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Politik Ausland
06/22/2021

Pro Tag sterben in den USA 50 bis 60 Menschen durch Schusswaffen - Tendenz steigend

Chicago etwa verzeichnet binnen Jahresfrist 60 Prozent-Plus an Todesopfern.

von Dirk Hautkapp

Statistisch gesehen sterben jeden Tag zwischen 50 und 60 Menschen in den USA durch Schusswaffen, darunter vier Kinder bzw. Jugendliche. In den ersten fünf Monaten des Jahres waren es nach Erhebungen von „Gun Violence Archive“ (GVA) mehr als 8.100 Tote. Tendenz steigend, auch weil die Zahl der Waffenkäufe durch die Decke geht. GVA-Gründer Mark Bryant, erwartet für die Sommer-Monate das Schlimmste: „Ich denke, dass wir ein Rekord-Jahr sehen werden.“

Dabei war schon 2020 laut Polizei-Statistiken das tödlichste Jahr der vergangenen zwei Dekaden. In Städten mit mehr als einer Million Einwohnern stieg die Zahl der „homicides“ im Durchschnitt um mehr als 30 Prozent. Und für das erste Halbjahr 2021 macht die Bundespolizei FBI einen Anstieg von weiteren 25 Prozent aus.

Mordrate: plus 80 Prozent

Chicago verzeichnete bis Mai rund 200 Morde – knapp 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In New York sind heuer bisher rund 450 Schießereien mit Toten und Verletzten gemeldet worden – ein Plus von 85 Prozent. Auch in Portland/Oregon und Tuc-son/Arizona stieg die Mordrate um 80 Prozent.

In Minneapolis, der Stadt, die durch die Tötung des Schwarzen George Floyd im Mai 2020 durch einen weißen Polizisten weltweit Schlagzeilen geschrieben hatte, stieg die Zahl der Mord-Delikte zwischen Dezember 2020 und März 2021 um knapp die Hälfte (46 %).

Dass der Fall Floyd eine Zäsur darstellt, lässt sich am besten in Chicago beobachten. Von Mai 2019 bis Mai 2020 zählte die Stadt am Michigan See 2.885 Schießereien (521 Tote). Von Mai 2020 bis Mai 2021 wurden 4.562 Schießereien aktenkundig (818 Tote) – jeweils ein Zuwachs von rund 60 Prozent.

Bei der Ursachenforschung kommen , Politiker und Kriminologen auf ein ganzes Bündel. Gemeinsamer Nenner: „Viele Leute haben sehr viel Angst. Und viele Leute haben sehr viele Waffen.“Demnach hat Corona die psychische Gesundheit und Stabilität des Landes angegriffen. „Bei vielen Amerikanern liegen die Nerven blank“, sagen Forscher von Polizeiakademien. Und zu den durch die Pandemie nochmals verschärften sozialen Ungleichheiten komme der Anstieg bei den Waffenkäufen.

Waffenkäufe: plus 65 Prozent

Im vergangenen Jahr wurden nach offiziellen Statistiken 23 Millionen Schießeisen verkauft – zwei Drittel mehr als 2019. Amerikas Privathaushalte verfügen damit amtlich geschätzt über rund 400 Millionen Pistolen und Gewehre. Im ersten Quartal 2021 zeigten die „gun sales“ noch einmal steil nach oben. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen seit Langem, dass „mehr Waffenkäufe fast automatisch zu mehr Waffengewalt führen“.

Um welche Dimensionen es sich dabei handelt, zeigt der Branchen-Riese Smith & Wesson. Zum ersten Mal in der fast 170-jährigen Geschichte der Waffenschmiede aus Springfield/Massachusetts überstiegen die Umsätze die Milliarden-Grenze. Im Geschäftsjahr April 2020 bis April 2021 machte Smith & Wesson knapp eine Viertelmilliarde Dollar Gewinn.

CEO Mark Smith bestätigt, was Kriminologen beunruhigt: Der Drang, sich zu bewaffnen, hat neue Bevölkerungsschichten erreicht. Zu geschätzten zehn Millionen Erstkunden gehörten viele Frauen und Angehörige von Minderheiten wie Asiaten und Afroamerikaner, die sich bedroht fühlten. Präsident Joe Biden will sich am Mittwoch zum ersten Mal ausführlich zum Thema Waffen-Gewalt äußern.

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