler Gerhard Schröder in die Spitzenpolitik vorgerĂŒckt war, die SPD von TiefststĂ€nden rund um 15 Prozent auf Platz eins gehievt. Lauter war die Freude aus der ĂŒbrigen SPD-Spitze. So jubelte SPD-GeneralsekretĂ€r Lars Klingbeil: „Die SPD ist zurĂŒck. Die Menschen wollen einen Kanzler Olaf Scholz.“

Ein Weg zum Kanzler Scholz scheint aber nach diesem Wahlabend endgĂŒltig verbaut. Eine Dreierkoalition mit GrĂŒnen und der Linkspartei geht sich voraussichtlich nicht aus. Grund ist der Absturz der Linken, die sich mit 5 Prozent gerade in den Bundestag retten konnten.

Feiern und EnttÀuschung

Wie dieser Zweikampf ums Kanzleramt in Berlin ausgehen wird, hĂ€ngt damit also vor allem von zwei Parteien ab: Der FDP und den GrĂŒnen.

Die GrĂŒnen konnten mit 14,8 Prozent zwar ĂŒber einen historischen Wahlsieg jubeln. Doch aus dem Kanzleranspruch, den Spitzenkandidatin Annalena Baerbock gestellt hat, ist in schmerzhafter Klarheit nichts geworden. Und Baerbock machte aus ihrer EnttĂ€uschung kein Hehl. „Wir wollten mehr“, meinte die frĂŒhere Journalistin aus Hannover merklich geknickt und gestand ein, dass es vor allem ihre persönlichen Fehler gewesen seien, die den Triumph, der vor Monaten noch in Reichweite schien, verhindert hatten.

FDP selbstbewusst

Solche Zweifel waren FDP-Chef Christian Lindner nicht anzumerken. Der Ex-Unternehmensberater aus Wuppertal feierte die 11,7 Prozent der Liberalen als historischen Erfolg. Lindner sprach von einem „Erfolg der politischen Mitte“ und davon, dass das Ergebnis der FDP eine „besondere Verantwortung zuwachsen“ lasse. Man sei bereit „seinen Beitrag zu leisten“, machte Lindner seinen Anspruch mitregieren zu wollen sehr deutlich. Wie problematisch die Liberalen bei einem Tauziehen um die Regierung sein können, hatte Lindner schon 2017 demonstriert, als er im letzten Moment aus Verhandlungen mit Union und GrĂŒnen ausscherte. Damit erst wurde die Große Koalition von Union und SPD als letzte Lösung notwendig. Von der will nach dieser Wahl niemand mehr reden.

So liefert der Wahlabend vorerst in allen Parteien nur verhaltenen Jubel. Das Tauziehen ums Kanzleramt könnte lang werden.

Die reine Freude herrschte nur bei den GrĂŒnen in Berlin. Bei den dortigen Kommunalwahlen hat man die SPD von Platz eins verdrĂ€ngt. Das BĂŒrgermeisteramt in der Hauptstadt wird Bettina Jarasch nicht zu nehmen sein.

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