Das Vorgehen der Führung der Millionenstadt Suzhou löste Empörung aus.

© Sugzhou Government

Politik Ausland
01/22/2020

Pyjama-Pranger in China: Stadt stellt ihre Bürger bloß

Vertreter der Stadtregierung von Suzhou haben sich mittlerweile für die Demütigung ihrer Bürger entschuldigt.

Die Stadtregierung von Suzhou im Osten Chinas hat Fotos von mindestens sieben Personen veröffentlicht, die in der Öffentlichkeit einen Pyjama trugen. Die Stadtführung prangerte den Bekleidungsstil als "unzivilisiertes Benehmen" an.

Beim Bloßstellen der Pyjamaträger fuhr die Stadt schwere Geschütze auf: Neben den von Überwachungskameras aufgenommenen Bildern der Personen wurden noch deren Namen, Ausweise und weitere Informationen veröffentlicht, berichtet der britische Sender BBC.

Überwachungsstaat

Politischer Hintergrund: Die chinesische Führung hat bei der Überwachung ihrer rund 1,4 Milliarden Bürger in den vergangenen Jahren stark aufgerüstet. Vor zwei Jahren waren bereits 170 Millionen Überwachungskameras installiert, bis Ende dieses Jahres soll es laut BBC 400 Millionen weitere geben.

Dank künstlicher Intelligenz ist es für den Staat auch möglich, sofort zu erkennen, wer da gerade gefilmt wird.

Außerdem treibt China ein soziales Bonussystem voran - ein gigantisches Bewertungsprogramm auf Punktebasis, mit dem Verhalten belohnt oder bestraft werden soll.

Belohnungen können zum Beispiel die schnellere Bearbeitung von Behördenanträgen und das Gestatten eines Kredits sein. Negativpunkte hingegen können die Ausbildung gefährden oder den Kauf von Zug- und Flugtickets erschweren.

In der Millionenstadt Suzhou unweit von Shanghai rechtfertigten die Behörden ihren Online-Pranger zunächst damit, man wolle auch anderes "schlechtes Benehmen", etwa das Liegen auf Parkbänken oder das Verteilen von Werbe-Flyern unterbinden.

Entschuldigung

Doch das Outing der Pyjamaträger löste auch in China viel Kritik aus. Einige meinten in den sozialen Medien, es sei in Ordnung, Pyjamas in der Öffentlichkeit zu tragen. Andere sahen durch das Vorgehen der Stadtregierung die Privatsphäre der Bürger verletzt.

Die Stadtregierung entschuldigte sich schließlich für die Vorgangsweise. "Wir wollen dem unzivilisierten Verhalten Einhalt gebieten, aber natürlich müssen wir die Privatsphäre der Bürger schützen." Künftig werde man die Kenntlichkeit der Bürger vermeiden.

Der Kampf für ein "zivilisiertes" Auftreten der Bewohner hat Suzhou aber auch schon im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen gebracht. Damals forderte die Stadt ihre Bewohner auf, Bilder von Mitbürgern mit "unzivilisiertem Benehmen" zur Verfügung zu stellen. Pro Foto bot man 10 Yuan (rund 1,30 Euro).

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