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Politik Ausland
09/23/2021

Harald Christ (FDP): "Wir wollen eine Koalition mit der Union“

Nach 31 Jahren in der Sozialdemokratie wechselte Harald Christ zur FDP. Wie erklärt er den Austritt und was erwartet er von der Wahl?

Von Sarah Emminger

Harald Christ ist seit 2020 Bundesschatzmeister der FDP. Davor engagierte er sich 31 Jahre lang bei der SPD und war im Schattenkabinett von Frank-Walter Steinmeier sogar als Wirtschaftsminister nominiert. Seinen Austritt begründete der 49-Jährige mit einem Linksruck in der Sozialdemokratie.

KURIER: Herr Christ, heißt der nächste deutsche Kanzler Olaf Scholz?

Harald Christ: Scholz führt in den Umfragen, aber die SPD hat ihr Wählerpotenzial bereits ausgeschöpft. Von der Union kann man das nicht behaupten. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen.  

Laut   Umfragen gibt es drei mögliche Koalitionen mit der FDP (Parteifarbe gelb, Anm.). Die Deutschland-Koalition (Rot-Schwarz-Gelb), die Ampel (Rot-Gelb-Grün) und Jamaika (Schwarz-Grün-Gelb). Welche Variante wäre Ihnen am liebsten?

Wir wollen ganz klar eine Koalition mit der Union und Armin Laschet als Kanzler und gehen davon aus, dass sich das mit dem Wahlergebnis ausgehen wird. Die dritte Partei können die Grünen oder die SPD sein.

Laschet hat derzeit ja nicht mal seine eigene Partei hinter sich und wird von allen Seiten scharf kritisiert.

Wenn jemand ein guter Ministerpräsident (Nordrein-Westfalen, Anm.) ist und das einwohnerstärkste Bundesland  führt, dann kann er auch Deutschland führen. Ich nehme Laschet besser wahr, als er derzeit öffentlich beschrieben wird.

Bei den letzten Koalitionsverhandlungen 2017 hat  der FDP-Chef Christian Lindner eine Koalition aus Union, FDP und Grünen platzen lassen. Ist die FDP jetzt unter Druck, diesmal nicht wieder das Handtuch zu werfen?

Wir haben uns damals große Glaubwürdigkeit erworben, weil wir nicht um jeden Preis in eine Koalition gegangen sind. Deshalb sind wir jetzt weder unter Druck, noch nervös. Wir werden auch diesmal in keine Koalition gehen, in der wir wesentliche Inhalte nicht wiederfinden.

Sie betonen gern, dass Sie eine Mittelstandsposition vertreten. Mit den Steuerentlastungen in ihrem Wahlprogramm entlasten sie aber Haushalte mit 150.001 bis 250.000 Euro Brutto-Einkommen am stärksten. Wie passt das zusammen?

Eine Umverteilungspolitik würde die Wirtschaft fesseln, wir wollen sie mit Anreizen für Investitionen aber entfesseln. Man stärkt die Schwachen der Gesellschaft nicht, indem man die Starken schwächt. Die Besserverdiener zahlen bereits die höchsten Steuern.

Sie traten nach 31 Jahren aus der SPD aus und begründeten das mit einem Linksruck der Partei. Werden Sie auch aus der FDP austreten, wenn Lindner mit SPD und Grünen koaliert?

Nein, warum sollte ich? Mein Austritt war eine Verkettung mehrerer Umstände. Ich wäre nie ausgetreten, nur weil ich eine Koalition nicht naheliegend finde. Außer, man hätte im Bund mit der derzeitigen Linken koaliert.

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