Thorsten Rheinhardt und Lena Achtermeier sind einer Meinung: Von einem allgemeinen Tempolimit wie im Rest der EU halten sie nichts.

© Tobias Pehböck/KURIER

Politik Ausland
02/15/2020

Raser-Paradies Deutschland: "Die letzte Freiheit, die uns noch bleibt"

Videoreportage: Union und SPD streiten über ein Tempolimit auf der Autobahn - wieder mal. Was aber sagen die Autofahrer? Der KURIER begab sich auf die Highspeed-Autobahn A9.

von Lukas Kapeller, Tobias Pehböck

Deutschland ist der letzte EU-Staat mit Autobahnen ohne generelles TempolimitErst am Freitag ist ein Vorstoß dafür im deutschen Bundesrat gescheitert. Einige Bundesländer wollten die Geschwindigkeit bei 130 km/h beschränken.

Die Bundesregierung in Berlin aus CDU/CSU und SPD ist aber ohnehin uneinig, wie schnell im deutschen Autobahnnetz gefahren werden soll.

So gibt sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer von der bayerischen CSU unnachgiebig: Ein Tempolimit sei "gegen jeden Menschenverstand". Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) kämpft hingegen mit Hinweis auf Klimabelastung und Unfallgefahr für die Einführung eines allgemeinen Tempolimits.

Der Hickhack dürfte bedeuten, dass bis auf Weiteres alles bleibt, wie es ist.

Der KURIER hat an der A9 von Ingolstadt Richtung Nürnberg deutsche Autofahrer nach ihrer Meinung gefragt. Dieser Abschnitt gilt als eine der absoluten Hochgeschwindigkeitsstrecken in Deutschland.

Die Stimmung ist in Deutschland längst nicht mehr so klar gegen ein allgemeines Tempomaximum wie früher. Der Autofahrerklub ADAC hat seine jahrzehntelange Linie im Jänner geändert: Wegen des steigenden Zuspruchs der Mitglieder zu einem Tempolimit stehe man nun nicht mehr negativ, sondern "neutral" zu der Frage.

Die deutsche Autobahn ist aber weiterhin ein raues Pflaster. Für viele Deutsche gehört schnelles Fahren fast schon zu ihren bürgerlichen Grundrechten. Ein drohendes Tempolimit empfinden Gegner als eine - weitere - Beschneidung ihrer Freiheiten.

Die Debatte wird daher höchst emotional geführt. Auch aus historischen Gründen. Das deutsche Wirtschaftswunder der 1950er Jahre wäre ohne Autoindustrie nicht möglich gewesen. Auf der Autobahn fuhr man in eine demokratische und bessere Zukunft. Motorkraft und Wirtschaftskraft stimulierten einander, beides wuchs stetig.

Für Deutsche stand das Auto noch mehr als in anderen Ländern für Freiheit, Abenteuer und ein Lebensgefühl. Viele fühlen noch heute so, für andere ist das Auto aber keineswegs mehr ein Statussymbol. Und so ist die Kluft zwischen Befürwortern und Gegnern des Tempolimits viel tiefer als jede Spurrinne.

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