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Politik Ausland
05/22/2020

Kurz und Söder: Die (un)gleichen Chefs der Schwesterparteien

ÖVP-Chef Kurz tritt beim ersten virtuellen CSU-Parteitag via Video-Schaltung auf

von Johanna Hager

ÖVP-Chef Sebastian Kurz und Freundin Susanne Thier als Homer und Marge Simpson im Fasching? Unvorstellbar. CSU-Chef Markus Söder und Frau Karin verkleiden sich 2017 anlässlich der Fastnacht in Franken als diese Comic-Figuren, 2018 gibt sich Bayerns Ministerpräsident als Prinzregent Luitpold. Kurz und Söder trennen diesbezüglich Welten.

20 Jahre Altersunterschied liegen zwischen den Parteichefs und eine Landesgrenze, die Kurz beim heutigen CSU-Parteitag zum Thema machen wird. Gerade, um das Verbindende zwischen Österreich und Deutschland, zwischen Volkspartei und Christlich-Sozialer Union, zwischen ihm, dem Kanzler, und Söder, dem möglichen Merkel-Nachfolger, hervorzuheben.

Denn gerade auch die Haltung wie Distanz zur Kanzlerin eint die beiden seit jeher. Was ihnen derzeit zudem gemein ist, das sind märchenhafte Umfragewerte.

Via Video wird Kurz beim ersten CSU-Parteitag zugeschaltet sein.

Weil wechselseitige, öffentlichkeitswirksame Schützenhilfe seit dem Flüchtlingsjahr 2015 nachgerade Tradition hat.

Weil Söder Österreichs Corona-Maßnahmen in Bayern zeitverzögert nahezu 1:1 umgesetzt hat ("Ich habe viel Sympathie für das ‚Wiener Modell‘“). Weil Österreich gerade jetzt auf Deutsche als Touristen angewiesen ist.

"Kurz tritt beim Parteitag auf, weil das Verhältnis zu Deutschland und besonders zu Bayern nicht nur wirtschaftlich wichtig ist. Alles, was nicht schadet, ist nützlich, und Kurz weiß: Wann immer er in Deutschland auftritt, wird besonders hingehört und darüber berichtet“, sagt Kurz-Biograph und Bild-Reporter Paul Ronzheimer zum KURIER.

Das Verhältnis zwischen ihnen sei "kein persönlich enges“, was mehr an Söder liege. "Der CSU-Chef hat auch in Deutschland mit Politikern eher Allianzen als Freundschaften. Ein engeres Verhältnis gibt es wohl zwischen Kanzler Kurz und CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn.“

Was Söder jedenfalls habe: "große Achtung vor Kurz, seinen kommunikativen Fähigkeiten und Wahlerfolgen“. An die will Söder anschließen. Ob in Bayern oder im Bund – das bleibt abzuwarten.