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23.03.2017

London: Acht Festgenommene planten weiteren Terrorakt

Mitten im Zentrum von London raste am Mittwoch ein Auto in eine Menschengruppe. Ein Angreifer attackiert einen Polizisten. Die Polizei spricht von einem Terroranschlag. Mehr Details über Herkunft der Opfer. Festnahmen nach Hausdurchsuchungen. IS reklamiert Tat für sich.

Am Jahrestag der Anschläge von Brüssel sind bei einem Angriff in London vor dem britischen Parlament und auf der Westminister Brücke drei Menschen vom Attentäter getötet worden. Die Polizei erklärte, sie gehe bis auf weiteres von einem terroristischen Vorfall aus. Unter den Toten seien ein Polizist, auch der mutmaßliche Angreifer sei tot (insgesamt damit vier), sagte Terrorabwehrchef Mark Rowley. 29 Menschen seien schwer verletzt, sieben davon schwer. Zwischenzeitlich war sogar von rund 40 Verletzten und fünf Toten die Rede.

WAS WIR WISSEN

Der Täter: Bei dem Attentäter von London handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 52-jährigen Mann namens Khalid Masood. Scotland Yard bestätigte am Donnerstag auch, dass er in Großbritannien geboren wurde, er soll zuletzt in den West Midlands gelebt haben. Er sei unter einer Anzahl von Aliasnamen bekannt gewesen.

Masood sei in der Vergangenheit mit Gewaltdelikten und unerlaubtem Waffenbesitz in Erscheinung getreten, hieß es in einer Mitteilung weiter. Eine Verurteilung wegen terroristischer Aktivitäten habe es nicht gegeben. "Seine erste Verurteilung war 1983 wegen Sachbeschädigung, die letzte 2013 wegen unerlaubten Besitzes eines Messers", hieß es in der Mitteilung der Polizei.

Scotland Yard hatte zuvor von einem Einzeltäter gesprochen, der "vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde".

Der Hintergrund: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beansprucht den Anschlag für sich. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak. Der Angreifer sei damit Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der "internationalen Koalition" anzugreifen. Damit ist die Anti-IS-Koalition unter Führung der USA gemeint, der unter anderem Großbritannien, Frankreich und Deutschland angehören. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht überprüfen. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle verbreitet. Der Terrorismusforscher Peter Neumann geht davon aus, dass das Bekennerschreiben des IS echt ist. Doch sei es eine andere Frage, welche Art von Verbindung existierte, sagte der Experte der Deutschen-Presse-Agentur. Neumann leitet das internationale Zentrum zur Erforschung von Radikalisierung (ICSR) am King's College in London und berät auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Sachen Deradikalisierung von Islamisten.

Die Tat: Nach Angaben der Polizei raste der Täter mit einem Auto in Passanten auf der Westminster-Brücke. Er fuhr wenige hundert Meter weiter und krachte mit dem grauen Hyundai i40 in den Zaun des Parlamentsgebäudes. Danach sprang er aus dem Wagen und lief nach Medienberichten mit zwei Messern bewaffnet auf das Gelände des Parlaments. Dort stach er einen unbewaffneten Polizisten nieder. Anschließend wurde er von einem anderen Beamten erschossen.

Die Toten: Es gab neben dem Angreifer mindestens drei Tote. Die Polizei korrigierte diesbezüglich ihre Angaben. Zwischenzeitlich war von vier Todesopfern die Rede gewesen. Die Toten auf der Westminster-Brücke sind ein etwa 50-jähriger Tourist aus den USA und eine 43-jährige Britin mit spanischen Wurzeln. Der getötete Polizist war ein 48-jähriger Beamter. Laut Scotland Yard war er "Ehemann und Vater".

Die Verletzten: Mindestens 40 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, einige trugen "katastrophale Verletzungen" davon. Am Morgen befanden sich laut Scotland Yard sieben im kritischen Zustand. Auch eine Deutsche ist den Angaben zufolge unter den Verletzten. Die Verletzten stammen aus insgesamt mindestens elf Ländern. Verletzt wurden unter anderem drei französische Schüler, zwei rumänische, zwei griechische und vier südkoreanische Staatsbürger sowie ein Pole, ein Italiener, ein Amerikaner, ein Chinese und ein Ire. Unter den Schwerverletzten sind auch zwei Polizisten.

Die Ermittlungen: Die Polizei nahm Terrorermittlungen auf. In Zusammenhang mit dem Anschlag sind nach Angaben von Scotland Yard acht Menschen festgenommen worden. Zuvor seien sechs Wohnungen in London, Birmingham und anderen Orten durchsucht worden. Nach Angaben der Polizei waren am Tag nach der Attacke zusätzliche Beamte in London unterwegs, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.

London: Acht Festgenommene planten weiteren Terrorakt

  • 19:49

    BRITAIN-POLITICS-PARLIAMENT-ATTACK Foto: APA/AFP/ADRIAN DENNIS

    Tausende Menschen haben am Donnerstagabend am Trafalgar Square in London der Opfer des Terroranschlages gedacht. Londons Bürgermeister Sadiq Khan zündete während einer Gedenkzeremonie vor den Stufen der National Gallery Kerzen für die Opfer an. "Londoner werden sich nie von Terror einschüchtern lassen", rief Khan den Menschen zu.

