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Politik | Ausland
07/19/2019

"Zu sagen, es geht um Hunderttausende, ist ein großer Fehler der NGOs"

Gerald Knaus konzipierte den EU-Türkei-Deal. Er plädiert nun für eine Mittelmeerdebatte mit weniger Ideologie auf beiden Seiten.

In diesem Artikel bekommen Sie:

  • Eine pointierte, auf Fakten basierende Expertenmeinung zur Situation im Mittelmeer und in Nordafrika
  • Eine realistische Expertise zu politischen und rechtlichen Möglichkeiten, das Leid zu verringern
  • Aktuelle Zahlen zu den Ankünften über das Mittelmeer

Die Zahlen in der Migrationspolitik seien beherrschbar. Das predigt der Migrationsexperte Gerald Knaus seit Jahren. Es ist nicht verwunderlich. Denn es gehört zum Geschäft des österreichischen Soziologen, der Politik Lösungen für Probleme anzubieten. Den 2016 abgeschlossenen Flüchtlingspakt zwischen EU und Türkei, auch "Merkel-Plan" genannt, hat er mit Mitarbeitern der in Berlin ansässigen Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI) ausgearbeitet. Dem Abkommen wird eine deutliche Reduktion der Ankunftszahlen über die östliche Mittelmeerroute zugeschrieben.

Nach wie vor ein Zankapfel der Politik ist allerdings die zentrale Mittelmeerroute. Italien und Malta haben ihre Häfen für NGO-Schiffe geschlossen. Als die deutsche Sea-Watch Kapitänin Carola Rackete dennoch Ende Juni mit ihrem Schiff und 40 Migranten an Bord im italienischen Lampedusa einfuhr, flammte die Debatte über die Seenotrettung wieder voll auf.

Im laufenden Jahr sind aber nur rund 3.000 Flüchtlinge in Italien angekommen. Bemerkenswert ist, dass weniger als zehn Prozent der in Italien ankommenden Migranten von 2019 von NGOs an Land gebracht wurden. Die meisten würden direkt zum Beispiel auf Lampedusa oder in Sizilien ankommen oder von italienischen Booten gerettet, wie der finnische Ratsvorsitz am Mittwoch im Europaparlament bekanntgab.