"Ein schreckliches Land": Warum Trump auf Spanien wütend ist
Eigentlich ist Spanien kein Zielobjekt für Donald Trumps Grobheiten. Als Gegner ist man nicht groß genug, als Wunschziel für Annexionen derzeit nicht auf dem Radar. Doch dem US-Präsidenten - mit Friedrich Merz als Gast an der Seite - reichte am Dienstag im Weißen Haus auch nur die Erwähnung des Landes, um seinen Ärger loszuwerden. Das sei ein "schreckliches" Land, von dem man aber nichts brauche.
Tankflugzeuge für Iran-Angriffe
Ganz so stimmt das nicht, denn gerade jetzt, inmitten der Militäroperation gegen den Iran, bräuchten die USA ihre zwei Militärstützpunkte im Süden Spaniens. Dort sind Tankflugzeuge stationiert, mit denen die Kampfjets im Einsatz über dem Golf versorgt werden. Spaniens sozialistischer Premier Pedro Sanchez hat aber deutlich gemacht, dass er keinerlei militärische Aktivitäten, die auch nur in irgendeinem Zusammenhang mit den Iran-Angriffen stünden, in seinem Land dulden werde. Die US-Flugzeuge wurden daraufhin abgezogen.
"USA brechen das Völkerrecht"
Sanchez, der im nächsten Jahr Wahlen gegen eine derzeit übermächtige rechte Opposition zu schlagen hat und außerdem Parteien vom linken Rand als Partner braucht, legt es aber seit längerem darauf an, Donald Trump in die Parade zu fahren, oder ihm öffentlich zu widersprechen. Die US-Angriffe auf den Iran hat er als einziger Regierungschef eines EU-Landes offen verurteilt. Das sein "Bruch des Völkerrechts", ausgeübt von Leuten, "die die Probleme der Welt mit Bomben lösen wollen." Klare Worte in scharfem Kontrast zu der ansonsten überall in Europa formulierten verbalen Attacken gegen den Iran.
Trump droht mit Wirtschaftskrieg
Der US-Präsident machte nicht nur seinem Ärger Luft, er drohte auch - wie gewohnt - mit wirtschaftlichen Konsequenzen. Man werde ein Handelsembargo über Spanien verhängen, eine allerdings nur schwer umzusetzende Maßnahme. Schließlich Spanien als EU-Land Teil des gemeinsamen Binnenmarktes, mit dem die USA als Ganzes umzugehen haben. Sanchez ließ sich auf jeden Fall nicht einschüchtern und legte bei einer TV-Ansprache noch einmal nach. Man sage "Nein zum Krieg" und werde sich nicht "zum Komplizen dieser Aktion gegen das Völkerrecht machen lassen", nur weil man Angst habe, "vor jenen, die den Nebel des Krieges nützen, um ihre Taschen zu füllen."
Sanchez hat Trump schon mehrfach herausgefordert
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Sanchez offensiv Trump als Gegner vornimmt - und sich dabei auch gegen seine europäischen Amtskollegen stellt. Als der US-Präsident die europäischen NATO-Partner - also auch Spanien - ins Visier nahm und ihnen mangelnde Verteidigungsfähigkeit und zu geringe Militärausgaben vorwarf, gaben alle klein bei und verpflichteten sich zu massiven Erhöhungen ihrer Militärbudgets. Sanchez dagegen machte deutlich, dass er die von Trump geforderten 5 Prozent der Wirtschaftsleistung fürs Militär Spanien nicht abverlangen werde. Er wisse bessere Möglichkeiten, um Steuergeld zu investieren.
Zuwanderung als Gegenmodell zu den USA
Auch beim heiklen Thema Zuwanderung positioniert Sanchez Spanien als Gegensatz zu Trumps USA. Während der US-Präsident die Schließung der Grenzen und die gewaltsame Abschiebung illegaler Einwanderer zu einem Markenzeichen seiner Politik gemacht hat, hat Sanchez in Spanien eine umfassende Legalisierung illegaler Einwanderer begonnen. Rund 500.000 von ihnen sollen Papiere bekommen und so aus der Illegalität geholt werden. Spaniens Wirtschaftsboom, mit dem das Land den Rest Europas hinter sich lässt, wird auch von der billigen Arbeit dieser Zuwanderer befeuert. Um dem US-Präsidenten seine Politik sozusagen direkt unter die Nase zu reiben, schrieb für die "New York Times" einen riesigen Gastkommentar, der Titel: "Darum braucht der Westen Zuwanderung".
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