    A woman holds up a sign at a vigil for the victims… Foto: AP/Matt Dunham

  • 19:34

    Die britische Polizei hat am Tag nach dem Anschlag acht Personen festgenommen. Sie beschreibt diese als Terrorverdächtige, die Anschläge geplant und vorbereitet hätten. Die Ermittlungen werden weiter fortgesetzt, es gebe Razzien in Wales, Birmingham und London.

    Unterdessen schweben noch zwei Menschen in Lebensgefahr.

  • 16:24

    Schweigeminute im UN-Sicherheitsrat

    Der UN-Sicherheitsrat hat dem Anschlag in London mit einer Schweigeminute gedacht. An dem Treffen, bei dem es eigentlich um die Konflikte in Nordkorea und Somalia ging, nahm am Donnerstag auch der britische Außenminister Boris Johnson teil. „Der Angriff auf London war ein Angriff auf die Welt“, sagte Johnson danach vor Journalisten. Der Kampf gegen den Terror werde aber gewonnen werden. „Unser Blick auf die Welt ist besser und großzügiger und unser Wille ist stärker.“ Johnson bedankte sich für die große Anteilnahme, die er stellvertretend für sein Land bei den Vereinten Nationen bekommen habe.

  • 15:43

    Polizei gibt Namen des Täters bekannt

    Bei dem Attentäter von London handelt es sich um einen 52-jährigen Mann namens Khalid Masood aus Mittelengland. Das teilte Scotland Yard am Donnerstag mit. Er sei der Polizei bereits aufgrund von Gewaltdelikten und unerlaubtem Waffenbesitz bekannt gewesen, hieß es in einer Mitteilung weiter. Eine Verurteilung wegen terroristischer Aktivitäten habe es nicht gegeben.

    Hier unser Bericht über die Lage in Birmingham.

  • 15:35

    Schweigeminute um 9.33 Uhr

    Er trug die Abzeichennummer 933 - nun hat London des beim Terroranschlag getöteten Polizisten genau um 9.33 Uhr britischer Zeit (10.33 MEZ) gedacht. Neben den Abgeordneten im Parlament beteiligten sich unter anderem die Londoner Polizei und die Stadtverwaltung im Rathaus an der Schweigeminute.
    Der 48-jährige Polizist, ein Familienvater, wurde bei dem Anschlag am Mittwoch auf dem Gelände des Londoner Parlaments erstochen. Er war unbewaffnet, als der Attentäter ihn attackierte.

  • 15:26

  • 13:59

    Die Londoner Westminster-Brücke ist weniger als 24 Stunden nach dem Terroranschlag wieder für den Verkehr freigegeben worden. Das teilte die Londoner Verkehrsorganisation Transport for London am Donnerstag auf Twitter mit. Die Brücke über die Themse war gesperrt worden, nachdem dort ein Attentäter am Mittwoch in Menschen gerast war. Ein Mann und eine Frau starben auf der Brücke. Eine andere Frau stürzte ins Wasser und wurde später mit ernsten Verletzungen geborgen.

  • 13:23

    In Londoner U-Bahn-Stationen empfangen am Tag nach dem Terroranschlag Schilder mit Mutbotschaften die Fahrgäste. Fotos davon machen die Runde in sozialen Medien. Auf einem Schild ist in dicken Filzstiftbuchstaben zu lesen: "Schlimme Dinge passieren in der Welt. Aber aus diesen Situationen erwachsen immer Geschichten von gewöhnlichen Menschen, die außergewöhnliche Dinge tun." Auf einer anderen Hinweistafel ist zu lesen: "Die Blume, die in Zeiten der Not blüht, ist die seltenste und schönste von allen." Die Verkehrsorganisation Transport for London postete ein Bild davon auf Twitter. Wer die Schilder beschriftete, wurde nicht bekannt.

     

    Sogar im britischen Parlament war die Rede von den ermutigenden Botschaften. Ein Abgeordneter zitierte am Donnerstag die Aufschrift eines der am meisten geteilten Schilderfotos: "Alle Terroristen werden höflichst daran erinnert, dass das hier London ist und dass wir - egal was ihr uns auch antut - Tee trinken und uns nicht unterkriegen lassen werden." Dabei handelte es sich allerdings um ein Bild, das ein Internet-Nutzer mit einem speziellen Online-Generator erstellt hatte. Es wurde von Journalisten und anderen Usern zigfach online geteilt.

  • 13:08

    Papst Franziskus hat sich bestürzt über das Attentat in London gezeigt. Er sei „tief betrübt“ über die Nachricht von Toten und Verletzten in Folge des Angriffs im Zentrum Londons, so der Papst am Donnerstag in einem Telegramm an den Vorsitzenden der Katholischen Bischofskonferenz von England und Wales, Kardinal Vincent Nichols.
    Nichols ist Erzbischof von Westminster, wo der Anschlag auch verübt wurde. In seinem Schreiben erklärte Papst Franziskus seine Anteilnahme mit allen von dem Anschlag Betroffenen und versicherte sie seines Gebetes.

