Kroatische Armee-Laster im zerstörten Petrinja 

© APA/AFP/DAMIR SENCAR

Politik Ausland
12/30/2020

Kroatien: 38 Erdbeben in 49 Stunden

Hilfe ist auf dem Weg, 1000 Häuser wurden zerstört, viele Menschen übernachteten aus Angst in ihren Autos.

von Susanne Bobek

„Was vorher noch nicht von den Ruinen der Stadt heruntergefallen ist, ist jetzt heruntergefallen“, sagte der Bürgermeister von Petrinja, Darinko Dumbovic, am Mittwoch. In der Früh hatten zwei weitere Erdbeben der Stärke 4,8 und 4,6 das Gebiet um die Kleinstädte Sisak, Petrinja und Glina in Kroatien erschüttert. Diese Nachbeben nach dem schweren Erdbeben der Stärke 6,2 vom Dienstag waren wieder bis Slowenien spürbar. Seismologen rechnen auch über Neujahr mit weiteren Erdstößen.

Der Kärntner Michael Markota, der in Kroatien ein Großunternehmer ist, arbeitet trotz seiner Rückenprobleme an einer privaten Hilfsaktion. Und mehr als 30 Fahrzeuge der Landesfeuerwehrverbände Niederösterreich und Wien machten sich am Mittwoch mit Hilfsgütern wie Wohncontainern, Heizlüftern und Zeltbetten auf den Weg ins Katastrophengebiet.

Ärmliche Gegend

Die Verzweiflung der Menschen in dieser sowieso schon ärmlichen Gegend ist unbeschreiblich. In nur 49 Stunden wurden in Kroatien 38 Erdstöße verzeichnet.

Im Dorf Majske Poljane bei Glina waren am Dienstag fünf Menschen nur noch tot aus den Trümmern ihrer Häuser geborgen worden. In Summe verloren sieben Menschen ihr Leben, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. Mindestens 26 Menschen wurden verletzt, davon sechs schwer.

Riesenglück hatte eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung von Petrinja, die stundenlang in ihrem Büro verschüttet war. Suchhunde hatten sie unter dem Schutt aufgespürt, die Rettungskräfte brauchten dann vier Stunden, bis die Frau geborgen werden konnte.

Viele Menschen verbrachten die Nacht aus Angst im Freien oder in ihren Autos. „Wir haben zehn Decken im Auto gehabt, es war aber trotzdem kalt“, sagte ein Bewohner von Petrinja zum Nachrichtenportal 24sata. „Glücklicherweise ist derzeit ein milder Winter. Aber lange halten wir das nicht aus.“

Andere kamen in der nahe gelegenen Kaserne unter oder bei Verwandten.

Die erste Bilanz: Mehr als 1000 Häuser im Gebiet von Petrinja, Sisak und Glina wurden komplett zerstört, mindestens so viele seien beschädigt, sagte der Verantwortliche der Region Sisak-Moslavina, Ivo Zinic, am Mittwoch.

Viele Bewohner der Gegend haben bereits zum zweiten Mal ihr Haus verloren, das erste Mal im Kroatien-Krieg (1991-1995).

Am Feuer in Höfen

Vor allem Ältere wollten deshalb ihr Heim nicht räumen. „Wir konnten einige Bewohner nicht davon überzeugen, ihre zerstörten Häuser zu verlassen. Sie blieben am Feuer in ihren Höfen“, sagte eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes zum kroatischen Fernsehen HRT.

In den Dörfern konnten auch viele nicht weg, weil sie sich um ihr Vieh kümmern müssen, so die Vize-Bürgermeisterin von Glina, Branka Baksic Mitic, laut Nachrichtenportal Index.hr.

Der Papst hat seine Solidarität mit den Opfern des schweren Erdbebens ausgedrückt. Er bete für die Todesopfer und ihre Familien.

Zu viele Freiwillige

In Zagreb wurden am Mittwoch umgerechnet 16 Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt. Die Regierung erklärte den 2. Jänner zum nationalen Trauertag.

In der kroatischen Hauptstadt machten sich viele Freiwillige mit Schaufeln ins Katastrophengebiet auf. Zu Mittag riefen die Behörden auf, nicht mehr zu kommen. „Trotz ihrer guten Absichten erschwert das Gedränge die Arbeit der Rettungsdienste“, twitterte das Innenministerium.

Eine Gruppe von jungen Menschen mit Schaufeln betonte gegenüber dem TV-Sender N1, sie hätten sich mit lokalen Behörden abgestimmt, wo sie helfen könnten.

Diese Hilfsbereitschaft rührte vor allem die mehr als 300 Krankenhauspatienten und die Bewohner von Altersheimen, die nach Zagreb gebracht wurden.

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