Nächster Premier Sloweniens: Robert Golob

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Politik Ausland
04/25/2022

Politneuling wird Premier: „Wir Slowenen haben diese Kultur der neuen Gesichter“

Der umstrittene Regierungschef Janez Janša hat einen guten Anteil am rasanten Aufstieg von Wahlsieger Robert Golob

von Ingrid Steiner-Gashi

Generaldirektor Robert Golob von der Spitze des staatlichen Stromhandelskonzerns GEN-I wegzudrängen, hat sich für Sloweniens Premier Janez Janša als Boomerang erwiesen. Das nämlich stachelte den Ehrgeiz des 55-jährigen Elektrotechnikers erst recht an. Wer wie er einst ein erfolgreiches Energieunternehmen gründen konnte, traut sich auch zu, in den politischen Ring zu steigen.

Und so übernahm Golob im Jänner eine kleine Grün-Partei, modelte sie zur „Freiheitsbewegung“ um – und deklassierte am Sonntag bei den Wahlen seinen konservativen Gegner.Sich für seinen Sieg bejubeln zu lassen, blieb dem Ex-Manager mit der grauen Lockenmähne aber verwehrt: Wegen einer Corona-Erkrankung konnte sich der künftige Premier Sloweniens zunächst nur per Video zeigen.

Obwohl zur Quarantäne verdonnert, hatte der Wirtschaftsliberale mit Grünanstrich im Wahlkampf auf soziale Medien weitgehend verzichtet. Bewusst inszenierte er sich als Gegenpol zum twitterwütigen Premier. Der beschimpft Journalisten gerne öffentlich und wüst. Golob hingegen will kein Twitter-Profil. Und auch sein Image als politischer Neuling – im Unterschied zum Mehrfach-Premier Janša – strich Golob immer wieder hervor.

Dabei ist der frühere Spitzenmanager alles andere als ein unbedarfter Quereinsteiger. Vor 20 Jahren war er bereits Staatssekretär, in seiner Heimatstadt Nova Gorica sitzt er seit Jahren im Stadtrat; bei mehreren, eher links angesiedelten Parteien spielte er in den hinteren Reihen mit.

Bequeme Mehrheit

Zusammen mit den Sozialdemokraten verfügt Golobs grün-liberale „Freiheitsbewegung“ nun über eine bequeme Mehrheit von 49 der insgesamt 90 Sitze in Sloweniens Parlament.

Anti-Janša-Stimmung

Die Wähler-Woge, die Golob nun in den slowenischen Regierungssessel hievt, verdankt er aber vor allem breiter Anti-Janša-Stimmung – und der Mobilisierung zahlreicher NGOs, Aktivisten und ziviler Gruppen gegen den zuletzt immer autoritärer agierenden Premier.Nika Kovac ist eine von ihnen. Die junge Gründerin der NGO „8th March Institute“ rief die Slowenen auf, an die Urnen zu gehen – mit dem Ziel, „die Demokratie in Slowenien wieder herzustellen. Diese Wahl war historisch“, freut sich die 29-jährige Slowenin im Gespräch mit dem KURIER, „dieses Mal waren so viele Menschen wählen wie seit 20 Jahren nicht mehr.“

Von den politischen Inhalten des künftigen Premiers Golob wüssten viele Slowenen wenig, gibt Nika Kovac zu. Die Wähler hätten vor allem gegen den autoritären Stil Janšas und den Einfluss aus Ungarn gestimmt. Ungarns Premier Viktor Orbán steht dem slowenischen Noch-Regierungschef nahe. Wie Orbán versuchte auch Janša immer wieder Polizei, Justiz, Behörden und Medien auf seine Linie zu bringen.

Jetzt soll Golob übernehmen – und der versprach noch am Wahlabend, die Demokratie zu erneuern. Dass der künftige Premier quasi wie aus dem Nichts auftauchte und ihn kaum jemand kennt, stört Nika Kovac nicht. „Wir Slowenen, wir haben diese Kultur der neuen Gesichter“. Schließlich gab es mit Miro Cerar, Marjan Sarec und Zoran Jankovic im letzten Jahrzehnt schon drei Mal ähnliche Blitzstarter. Ihr Erfolg war allerdings von kurzer Dauer.

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