In Athen hielt sich die Freude über Merkels Besuch in Grenzen

© Reuters/ALKIS KONSTANTINIDIS

Euro-Rettung
04/11/2014

Merkel in Athen: "Blick in die Zukunft"

Die deutsche Kanzlerin will mit Lob für die Griechen die Euro- Gegner bei der EU-Wahl schwächen.

von Reinhard Frauscher

Manches in Athen war wie bei Merkels letztem Besuch 2012: Das Zentrum abgeriegelt, die Medien unfreundlich, die Opposition links wie rechts böse. Mehr aber war anders: Großdemos gab es nicht, auch keine Merkel-Bilder mit Hitlerbart, "nur" eine Autobombe vor der Zentralbank am Vortag. Die deutsche Regierungschefin wurde von Gastgeber Antonis Samaras freundlichst und selbstbewusst begrüßt, die Spannung zwischen ihnen war weg.

Die Fünf-Stunden-Visite diente beiden: Die Anerkennung der schmerzhaften, griechischen Reformen durch die wichtigste Geldgeberin für die Rettung Griechenlands soll Samaras bei der EU-Wahl gegen die schrillen hellenischen Extremparteien helfen. Kanzlerin Merkel wiederum wollte in Deutschland den Beweis erbringen, dass ihr Weg der Euro-Rettung mit viel deutschem Steuergeld und Risiko der einzig richtige ist – und nicht das von Ökonomen und der neuen "Alternative für Deutschland" geforderte Ausscheiden Griechenlands oder eines anderen Mitglieds aus der Eurozone.

Verstehen und Mahnen

"Ich hatte mir den Blick in die Zukunft gewünscht", sagte Merkel beim Termin mit Samaras. Sie habe "Verständnis für die Belastungen", für die die Ex-DDR nach der deutschen Einheit ein Beispiel sein könnte. "Auch wenn die schwierige Phase anhält, gibt es noch viele ungenutzte Möglichkeiten", mahnte sie subtil den Gastgeber.

Samaras wertete die große Nachfrage der Märkte am Vortag für die erste seit 2009 wieder aufgelegte Anleihe als Beweis für seine Erfolge.

Er berief sich auch auf die "Troika", die Kontrollgruppe von EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds. Diese hatte vergangene Woche nach zähem Verhandeln und Druck aus Berlin grünes Licht für die angeblich letzte Tranche von acht Mrd. Euro Hilfe gegeben.

Anders als der Chef der "EU-Taskforce" zur Unterstützung der Reformen, der Deutsche Horst Reichenbach, sieht die Troika die Anleihe zwar nicht als "potenziellen Wendepunkt". Sie ist aber auch nicht so skeptisch wie viele liberale Ökonomen.

Diese halten die Anleihe nur wegen der indirekten Garantie Deutschlands für ein risikoloses Zins-Schnäppchen der Hedgefonds. Die griechische Gesamtlage beurteilen diese Experten heute sogar noch düsterer: Die Schulden Griechenlands stiegen statt zu sinken, und das, obwohl Athen schon 100 Milliarden Euro erlassen und die Rückzahlungen mehrfach erleichtert wurden. Vor allem schrumpfe die Wirtschaft, weil entscheidende Reformen bei Steuern, Bürokratie und Privatisierung kaum voran kämen. Griechenland rechne sich weiter schön, und die EU helfe mit.

Merkel ließ sich von dieser Kritik nicht beirren: Um ihren Willen zum weiteren Subventionieren des Landes zu betonen, brachte sie als Geschenk deutsches Steuergeld für eine neue Förderbank mit.

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