Politik | Ausland
09.11.2017

NATO warnt vor mehr Anschlägen durch den IS

Auch ohne "physisches Kalifat" bleibe der IS eine Bedrohung warnen sowohl NATO-Generalsekretär Stoltenberg als auch US-Verteidigungsminister Mattis.

Aus den Gebietsverlusten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak könnte aus Sicht der NATO die Gefahr von Anschlägen in Europa wachsen. "Unsere Arbeit ist nicht getan", warnte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zum Auftakt eines Treffens der Anti-IS-Koalition am Donnerstag in Brüssel.

"Während der IS Gebiet verliert, könnte er versuchen, seine Bedeutung zu beweisen, in dem er Terrorangriffe in der Region und darüber hinaus verstärkt, auch hier in Europa."

Die Koalition müsse wachsam bleiben und zusammenarbeiten, um neuen Herausforderungen entgegenzutreten. Auch US-Verteidigungsminister James Mattis warnte die Verbündeten: "Trotz der Erfolge ist unser Kampf nicht vorbei. Auch ohne physisches Kalifat bleibt der IS eine Bedrohung zur Stabilität der befreiten Gebiete und in unserer Heimat." Das werde ein langer Kampf.

Nach Angaben der von den USA angeführten Koalition haben die Islamisten inzwischen 96 Prozent ihres ehemaligen Herrschaftsgebietes in Syrien und im Irak verloren. Zuletzt wurde in Syrien die im Euphrat-Tal gelegene Stadt Albu Kamal an der Grenze zum Irak von syrischen Truppen eingenommen.

UNO fordert Ausreise von Zivilisten

Die Vereinten Nationen appellierten unterdessen an die Konfliktparteien in Syrien, 400 verletzte und kranke Zivilisten aus der belagerten Rebellenbochburg Ost-Ghuta ausreisen zu lassen. "Rund 400 Männer, Frauen und Kinder müssen sofort evakuiert werden", sagte der Chef der UN-Hilfsmission für Syrien, Jan Egeland, am Donnerstag in Genf. 29 der Zivilisten, darunter 18 Kinder, werden seinen Angaben zufolge ohne schnelle medizinische Behandlung sterben.

Egeland forderte Regierungstruppen und Rebellen auf, "sofort" eine Waffenruhe zu vereinbaren, um die Evakuierungen zu ermöglichen. Die 400 Zivilisten werden seinen Angaben zufolge bisher in Kliniken, Kellern und Notunterkünften in verschiedenen Städten und Dörfern in Ost-Ghuta notdürftig versorgt. Bei den meisten handelt es sich demnach um Verletzte. Die UNO sorgt sich aber auch um unterernährte Kinder. Ihre Mütter seien "so schwach, dass sie nicht mehr stillen können", sagte Egeland.

Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus ist eine der letzten Rebellenhochburgen in Syrien. Die Regierungstruppen von Staatschef Bashar al-Assad belagern die Region seit 2013. Im Juli hatte die syrische Regierung eine Waffenruhe für die Region verkündet. Ost-Ghuta ist Teil einer sogenannten Deeskalationszone, auf die sich die Konfliktparteien bei Friedensgesprächen in der kasachischen Hauptstadt Astana einigten.

Bisher kamen nach UN-Angaben aber kaum Hilfslieferungen durch, die von der syrischen Regierung genehmigt werden müssen. Nach Angaben von Egeland bemüht sich die UNO seit Mai um eine Evakuierungsaktion für die Kranken. Bisher hätten aber nur gut ein dutzend Menschen ausreisen dürfen. Sieben Kranke, darunter auch einige Kinder, seien bereits gestorben, weil sie nicht evakuiert werden konnten