Wie Pedro Sánchez zu Chinas neuem Mann in Europa wurde

Spaniens Premier ist in China, zum vierten Mal in vier Jahren. Dabei war er früher ein scharfer Kritiker Pekings. Was hinter der Kehrtwende steckt.
CHINA-SPAIN-DIPLOMACY

Jubel, Kreischen, filmende Smartphones: Bei seiner Ankunft auf dem Campus der Tsinghua-Universität in Peking wird Pedro Sánchez von den Studierenden wie ein Popstar empfangen. Seine anschließende Rede bezeichnen Staatsmedien als jene eines „Freundes“. Auch die weiteren Termine des spanischen Premierministers haben es in sich: Durch die Zentrale des Tech-Riesen Xiaomi führt Sánchez der Konzerngründer Lei Jun, an Chinas Akademie der Wissenschaften wird ihm gar der Ehrenprofessortitel verliehen.

Die Bilder, die der Spanier auf seiner China-Reise produziert, sind von einem anderen Kaliber als je zuvor. Kein Wunder, es ist sein vierter Besuch in vier Jahren. Chinas Führung dankt es ihm mit einem Prunk-Programm.

Spanish Prime Minister Pedro Sanchez, at Tsinghua University, in Beijing

Spaniens Premierminister Pedro Sánchez betritt die Tsinghua-Universität in Peking.

Das zeigt Pekings Strategie, einzelne EU-Staaten gezielt zu umwerben. Mit der Abwahl Viktor Orbáns am Sonntag dürfte Sánchez inzwischen zu Chinas Liebling unter Europas Regierungschefs aufgestiegen sein. Anders als Orbán ist Sánchez zwar glühender Europäer, doch seine anhaltende Kritik an US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist das perfekte Futter für Chinas Staatsmedien.

So lobte ihn Machthaber Xi Jinping am Dienstag als einen Mann „mit moralischer Integrität“ – und spielte damit auf Sánchez’ Entscheidung an, dem US-Militär keine Erlaubnis zur Nutzung spanischer Basen für Angriffe auf den Iran zu erteilen. Vor allem aber sei Sánchez „ein wichtiger Vermittler zwischen China und der Europäischen Union“.

Die Jamón-Saga: Wie China Spanien mit Schweinefleisch erpresste

Dabei war der Sozialdemokrat Sánchez noch vor nicht allzu langer Zeit ein lautstarker China-Kritiker innerhalb der EU. Im Sommer 2024 galt er zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron als größter Befürworter von EU-Strafzöllen auf importierte chinesische E-Autos.

Spain's Prime Minister Pedro Sanchez visits China

Pedro Sánchez und Xi Jinping am Dienstag in Peking.

Sofort kündigte Peking Anti-Dumping-Untersuchungen gegen spanische Tierprodukte an: Spanien ist der weltgrößte Exporteur von Schweinefleisch, der überwältigende Teil wird im Reich der Mitte verzehrt – alleine 2024 im Wert von 1,1 Milliarden Euro. Aus Angst vor Bauernprotesten schwenkte Sanchez um, reiste damals umgehend nach Peking. Bei der folgenden Abstimmung über die E-Auto-Zölle enthielt sich Spanien.

Der Fall zeigt, wie Chinas Regierung auf bilateralem Weg Druck auf einzelne EU-Staaten ausüben und sie zur Kooperation zwingen kann. Mit jedem Sanchez-Besuch erließ China neue Importgenehmigungen für Schweinefleischprodukte aus Spanien – Mägen, Füße, Ohren – und importiert heute um sieben Prozent mehr als 2024. Dass Spaniens Bauern trotz eines Ausbruchs der afrikanischen Schweinepest weiter nach China liefern dürfen, sei der „effektiven Kommunikation“ des Premiers zu verdanken.

Sanchez betont stets, seine neue Nähe zu Peking sei mehr als wirtschaftliche Kurskorrektur: In Zeiten, in denen das Verhältnis zu den USA abkühlt, müsse die EU „enger mit China kooperieren“. Ein Satz, der sich in Chinas sozialen Medien sofort verbreitete.

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