Orthodoxer Palmsonntag in Rumänien - vergangenes Jahr

© EPA/ROBERT GHEMENT

Politik Ausland
04/16/2020

Orthodoxe Ostern: "Bleibt zu Hause oder es gibt Begräbnisse"

Premier und Präsident in Rumänien im Streit: Wie viele öffentliche orthodoxe Osterfeiern sind am Sonntag möglich? Griechenland will im Mai nachfeiern.

von Ingrid Steiner-Gashi

Gottesdienste gibt es in Rumänien schon seit Wochen nur noch online und im Fernsehen: Obwohl das Land schon früh strenge Sicherheitsmaßnahmen setzte, wurde Rumänien heftiger von der Pandemie heimgesucht als seine osteuropäischen Nachbarn. Mehr als 7.200 Menschen sind bereits infiziert, 372 gestorben.

Nächster harter Schlag für die Rumänen: Auch alle öffentlichen Feiern für die orthodoxen Ostern am Sonntag sind abgesagt. Weshalb sich in Bukarest ein heftiger Streit zwischen Präsident Klaus Johannis und seinem Premier Ludovic Orban entspann.

Denn der liberale Regierungschef (nicht verwandt mit Ungarns Premier Viktor Orban) will gestatten, dass am Ostersonntag freiwillige Priester und Kirchgänger in Begleitung von Polizisten von Haus zu Haus ziehen dürfen, um die Kommunion und Kerzen zu überreichen. Später wurde der Einsatz der Ordnungshüter wieder zurückgezogen: Nur die freiwilligen Gläubigen dürfen gehen.

Staatspräsident Johannis aber pocht darauf: Der Ausnahmezustand wegen der Corona-Krise gilt bis Mitte Mai - und das ausnahmslos für alle Rumänen. "Ich bitte Euch. Bleibt zu Hause oder wir haben nach den Osterfeiertagen Begräbnisse."

Der Höhepunkt der Infektionsrate wird in Rumänien nach dem orthodoxen Osterfest am kommenden Wochenende erwartet, weil es bei dem Fest trotz der Ausgehverbote zu größeren Familientreffen kommen könnte. Zudem befürchten die Behörden zu Ostern die Einreise vieler Rumänen aus den Corona-Hochrisiko-Ländern Italien und Spanien - obwohl all diesen Einreisenden in der Heimat eine 14-tägige Quarantäne droht. In dem Land mit einer Bevölkerung von rund 18 Millionen wurden bisher 67.204 Corona-Tests durchgeführt, von denen zehn Prozent positiv ausfielen.

Angesichts des desolaten Gesundheitssystems im Land musste bereits ein drittes Krankenhaus unter Führung der Armee gestellt worden. Das Kreiskrankenhaus im südostrumänischen Focsani wird nun von Militärärzten geleitet, nachdem sich dort 25 Ärzte und Pfleger sowie der Klinikmanager mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert hatten.

Auch in den Kirchen der orthodoxen Balkanländern Serbien, Montenegro und Nordmazedonien wird es zum Osterfest wegen der Corona-Pandemie keine öffentlichen Gottesdienste geben. Die orthodoxen Christen richten sich nach dem Julianischen Kalender. Ihr Osterfest fällt deshalb meist nicht mit dem der westlichen christlichen Kirchen zusammen, die sich am Gregorianischen Kalender orientieren.

In Serbien hatte sich die Serbisch-Ortodoxe Kirche an die Regierung gewandt, um zumindest am Ostersonntag eine mehrstündige Aussetzung der für das gesamte Wochenende geltenden Ausgangssperre zu erwirken. Die Regierung von Präsident Aleksandar Vucic lehnte allerdings ab.

Griechenland wählt hingegen offenbar einen anderen Weg: Wegen der Corona-Pandemie will Griechenlands orthodoxe Kirche Ostern heuer erst Ende Mai feiern. Die ständige Synode der Kirche erklärte laut Kathpress, sie bete, dass die Gefahr bald vorbei sei und Klerus und Gläubige am 26. Mai gemeinsam die Ostermesse feiern können.

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