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Politik Ausland
09/24/2021

Ostdeutschland hat keine Angst vor dem linken Gespenst

Nicht nur im Bund scheint die SPD stark: In Ostdeutschland wird am Sonntag der Landtag gewählt, zwei rote Frauen liegen vorne.

von Caroline Ferstl

In Mecklenburg-Vorpommern, dem am dünnsten besiedelten Bundesland in Deutschland, wird am Sonntag gleich zweimal zur Urne geschritten: Neben dem Bundestag wird auch der Landtag gewählt. Dort oben, im Norden Deutschlands an der Grenze zu Polen, könnte der SPD ein Traumwert gelingen, von dem der Bund nur träumen kann: 40 Prozent könnte die SPD aktuellen Erhebungen zufolge erzielen.

Für den Erfolg verantwortlich ist Manuela Schwesig. An ihr kommt man in Mecklenburg-Vorpommern nicht vorbei, selbstbewusst lächelt sie von den Wahlplakaten am Straßenrand. Daneben steht der etwas holprige Reim „Die Frau für MV“.

Schwesig ist 47 Jahre alt, seit 2017 Ministerpräsidentin und ehemalige Schuldirektorin. Das Thema Bildung beherrscht auch ihren Wahlkampf: Sie will mehr Lehrkräfte und kostenlose Mittagessen an den Schulen. Die Bürgerinnen und Bürger scheinen zufrieden damit: Umfragen zufolge wünschen sich 55 Prozent, dass sie weiter an der Spitze der Landesregierung steht.

Im Schatten der SPD

Die anderen Parteien leiden unter dem Schatten der SPD, die seit 1998 regiert, seit 2006 gemeinsam mit der CDU. Der Koalitionspartner kommt kaum an gegen die rote Übermacht, Spitzenkandidat Michael Sack kämpft gegen Unbekanntheit und steht vor einer Niederlage: Aktuell kommt seine Partei auf 15 Prozent. An der Prognose konnte auch die Unterstützung von Parteikollegen Angela Merkel und Armin Laschet nichts ändern.

Die CDU liegt damit gleich auf wie die AfD, die bisher größte Oppositionspartei im Landtag. Eine weitere Gemeinsamkeit: die Warnung vor einem Bündnis der SPD mit der Linkspartei. Doch Rot-Rot war im Nordosten nie ein Schreckgespenst: Zwischen 1998 und 2006 regierten die Parteien gemeinsam.

Baerbocks rotes Pendant

Der Erfolg der SPD scheint über die mecklenburger Grenze hinaus zu strahlen: Auch Berlin wählt am Sonntag das Abgeordnetenhaus, wie das Landesparlament in der Hauptstadt heißt. Seit fünf Jahren regiert ein rot-rot-grüner Senat. Spitzenkandidatin der SPD ist die 43-jährige Franziska Giffey. Sie war Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln und Bundesfamilienministerin. Ihr Wahlkampf erinnert an jenen ihrer Grünen Amtskollegin auf Bundesebene: Im Juni wurde ihr wegen Plagiatsvorwürfen der Doktortitel entzogen.

Doch sie schafft etwas, das Annalena Baerbock nicht konnte: den Höhenflug der Partei weiter zu führen. Den aktuellen Umfragen zufolge steigen die Zustimmungswerte der SPD konstant, zur Zeit kommt die Partei auf 22 Prozent, vor den Grünen mit 19 Prozent. Die CDU liegt mit 17 Prozent auf Platz drei, danach kommt Die Linke mit 13 Prozent.

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