Politik | Ausland
20.07.2018

US-Botschafter in Wien: "Ohne Dialog mit Russland kommen wir nicht weiter"

Trevor Traina über die jüngsten Konflikte zwischen den USA und Europa.

Als sein Großvater Mitte der 1970er-Jahre hier in Österreich US-Botschafter war, herrschte der Kalte Krieg. Jetzt tritt Trevor Traina denselben Job an, und wieder ist die weltpolitische Lage nahe am Gefrierpunkt, wachsen die Spannungen zwischen Ost und West. Im KURIER-Interview erklärt der 50-jährige Internet-Unternehmer aus Kalifornien, warum er glaubt, dass Präsident Donald Trump die Achse Europa-USA stärkt und die Beziehungen mit Russland sich verbessern werden.

KURIER: Trump hat die Europäer für mangelnde Bereitschaft in Militär zu investieren kritisiert. Viele sehen eine Krise der NATO und der transatlantischen Partnerschaft. Sie auch?

Trevor Traina: Die NATO ist stärker als sie lange war, auch weil dieser Präsident für mehr Geld gekämpft hat und für mehr Truppen in Europa. Genau deshalb ist es ihm auch so wichtig, dass unsere europäischen Partner ihren fairen Anteil leisten. Jeder US-Präsident hat sich beklagt, dass die NATO einseitig ist, aber dieser Präsident geht in diese Debatte mit einem erhöhten Budget und einer erhöhten Reichweite für die NATO. Wenn ich mit Europäern privat rede, sagen sie alle, dass die Europäer natürlich mehr für die NATO tun sollten. Und jetzt werden sie es tun – und Europa wird davon profitieren.

Haben Trumps Tonfall und Wortwahl nicht zurecht viele Europäer irritiert?

Dieser Präsident ist ein Geschäftsmann, und er wurde als Außenseiter gewählt, um gewisse Ziele zu erreichen. Ich bin auch ein Geschäftsmann. So wie er kümmere ich mich nicht um den Krach, der geschlagen wird, sondern um die Resultate. Und ich glaube die Resultate werden gut sein, Es wird eine stärkere NATO geben, und es gibt mehr US-Truppen in Europa als seit langem.

Wie beurteilen Sie die Beziehungen zu Russland und die Debatte über den Gipfel Trump-Putin in Helsinki?

Ohne Dialog mit Russland kommen wir nicht weiter. Ich finde es also positiv, dass das Treffen der Präsidenten in Helsinki stattgefunden hat. Ich hoffe dieser Dialog wird fortgesetzt und wir finden Themen, bei denen wir zusammenarbeiten können, trotz der zur Zeit herrschenden Spannungen. Ich glaube die Beziehungen werden sich verbessern, bis dahin haben wir politische Mittel wie Sanktionen, die in Kraft bleiben werden.

Sanktionen gegen Russland, die gerade in Österreich vielen gegen den Strich gehen.

Ich mag es, wie praktisch die Österreicher über ihre Wirtschaft denken, und ich erinnere sie dann gerne daran, dass die USA nach Deutschland der größte Käufer österreichischer Produkte weltweit sind. Diese wirtschaftlichen Beziehungen wachsen. Die Vorteile wachsenden Handels mit den USA lässt die Möglichkeiten des Handels mit diesen anderen Ländern winzig aussehen. Derzeit ist Russland der zwölftgrößte Handelspartner Österreichs, da kommt noch Norwegen vorher.

Auch in Österreich verstärken sich negative Emotionen gegenüber Amerika. Wie lässt sich die alte Sympathie wachrufen?

Ich komme aus einem Teil Amerikas, der eher in die Zukunft als in die Vergangenheit blickt. Ich glaube also weiterhin sehr an den amerikanische Traum. Der Technologie-Boom ist Realität, und davon können die Europäer viel lernen. Der sanfte Einfluss Amerikas in dieser Weltregion wird in Zukunft technologische Innovation sein. Wenn ich mit Österreichern rede, frage ich sie: Verwenden Sie ein iPad, haben Sie schon einmal ein Airbnb-Zimmer gebucht, fahren Sie mit Uber, tragen Sie Levis? Der Einfluss amerikanischer Kultur ist immer noch stark, und die Marke Österreich ist in Amerika stark. Diplomatie funktioniert eben viel besser im direkten Kontakt zwischen Menschen als mit Schlagzeilen.