Politik | Ausland
01.11.2018

Neue Theorie im Fall Khashoggi: Leiche in Säure aufgelöst

Türkischer Beamter: "Überreste mussten nicht bestattet werden". Saudi-Kronprinz nannte Khashoggi "gefährlichen Islamisten"

Die Leiche des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi ist möglicherweise in Säure aufgelöst worden. Die türkischen Strafverfolgungsbehörden würden aktuell diese Theorie verfolgen, berichtete die US-Tageszeitung "Washington Post" am Donnerstag unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten türkischen Regierungsvertreter.

"Khashoggis Überreste mussten nicht bestattet werden", wurde der Beamte zitiert. Die türkische Justiz hatte am Mittwoch zum Stand der Ermittlungen verlautbart, der 59-jährige Regierungskritiker sei kurz nach Betreten des Konsulats seines Landes erwürgt und seine Leiche dann zerstückelt worden.

Khashoggi war am 2. Oktober ins Istanbuler Konsulat seines Heimatlandes gegangen, um ein Dokument für seine Hochzeit abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Es besteht der Verdacht, dass der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman, den prominenten Journalisten ermorden ließ.

"Gefährlicher Islamist"

Zwei Wochen nach dem Verschwinden von Jamal Khashoggi hatte der Kronprinz den "Vorfall" in einer öffentlichen Rede als "sehr schmerzvoll" bezeichnet. Er sei "nicht zu rechtfertigen" und ein "schrecklicher Fehler".

Doch wie nun die Washington Post berichtet, soll Kronprinz Mohammed bin Salman am 9. Oktober - wenige Tage nach der Tat im Konsulat - in einem Telefonat mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Sicherheitsberater John Bolton den Journalisten als "gefährlichen Islamisten" bezeichnet haben. Das berichteten Mitarbeiter des Weißen Hauses am Donnerstag.

Das Telefonat soll demnach stattgefunden haben, bevor Saudi-Arabien offiziell zugegeben hat, dass Jamal Khashoggi tot sei. Mohammed bin Salman soll Kushner und Bolton dabei angefleht haben, die Zusammenarbeit mit dem Königreich aufrecht zu erhalten und dabei den saudischen Journalisten und Regimekritiker, der unter anderem für die Washington Post geschrieben hat, als Mitglied der Muslimbrüder bezeichnet haben.