Politik | Ausland
09.02.2017

Modekette stellt sich gegen Trump - und profitiert

Blickt man auf die amerikanische Wirtschaft, hat man das Gefühl, die größten Firmen biedern sich dem Präsidenten an – immerhin schafft er es mit einem Tweet den Kurs fallen zu lassen. Nicht so die Modekette Nordstrom, sie stellt sich Trump entgegen. Auch Amtsmissbrauch liegt wieder in der Luft.

Es ist ein bisher einzigartiges Phänomen. Kaum greift US-Präsident Donald Trump zum Handy und twittert gegen eine Firma, fällt der Kurs ebendieser. Das bekam unter anderem Boeing zu spüren, nachdem Trump mitteilte: " Boeing baut eine brandneue 747 Air Force One für künftige Präsidenten, aber die Kosten sind außer Kontrolle geraten, mehr als vier Milliarden Dollar. Abbestellen!" Ein Blick über den Teich und die täglichen Schlagzeilen zeigt, egal ob Autobauer, Computerhersteller oder Flugzeughersteller, die meisten tun das, was Trump will. In öffentlichen Mitteilungen kündigen sie regelmäßig die Erfüllung der Trump’schen Wünsche an – damit dieser wiederum eine guten Deal via Twitter verkünden kann.

>> Live-Ticker zum US-Präsidenten Trump

„Direkte Attacke“

Und dann kam Nordstrom. Die Modekette stellte sich dem Präsidenten entgegen. Dieser twitterte - mit seinem privaten und retweetete mit dem offiziellen Präsidentenaccount - am Mittwoch: „Meine Tochter ist so unfair behandelt worden von @ Nordstrom. Sie ist eine großartige Person – sie drängt mich immer dazu, das richtige zu tun! Furchtbar!“ Das alleine reichte nicht, auch sein Sprecher Sean Spicer legte nach und meinte, die Entscheidung von Nordstrom gegen die Mode der Tochter sei eine „direkte Attacke“ auf die Politik des Präsidenten.

Anders als wahrscheinlich von Trump erwartet, argumentierte Nordstrom allerdings wirtschaftlich und signalisierte kein Entgegenkommen an die First Family. In einem Statement hieß es: "Wir treffen Kaufentscheidungen abhängig vom Umsatz." Jedes Jahr würden etwa zehn Prozent des Sortiments ausgetauscht. "In diesem Fall haben wir aufgrund des Umsatzes der Marke beschlossen, sie in dieser Saison nicht einzukaufen." So weit, so logisch – wird in einem Supermarkt eine Biermarke nicht gekauft, wird sie auch dort aus dem Sortiment fliegen.

Aktienkurs steigt

Erstaunlich für viele Beobachter war, dass die Börse Nordstrom für seine Standhaftigkeit belohnte. Am Mittwoch legte der Kurs deutlich zu. Es scheint zu fruchten, wenn Firmen zu ihren Entscheidungen stehen und sich eben nicht von Trump in das Geschäft reden lässt.

Amtsmissbrauch

Der Fall Nordstrom hat einmal mehr das Wort „Amtsmissbrauch“ in die Schlagzeilen gebracht. Unter anderem sagte Richard Painter, früherer Ethikbeauftragter der ebenfalls republikanischen Regierung von Präsident George W. Bush, dem Wall Street Journal: „Dies ist ein Missbrauch des öffentlichen Amts zum privaten Vorteil.“ Es sei zudem ein Machtmissbrauch, denn die Nachricht sei eindeutig - Nordstrom werde so zur „Persona non grata“ der Trump-Administration erklärt.

Es habe noch nie zuvor einen US-Präsidenten gegeben, der seine Macht im Amt so offensichtlich zum Vorteil seiner eigenen Familie ausnutze, kritisierte Jordan Libowitz von der Organisation Citizens for Responsibility and Ethics in Washington, die sich die Bekämpfung von Korruption in der US-Politik zum Ziel gesetzt hat. Im Weißen Haus sieht man das naturgemäß anders, Sean Spicer verteidigte den Präsidenten: Dieser habe jedes Recht, seiner Familie beizustehen.

Made in not the USA

Kleines Detail am Rande: Wie unzählige Fotos in den sozialen Medien belegen, wird auch die Kollektion von Ivanka Trump nicht in den USA hergestellt. Vietnam, Indonesion und China - aber nicht in den USA.