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Politik Ausland
05/19/2021

Kriminalfall Trump: Der Mann, der zu viel wusste

Staatsanwaltschaft New York eröffnet Ermittlungen gegen das Unternehmen des Ex-Präsidenten. Im Fokus: Der Finanzchef.

von Konrad Kramar

„Wir ermitteln von jetzt an aktiv mit den Mitteln des Strafrechts – und haben die Trump Organisation davon verständigt.“ Viel mehr als dieser Satz im strengen Juristenjargon war der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James nicht zu entlocken. Auffallend schweigsam auch die Gegenseite: Anwälte des riesigen Firmenkonglomerats verweigerten gegenüber US-Reportern jeden Kommentar.

Der Kriminalfall Trump, der dessen Präsidentschaft überschattet hatte, nahm schon vor einigen Wochen Fahrt auf. Damals war es dem Staatsanwalt von Manhattan, Cyrus Vance, endlich gelungen, die wichtigste Verteidigungslinie Trumps zu durchbrechen: Seine Steuererklärungen. Vier Jahre lang hatte sich der Präsident geweigert, diese herauszurücken. Im März aber scheiterte ein letzter, in aller Eile eingereichter Einspruch. Seither arbeiten sich die Staatsanwälte durch diese Steuerakten. Dass nun auch die New Yorker Staatsanwaltschaft auf strafrechtliche Ermittlungen umschwenkt, macht deutlich, dass man dort bereits einiges gefunden hat.

Betrug aller Art

Es geht um Versicherungs- und Steuerbetrug, aber auch um den offensichtlich viel zu hoch verbuchten Wert einiger Immobilien in Besitz der Trump Organisation. So waren schon zu Jahresbeginn offensichtliche Betrügereien um ein Luxusimmobilien-Projekt in der Nähe von New York bekannt geworden. Aus dem Kaufpreis von knapp sieben Millionen Dollar war zuletzt ein Wert von 300 Millionen Dollar entstanden. Mysteriöse Wertsteigerungen, die vor allem dazu dienten, dem mehrfachen Bankrotteur weitere Kredite zu verschaffen – unter anderem von seinem bis zuletzt wichtigsten Geldgeber, der Deutschen Bank. Die beendete ja erst heuer zu Jahresbeginn endgültig ihre Geschäftsbeziehungen zu Trump und jagt seither Hunderten Millionen an Schulden hinterher.

Russische Mafia

Doch in die Trump-Immobilien floss auch sehr viel Geld aus offensichtlich dubiosen Quellen. Vom Trump-Tower in Manhattan bis zu Immobilienprojekten in Brooklyn, überall kauften sich russische Dachgesellschaften ein, hinter deren komplexen und anonymen Konstruktionen nach Ermittlungen von US-Medien Geld aus der russischen Schattenwirtschaft steckte. Russische Geldgeber, die bereits wegen ihrer kriminellen Vergangenheit verurteilt waren, waren über Monate im Trump-Tower eingemietet.

Schweigegeld

Wie so oft bei Trump gibt es auch bei seinen Immobilienunternehmungen einen engen, persönlichen Vertrauten, durch dessen Hände all diese Geldgeschäfte gingen: Den langjährigen Finanzchef Allen Weisselberg. Seit die Steuerakten offen liegen, so berichten US-Medien, hatten die New Yorker Staatsanwälte ihre Ermittlungen immer mehr auf den inzwischen 73-Jährigen konzentriert.

Es ging nicht nur um ihn selbst, sondern auch um seine zwei Söhne, die beide auch in Trumps Immobilienimperium beschäftigt waren. Als finanzielle Zentralfigur der Immobiliengeschäfte soll Weisselberg auch mit anderen Geldtransaktionen Trumps zumindest vertraut gewesen sein. Es geht um das Schweigegeld, das Trumps Anwalt Michael Cohen – ein weiterer enger Vertrauter – zwei Frauen zahlte, die angaben, mit Trump ein sexuelles Verhältnis gehabt zu haben.

Kooperation mit den Behörden

Trump selbst hat die Ermittlungen von Cyrus Vance immer als „politische Hexenjagd“ bezeichnet. Seine Steuererklärungen seien ohnehin ständig überprüft, die Kredite von renommierten Finanzinstitutionen vergeben worden.

Der Mann jedenfalls, der die entscheidenden Einblicke in diese Geschäfte liefern kann, ist Allen Weisselberg. Weder er noch seine Söhne werden von den Behörden als Verdächtige gehandelt, sondern lediglich als Auskunftspersonen. Wenn sie also zur Kooperation bereit seien, analysiert die New York Times, wäre es „ein maßgeblicher Beschleuniger für die Ermittlungen – und ein schwerer Schlag für Trump.“

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