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17.09.2017

U-Bahn-Anschlag: Zweiter Verdächtiger festgenommen

Ein 21-Jähriger wurde wegen Terrorverdachts in Gewahrsam genommen.

Nach dem Anschlag auf die Londoner U-Bahn mit 30 Verletzten am Freitag hat die britische Polizei einen zweiten Verdächtigen festgenommen. Das teilte Scotland Yard am Sonntag mit. Der 21-jährige Mann wurde demnach am späten Samstagabend in Hounslow im Westen der britischen Hauptstadt wegen Terrorverdachts in Gewahrsam genommen.

Am Samstag war bereits ein 18-jähriger Mann im Ausreisebereich des Hafens von Dover festgenommen worden. Zuvor wurde unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ein Reihenhaus in der Grafschaft Surrey im Südwesten Londons durchsucht. Medienberichten zufolge soll dort ein älteres Ehepaar leben, das immer wieder Kinder und Jugendliche in Pflege genommen hat. Scotland Yard wollte das auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht kommentieren.

Noch gab Scotland Yard keine Details bekannt, doch es gibt kaum Zweifel daran, dass der 18-Jährige verdächtigt wird, die Bombe am Freitagfrüh in einem Pendlerzug abgestellt zu haben. Innenministerin Amber Rudd hatte die Festnahme des 18-Jährigen als "sehr bedeutsam" bezeichnet. Er wurde am Samstag nach London überstellt und blieb dort zunächst in Gewahrsam.

Bei dem Anschlag am Freitag in London war eine selbstgebaute Bombe in einer voll besetzten U-Bahn nahe der oberirdischen Haltestelle Parsons Green explodiert. Durch den Feuerball und anschließendes Gedränge wurden 30 Menschen verletzt, drei von ihnen waren am Samstag noch im Krankenhaus. Die IS-Terrormiliz reklamierte den Anschlag für sich.

In Großbritannien gilt seit Freitagabend die höchste Terrorwarnstufe. Das heißt, ein unmittelbar bevorstehender Anschlag gilt als möglich. Die Polizeipräsenz wurde zum Wochenende im ganzen Land stark erhöht. Auch das Militär wurde zum Schutz von Einrichtungen und Bürgern eingesetzt. Scotland-Yard-Chefin Cressida Dick rief die Menschen zur Wachsamkeit auf.

Der BBC zufolge soll es sich bei der Bombe um eine ähnliche Konstruktion gehandelt haben wie beim Attentat in Manchester. Bei dem Anschlag im Mai waren 22 Menschen getötet worden. Großbritannien wurde in diesem Jahr bereits zum fünften Mal zum Ziel eines Terroranschlags.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) drohte laut ihrem Sprachrohr Amaq am Freitagabend mit weiteren Anschlägen.