Politik | Ausland 12.01.2013

Frankreichs Militär drängt Islamisten zurück

Schon am Tag eins nach Beginn der Militäroperation konnte Paris einen Erfolg vermelden. Frankreich fürchtet nun aber Rache-Anschläge der Islamisten.

Die französische Luftwaffe flog auch am Samstag pausenlos Angriffe gegen mutmaßliche Stellungen der Islamisten, die den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Im Fokus der Militär-Intervention, die am Freitag begann und an der mehrere Hundert französische Soldaten teilnehmen: Die Stadt Konna, in der rund 50.000 Menschen in Lehmhütten wohnen.

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© Bild: KURIER

Diese war am Donnerstag von den „Gotteskriegern“ mit starken Verbindungen zur El Kaida eingenommen worden. Damit standen sie kurz vor der strategisch so wichtigen Stadt Mopti (siehe Grafik). Wäre auch diese gefallen – sie gilt als Tor zum Süden –, wäre der Weg in die Hauptstadt Bamako frei gewesen. Die schlecht ausgerüstete Armee Malis hat den Extremisten, die nach dem Sturz des libyschen Machthabers Gaddafi dessen Waffenarsenale plünderten, nichts entgegenzusetzen und wurde schon im Vorjahr regelrecht überrannt.

Hundert Tote

Frankreichs Präsident Hollande, der am Samstag den Nationalen Verteidigungsrat einberufen hat, blieb nichts anderes übrig, als die Notbremse zu ziehen und militärisch einzugreifen. Noch am Samstag konnte Konna von den Islamisten, die über mehrere Tausend Kämpfer verfügen, zurückerobert werden. Bei den Gefechten kam ein französischer Helikopter-Pilot ums Leben, laut Angaben aus Paris wurden auch 100 Extremisten getötet.

Angeblich sind auch nigerianische und senegalesische Soldaten im Einsatz. Und die internationale Streitmacht dürfte sich schnell erweitern: Die „Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft“ ( ECOWAS) bereitet den Einsatz einer 3500 Mann starken Truppe vor; die USA haben Logistik-Beistand sowie Aufklärungsdrohnen in Aussicht gestellt; und die EU will 200 Militärberater beziehungsweise -ausbildner entsenden. Ein wahrer Kraftakt, um den islamistischen Spuk zu beenden.

Islamisten-Vormarsch seit 2012

Begonnen hatte dieser im März 2012. Nach einem Putsch in der Hauptstadt Bamako nutzen die Tuareg-Stämme im Norden das Machtvakuum, um den lange gehegten Traum eines eigenen Staates (Azawad) im Norden Malis umzusetzen. In einem Zweckbündnis mit den Islamisten nahmen sie das Gebiet im Handstreich ein – danach wurden sie von den Extremisten aus allen wichtigen Städten wieder vertrieben. Seither herrschen unter der Bevölkerung Furcht und Schrecken: Die Scharia, das muslimische Recht, wurde eingeführt, Musik ist verboten, Handabhackungen und Steinigungen stehen auf der Tagesordnung. Und in der legendären Wüstenstadt Timbuktu zerstörten die „Gotteskrieger“ Jahrhunderte alte Grabmäler.

Zudem wurde die Region Anlaufstelle für Islamisten aus aller Herren Länder, sogar Terroristen-Ausbildungscamps sollen etabliert worden sein – und das gleichsam vor den erweiterten Toren Europas.

Sorge in Paris

Speziell in Frankreich geht nun die Angst um, muslimische Fanatiker könnten sich für die Intervention rächen wollen. Die Dschihadisten in Mali haben bereits zu Anschlägen gegen Franzosen aufgerufen. Paris hat daher seine Landsleute zum Verlassen des afrikanischen Landes aufgefordert. Auch Österreich und Deutschland haben für seine Bürger jeweils gleichlautende Aufruf getätigt.

Drei Franzosen sterben bei Befreiungsversuch

Der Versuch, eine französische Geisel gewaltsam zu befreien, endete in einem Blutbad. Als Elite-Einheiten das Versteck der islamistischen Entführer 110 Kilometer südlich der Hauptstadt Mogadischu stürmten, kam es zu schweren Gefechten. Im Zuge dieser wurde die Geisel von den Extremisten erschossen, zwei französische Soldaten wurden ebenso getötet. Laut Angaben aus Paris wurden auch 17 „Terroristen“ getötet.

Der jetzt erschossene französische Geheimdienstagent Denis Allex war im Juli 2009 von den Extremisten verschleppt worden.

Heikle Intervention

Die Franzosen kamen in höchster Not. Denn die Islamisten, die den Norden kontrollieren, hatten bereits das Tor zum Süden aufgestoßen. Jetzt wird ihnen Einhalt geboten. Das ist gut so, denn ein neuer Terrorstaat wäre eine Bedrohung für die Region und Europa. Militärisch sollte die Militäraktion kein allzu großes Problem darstellen. Der Feuerkraft der französischen Einheiten haben die „Gotteskrieger“ wenig entgegenzustellen, sie werden sich in entlegene Wüstengebiete zurückziehen. Dauerhaft aber kann ein Gebiet von der Größe Frankreichs nicht kontrolliert werden. Die einzige Möglichkeit, die Extremisten zu vertreiben, ist eine Allianz mit den Tuareg-Stämmen, die mit Islamisten nichts am Hut haben. Um sie an Bord zu holen, muss ihnen die malische Regierung aber mehr Autonomierechte einräumen.

( Kurier ) Erstellt am 12.01.2013