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Politik Ausland
09/25/2021

Merkels Schatten: Auf den Spuren von Steve Jobs und Sean Connery

Die scheidende Kanzlerin hat Deutschland Stimme und Gesicht gegeben. Ihr Erbe ist gewaltig. Ein Blick in die Geschichte zeigt, an wen sich der Nachfolger lieber nicht orientieren sollte.

von Philipp Albrechtsberger

Schuhgröße 38. Auf großem Fuß lebte Angela Merkel nicht wirklich. Und dennoch sind die Fußstapfen, die es nach ihrer 16-jährigen Kanzlerschaft auszufüllen gilt, riesig. Wer es versuchen darf, ist wohl auch nach dem Wahlsonntag noch ungewiss. Unbestritten ist  die Schwierigkeit der Aufgabe. Das liegt nicht nur an den (welt)politischen Herausforderungen, die auf Deutschland zukommen. Die 67-jährige Merkel gab der Bundesrepublik ein verlässliches Gesicht und eine starke Stimme.

Um zu verstehen, was auf  den künftigen Kanzler zukommt, lohnt ein Blick zurück. Selbst abseits der Politik gibt es  Beispiele dafür, dass die Fortsetzung einer prägenden Ära einige Fallen birgt. Hier eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit:  

  • Nelson Mandela

Wenn man „Vater der Nation“ genannt wird, ist es für keinen Nachfolger einfach.  Schon gar nicht, wenn man bereits zu Lebzeiten als Heiliger verehrt wird. Bis heute hängt Südafrika an der kurzen Präsidentschaft (1994–1999) des früheren Widerstandskämpfers. Für manche seiner politischen Erben, wie zuletzt Jacob Zuma, endete die  Laufbahn  vor dem Strafrichter.

  • Bruno Kreisky

Kein österreichischer Kanzler vor oder nach ihm war länger im Amt. In den 13 Jahren investierte der Sozialdemokrat Unmengen, um den  Wohlfahrtsstaat auszubauen. Lange Zeit mit einer absoluten Mehrheit ausgestattet, wusste er auch weltpolitisch Akzente zu setzen, etwa im Nahostkonflikt. Das schwere   Erbe trat eher widerwillig Fred Sinowatz, der nicht nur die Staatsschulden übernahm, sondern auch die von Kreisky ausgehandelte   Koalition mit der FPÖ.

  • Steve Jobs

Seine Produktpräsentationen galten als Messen der Hightech-Branche,  und der Apple-Gründer verstand es, diese zu zelebrieren. Der Amerikaner war Zeit seines Lebens Verkäufer, im Angebot hatte er vor allem Visionen. Jobs erklärte, warum   iPod und/oder  iPhone  jedes Leben lebenswerter machen. Von der Innovationskraft lebt das Unternehmen noch heute exzellent, wenngleich Nachfolger Tim Cook eher digitale Evolutionen präsentiert, anstatt revolutionäre Produkte. 

  • Sean Connery

Er gilt vielen   als der einzig wahre James Bond. Der Schotte verkörperte den britischen Geheimagenten in den ersten fünf Kinofilmen und verhalf der Rolle zu Weltruhm. Zwar haben einige seiner mittlerweile fünf Erben selbst Wege gefunden, 007 erfolgreich anders darzustellen (etwa Daniel Craig), doch gerade der unmittelbare Connery-Nachfolger hatte es  schwer. George Lazenby blieb  nur ein einziger Auftritt  vergönnt („Im Geheimdienst seiner Majestät“). 

  • Helga Rabl-Stadler

Auch die 73-Jährige definierte eine Rolle neu – und zwar jene der mächtigen Festspielpräsidentin in ihrer Geburtsstadt Salzburg. In ihrer unlängst zu Ende gegangen, 26 Jahre andauernden Amtsperiode er- und überlebte sie sieben künstlerische Intendanten. Nicht selten war es die promovierte Juristin und langjährige Journalistin selbst, die in der Öffentlichkeit  Akzente setzte. Das Erbe, das sie nun hinterlässt, kann wahrlich nicht Jedermann verwalten. 

  • Alex Ferguson

Manchester United kämpfte gegen den Abstieg, als der damals 44-Jährige   1986 Trainer wurde. Der letzte Meistertitel lag mehr als zwanzig Jahre zurück. Was   folgte, ist die bis heute erfolgreichste Ära im Klubfußball. Ferguson, mittlerweile  zum Ritter geschlagen, formte Spieler wie David Beckham oder Cristiano Ronaldo zu Weltstars und United zum Rekordmeister sowie   zweifachen Champions-League-Sieger. 2013 trat der Schotte – natürlich als Meister – ab. Nachfolger David Moyes wurde mit einem fürstlichen Langzeitvertrag (bis 2019) ausgestattet – nach elf Monaten wurde er entlassen. Bis heute wartet der Klub auf einen weiteren Meistertitel.

  • Thomas Gottschalk

Es wirkte oft improvisiert, wenn  der Deutsche am Samstagabend zwei, drei oder vier Stunden (das Überziehen hatte längst Kultstatus erreicht) durch die Fernsehsendung „Wetten, dass..?“ führte. Doch Millionen wollten Ende  einfach nicht abdrehen. 1992 trat Wolfgang Lippert die Nachfolge  bei der beliebtesten Samstagabendshow im deutschsprachigen Raum an – und scheiterte grandios. 1994 kehrte Thomas Gottschalk als Moderator zurück. Für 18 weitere Jahre. 

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