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Politik Ausland
07/29/2020

Michelle Obamas Podcast: Plauderstunde mit Hintergedanken

Die ehemalige First Lady startet am Mittwoch einen Podcast – gut drei Monate vor der US-Wahl vielleicht nicht nur, um über Ehe, Freundschaft und Kindererziehung zu reden.

von Dirk Hautkapp

Die Platzierung des nagelneuen Produkts aus der Gedanken-Manufaktur Michelle Obamas drei Monate vor der Präsidentschaftswahl in einem nervlich und emotional wund gescheuerten Land legt nahe: Es handelt sich wohl nicht um die unpolitische Plauderstunde einer von der Bürde des Amtes befreiten Persönlichkeit, die dank unkaputtbaren Zukunftsglaubens weltweit geradezu spirituell verehrt wird.

Und doch möchte die Ehefrau des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, dass die ab Mittwoch auf der Streaming-Plattform Spotify ausgestrahlten Podcast-Serie „sich so anfühlt, als würden wir auf einer Parkbank oder in einer Nische eines Restaurants zusammensitzen, während die Jukebox läuft“. Michelle Obamas erster Gast ist gleich ihr Mann.

Menschelnd und cool

Die Gesprächskultur in diesem inszenierten Privatissimum zwischen Barack und Michelle Obama dürfte damit klar sein: menschelnd, empathisch, cool, intellektuell mutmaßlich inspirierend.

Wie viel das erste schwarze Power-Paar im Weißen Haus von sich und über den Zustand der Nation preisgibt, ist noch offen. Auch, ob Nachfolger Donald Trump einem nicht enden wollenden Stresstest unterzogen wird, und der Grad der Wahlkampfhilfe für Trumps Gegenkandidaten und Ex-Vizepräsidenten Joe Biden. „Angesichts der Dinge, die derzeit passieren, den Todesfällen von George Floyd, Breonna Taylor und Ahmaud Arbery bis hin zu den nicht aufhörenden Protesten und der Corona-Epidemie, die unsere Geduld – und unser Gewissen – auf die Probe stellen“, sagte Frau Obama vor der Premiere, „denke ich, dass sich heutzutage viele Menschen fragen, wo und wie sie sich in einer Gemeinschaft wiederfinden können.“

Dass Michelle LaVaughn Robinson, geboren in einfachen Verhältnissen in Chicago und aufgestiegen zu ersten „black first Lady“ der USA, sich hier als kompetente Kompass-Trägerin empfindet, nimmt kein Wunder. Ihre Autobiographie („Becoming“) ist inzwischen über 13 Millionen Mal verkauft worden und hält sich noch immer hartnäckig in den Bestseller-Listen. Die auch große Sportarenen mühelos füllende Lesereise gipfelte in einem gleichnamigen Netflix-Film über die „Selbstwerdung“ einer Motivationskünstlerin, der die Demokraten mit Kusshand die Präsidentschaftskandidatur für den 3. November angetragen hätten. Allein, die 56-Jährige hält das politische Geschäft für eine Jauchegrube.

Blendend bezahlt

Nach dem geschriebenen und gefilmten nun also das gesprochene, generalstabsmäßig vertriebene und blendend honorierte Wort. Spotify, 220 Millionen Abonnenten, zahlt dem Podcaster Joe Rogan, der monatlich an die 200 Millionen Mal heruntergeladen wird, laut Wall Street Journal über 100 Millionen Dollar. Dass sich die Obamas, die sich seit dem Ausscheiden aus dem Amt 2016 über ihre Produktionsfirma „Higher Ground“ von Buchverlagen, Streamingdiensten und Filmproduzenten lukrativ honorieren lassen, in ähnlichen Kategorien bewegen, ist laut US-Medien anzunehmen.

Für mehr Empathie

Bei ihrem neunteiligen Debüt auf der Podcast-Bühne bewegt sich Michelle Obama in einer ihr vertrauten, dissonanzenfreien Echokammer. Neben ihrer Mutter Marian und Bruder Craig kommen u. a. die Präsidentenberaterin Valerie Jarrett, Freundinnen wie Kelly Nibble und der bekannte Talkshow-Spötter Conan O’Brien zu Wort, wenn Themen wie Ehe, Freundschaft, Erziehung oder Gesundheit verhandelt werden. Nicht ganz ohne gruppentherapeutisches Motiv: „Ich hoffe, dass diese Serie dabei hilft, neue und schwierige Gespräche mit Menschen zu führen, die uns wichtig sind“, für mehr Verständnis und Empathie, sagt Michelle Obama.

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