  • 12:43

    Der Angreifer, dessen Name bis dato noch nicht genannt wurde, befand sich laut englischen Medien nicht auf der Liste der potenziellen Gefährder, die der Inlandsgeheimdienst MI5 führt. Rund 3.000 Briten, hauptsächlich Islamisten, stehen auf dieser Liste der Personen, denen Terroranschläge zugetraut werden. Sie stehen deshalb unter Beobachtung.

  • 12:32

    Die Londoner Polizei möchte mit erhöhter Polizeipräsenz das Sicherheitsgefühl in der Stadt stärken.

  • 13:01

    IS reklamiert den Anschlag für sich

    Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Anschlag für sich reklamiert. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldet das IS-Sprachrohr AMAQ unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitskreise über das Internet.

    "Die Operation folgte dem Aufruf zu Angriffen auf die Länder der Koalition", hieß es bei AMAQ weiter mit Bezug auf die Staaten, die sich in einer internationalen Koalition am Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak beteiligen. AMAQ berief sich in der Mitteilung auf "eine Sicherheits-Quelle".

  • 12:21

    Martin Eichtinger, der österreichische Botschafter in London, spricht im ORF über die Terrorattacke:

  • 12:15

    Englisches Nationalteam will im Wembley der Opfer gedenken

    Englands Fußball-Nationalmannschaft will am Sonntag im Wembley-Stadion der Opfer gedenken. Nach dem freundschaftlichen Klassiker gegen Deutschland (0:1) am Mittwochabend verfinsterte sich bei Nationaltrainer Gareth Southgate (Bild) auf eine Frage nach den Vorfällen wenige Stunden zuvor die Miene.

    "Die Identität unserer Nation ist, dass wir weitermachen, dass wir fortfahren. Wir erlauben niemandem, uns von unserem Alltag abzubringen", kommentierte Southgate. Noch auf dem Weg ins Dortmunder Stadion gab es Diskussionen, in welcher Form die Mannschaft auf die Geschehnisse reagieren soll. Auf die zunächst angedachte Schweigeminute wurde am Ende jedoch verzichtet. "Uns erschien es angemessener, etwas in London beim Heimspiel am Sonntag zu machen", sagte Southgate mit Verweis auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Litauen.

  • 12:11

    Die britische Königin Elizabeth II. hat den Opfern des Terroranschlags von London ihr Mitgefühl ausgesprochen. "Meine Gedanken, Gebete und mein tiefstes Mitgefühl sind bei all denen, die von der gestrigen furchtbaren Gewalt betroffen sind", erklärte die 90-jährige Monarchin in einer am Donnerstag vom Königshaus verbreiteten Mitteilung.
    "Ich weiß, ich spreche im Namen aller, wenn ich meinen tiefen Dank und meine Bewunderung für die Mitglieder der Polizei ausdrücke und für all diejenigen, die so selbstlos daran arbeiten, andere zu schützen", hieß es weiter.

  • 12:04

    Mietauto aus Birmingham

    Der vom Attentäter verwendete Geländewagen, ein Hyundai Tucson, stammt laut Guardian von einem Autoverleih in Birmingham; eine Meile von dem Haus (siehe Foto) entfernt, das in der Nacht von der Polizei untersucht wurde.

  • 11:48

    Beim Anschlag in London gibt es nach bisherigen Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) keinen Deutschland-Bezug. BfV-Chef Hans-Georg Maaßen warnte allerdings am Donnerstag auf der Technologiemesse CeBIT in Hannover vor einer zunehmenden Radikalisierungs-Offensive der Terrormiliz IS im Internet: "Der IS ist mittlerweile ein digitales Kalifat geworden, er nutzt seine Möglichkeiten dort in brillanter Weise." Allein Deutschland zähle die Salafisten-Szene mittlerweile knapp 10 000 Anhänger.

  • 11:44

    Polizisten in Spurensicherungsanzügen untersuchen das Gras vor dem Parlament.

  • 11:36

    Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach dem Anschlag in London eine engere Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus gefordert. "Um die terroristische Bedrohung zu bekämpfen, muss es eine echte Zusammenarbeit der gesamten Weltgemeinschaft geben", hieß es in einem Schreiben des Kremlchefs an die britische Premierministerin Theresa May am Donnerstag. Die Kräfte des Terrors würden immer "heimtückischer und zynischer".

  • 11:21

    „Was ich bestätigen kann, ist, dass der Mann in Großbritannien geboren wurde und dass er vor einigen Jahren vom MI5 (Inlandsgeheimdienst, Anm.) überprüft wurde im Zusammenhang mit der Besorgnis über gewaltsamen Extremismus“, sagte May. „Er war eine periphere Figur“, fügte sie hinzu. „Dieser Fall ist historisch, er war nicht Teil des laufenden Geheimdienst-Bildes.“ Es habe im Vorhinein keine Geheimdienstinformationen über seine Absicht, einen Anschlag zu verüben, gegeben.