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Politik Ausland
09/21/2020

Nur Spanien schlechter: Tschechien im Corona-Krisenmodus

Der Prager Frühling ist vorbei: Ein "Hardliner" übernimmt das Gesundheitsministerium, Tschechien steht vor dem zweiten Lockdown.

von Armin Arbeiter, Michael Hammerl

Tausende Menschen auf engstem Raum, zu den Songs ihres Idols Marek Ztracený tanzend. Dass das Konzert im tschechischen Königinhof an der Elbe so stattfinden konnte, sorgt im Land für Kopfschütteln. Denn die Lage ist ernst. Wie Österreich hat auch Tschechien zu Europas Musterschülern im Umgang mit dem Coronavirus gehört.

Der am 12. März beschlossene Notstand konnte am 17. Mai wieder aufgehoben werden, die Regierung ließ sich für ihr Krisenmanagement feiern, europaweit arbeiteten sich währenddessen Kritiker an Schweden ab. Dieser besondere Frühling ist längst vorbei, der Herbst lässt Schlimmes erahnen.

Ein Blick auf die Fallzahlen verrät: Prag hat seinen „Vorsprung“ im Kampf gegen das Coronavirus genauso verspielt wie andere EU-Staaten.

Besonders eindeutig zeigt das der 14-Tage-Schnitt. Am Sonntag kamen 193 Neuinfizierte auf 100.000 Einwohner. Tschechien hat damit Frankreich überholt, das beinahe täglich Rekordzahlen an Neuinfizierten vermeldet. Nur in Spanien sieht dieser Wert mit 300 in Europa aktuell noch schlechter aus. Österreich liegt knapp über 100.

Keine Reisewarnung

Was überrascht: Österreich hat über Schweden, Rumänien und Kroatien eine Reisewarnung verhängt, nicht über Tschechien. Nun arbeitet Tschechien zwar mit einem Ampelsystem, die Grenzbundesländer zu Österreich sind meist grün. Dennoch stiegen die täglichen Neuinfektionen zuletzt bundesweit auf über 3.000 – und damit auf Rot.

Gesundheitsminister Adam Vojtěch, 33, ist das erste politische Opfer dieses Trends. Ein „Bauernopfer“, urteilte die Opposition. Während Vojtěch, als Krisenmanager der „ersten Welle“ gefeiert, bereits im August die Maßnahmen verschärfen wollte, sprach sich Ministerpräsident und Parteifreund Andrej Babiš (ANO) anfangs dagegen aus. Eine Verschärfung der Maßnahmen für den Beginn des Schuljahres am 1. September wurde von Babiš deutlich abgeschwächt.

Kritiker glauben, dass der Premier aus wahltaktischen Gründen handelte und die Bevölkerung vor den Regional- und Senatswahlen Anfang Oktober nicht verärgern wollte. Vojtěch trat offiziell zurück, um „Raum für eine neue Lösung der Corona-Situation“ zu schaffen.

Babiš drückte sein Bedauern aus: „Ich verstehe, dass es für ihn zu viel gewesen sein muss, dass er von Politik und Medien angewidert war und sich zum Rücktritt entschlossen hat.“ Noch am Montag ernannte Babiš den Epidemiologen Roman Prymula zum neuen Gesundheitsminister.

Zweiter Lockdown?

Prymula ist in der jüngeren Bevölkerung als „Restriktions-Hardliner“ verschrien. Er hatte sich zuletzt für die neuerliche Ausrufung des Notstands ausgesprochen. Entschieden ist das noch nicht, doch die seine Einsetzung gilt als starkes Zeichen.

Ein neuerlicher Ausnahmezustand wie im Frühjahr würde wohl mit Ausreise- und Ausgehverboten vollzogen werden – also einer Art Lockdown. Maskenpflicht in Innenräumen gilt bereits.

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