Hillary Clinton

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Politologe Heinisch
09/27/2016

Politologe: "Clintons Negativspirale gestoppt"

Die Demokratin ist die Siegerin des ersten TV-Duells, aber entschieden ist dadurch noch gar nichts, sagt der Politologe Reinhard Heinisch.

von Ulrike Botzenhart

"Die Erwartungshaltung an Hillary Clinton war enorm – und sie ist ihr gerecht geworden. Damit konnte sie zumindest verhindern, dass sich für sie die Spirale weiter nach unten dreht", resümiert der Politologe Reinhard Heinisch die Debatte. Die Experten haben Clinton eindeutig den Sieg in dem TV-Duell zugesprochen. "Das ist oft noch wichtiger als die Fernsehdebatte selbst", sagt Heinisch im Gespräch mit dem KURIER. Entschieden sei das Rennen deshalb noch lange nicht. Jeder habe vor allem sein Lager bedient. Für Clinton reicht das bei Weitem nicht, sie muss gegen die Wechselstimmung im Land ankämpfen.

"Clinton ist halt Clinton"

"Clinton war überlegen, souverän, hat sich keinen Ausrutscher erlaubt. Aber sie ist halt sie: Sachlich, rational, sie hat zwar gelächelt, hatte sich aber völlig unter Kontrolle." Damit könne sie jene erreichen, die für sachliche Argumente zugänglich seien, die Herzen gewinne sie damit aber nicht, gibt der Austro-Amerikaner zu bedenken: "Viele Amerikaner treffen ihre Wahlentscheidung nach dem Aspekt, mit wem sie gern auf ein Bier gehen wollen. Das weiß man aus Umfragen, aber das ist ja bei Stellenbewerbungen auch nicht anders. Da fällt die Entscheidung auch oft für den, mit dem man lieber zusammenarbeiten will."

Oder man sucht einen "autoritären Bullen", wofür sich Trump bestens eigne. Diese Wählerschicht habe der Republikaner aber ohnehin längst in der Tasche.

Mächtige Medienorgel

Wesentlich werde in den nächsten Tagen und Wochen vor den Präsidentschaftswahlen die Auswahl der kurzen "Soundbites", also der kurzen Ausschnitte aus der Debatte, die im Fernsehen dann immer und immer wieder gezeigt werden. Heinisch: "Da ist Trump im Vorteil, weil Clintons Botschaften generell komplexer sind." Allerdings kann auch sie dort mit drei Themen punkten: Trumps Steuererklärung, sein Temperament und sein Umgang mit Frauen, die er schon als Schweine oder Hunde bezeichnet hat. "Das versteht jeder. Und wenn die US-Medien auch bei den drei Themen konsequent nachsetzen, muss sich Trump erklären. Dabei kann er sich selbst sehr schaden."

Härte wird zunehmen

Die Townhall-Debatte am 9. Oktober in St. Louis zwischen Clinton und Trump mit Fragen aus dem Publikum wird sehr wichtig, betont der Politologe. Er erwartet dann einen viel härteren Schlagabtausch mit bösen Beleidigungen: "Am Montag lief es doch sehr zivilisiert ab, da ist noch viel Platz nach unten."