Politik | Ausland
27.01.2018

Pressestimmen zu Trump: Andeutung eines Lernprozesses

Internationale Pressekommentare befassen sich am Samstag mit dem Auftritt von US-Präsident Donald Trump in Davos.

Neue Zürcher Zeitung, Schweiz

"In der vielleicht bemerkenswertesten Andeutung eines Lernprozesses erklärte Trump gar, er sei bereit, mit den Staaten der (von ihm zu Amtsbeginn aufgekündigten) Transpazifischen Partnerschaft auch als Gruppe wieder über ein Freihandelsabkommen zu verhandeln. Tatsächlich ist vieles an der von Trump bisher beschlossenen Politik wirtschaftsfreundlich. Eine Deregulierung und Entbürokratisierung ist auch in den USA nötig. Die Senkung der Unternehmenssteuer war überfällig und dürfte für zusätzliche Investitionen sorgen. Kommen - wie es viele Firmen hoffen - noch erhöhte Ausgaben für die Infrastruktur hinzu, wird das für einen signifikanten Stimulus sorgen, während die Geldpolitik den ihrigen zurücknimmt.Die zunehmende Staatsverschuldung bleibt dabei die Achillesferse, doch die USA können sich eine solche am ehesten leisten, solange die Wirtschaft kräftig wächst. Geht der Plan vorerst auf, könnte Trump populärer werden. Unabhängig vom gegenwärtig amtierenden Präsidenten würde Europa etwas mehr von dem amerikanischen Unternehmergeist und Optimismus, der hinter der 'soft power' Amerikas steckt, gut anstehen."

Times, Großbritannien

"Erwartungsgemäß bot Trump den Industriekapitänen der Welt drei Hauptaussagen - dass 'America First' nicht Amerika allein bedeutet, dass er kein Gegner des freien Handels ist, solange alles fair bleibt, und dass Amerika nach der kürzlich vom Kongress bestätigten Steuersenkung wieder ein guter Ort für Geschäfte ist. (...)

Solche Worte von einem Präsidenten, zu dessen festem Repertoire es gehörte, jedwede multilaterale Handelsvereinbarung seines Vorgängers für Unsinn zu erklären, können als wichtige Abkehr von der Ideologie und Hinwendung zum Realismus angesehen werden. Falls das so ist, wird es der Welt Nutzen bringen. Vor allem aber kam Trump in die Alpen, um die Deregulierungen und Reformen, die er zu Hause durchgesetzt hat, nicht nur als Beispiel für andere Regierungen herauszustellen, sondern als Anreiz für Investitionen in Amerika. Tatsächlich hätte er diese Rede ohne die im letzten Monat durchgesetzten Steuersenkungen, deren unmittelbare Effekte bemerkenswert waren, nicht halten können."

De Tijd, Belgien

"Präsident Trump beansprucht die starke Wirtschaft und die starke Börse für sich. Jedenfalls hat sein 'America First' noch keinen irreparablen Schaden angerichtet, und sein Protektionismus ist bisher vor allem nur gegen China gerichtet. Es wurden vielleicht keine Handelsabkommen mit den USA mehr abgeschlossen, aber die Handelsströme sind nicht zum Stillstand gekommen. Die vorhergesagte Katastrophe ist ausgeblieben.(...)

Fraglich bleibt, ob die Europäische Union auch tatsächlich zu einer eigenen starken Politik fähig ist oder weiterhin mit politischer Instabilität zu ringen hat. Es bleibt ungewiss, wohin Trump mit seiner Wirtschaftspolitik wirklich will. Ganz allgemein stellt sich die Frage, wie lange der Konjunkturaufschwung noch anhält."