Kann Pakistan für Frieden sorgen?
Proteste nach der Tötung von Tötung von Ayatollah Ali Khamenei im pakistanischen Karachi.
Der iranische Außenminister Seyed Abbas Araghchi dankte in einem Statement seinen "lieben Brüdern", dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif und General Asim Munir, den Donald Trump als seinen "Lieblingsfeldmarschall" bezeichnet, für deren unermüdliche Bemühungen um eine Waffenruhe im Iran-Krieg. Am Freitag sollen Gespräche in Islamabad starten.
Für ein Land, das sich vor nicht einmal einem Jahr noch Feuergefechte mit seinem größten Feind in der Nachbarschaft, Indien, geliefert hat und nach wie vor Militäroperationen an seiner Westgrenze gegen die Taliban in Afghanistan durchführt, ist das ein bemerkenswerter, strategischer Erfolg.
Wie gelang es Pakistan, sich in der Vermittlerrolle besonders gegenüber der Türkei oder Ägypten, die Islamabad unterstützen, durchzusetzen? Denn unparteiisch ist Pakistan eigentlich nicht, es unterhält ein Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien. Hätte Saudi-Arabien nach den Angriffen des Irans seine Beistandsklausel aktiviert, hätte Pakistan in den Krieg hineingehen müssen.
Wesentlich für eine erfolgreiche Vermittlerrolle ist Vertrauen – und das genießt Pakistan bei beiden Konfliktparteien.
Kooperationspartner mit Streitpunkten
Die Beziehung Pakistans zu den USA ist historisch gewachsen – Pakistan war stets ein Verbündeter in Pakten gegen Kommunismus, etwa im Kalten Krieg oder gegen die sowjetische Invasion Afghanistans, oder Terrorismus. Andererseits sorgten Pakistans Atomprogramm und die Unterstützung Pakistans der afghanischen Taliban während der US-Besetzung für Spannungen. Tiefpunkt war die Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden auf pakistanischem Staatsgebiet.
Premierminister Shehbaz Sharif (l.), General Asim Munir (r.) und Donald Trump.
Doch unter Trump haben sich die Beziehungen gebessert, vor allem Trump und General Munir sollen eine enge, persönliche Beziehung pflegen. Pakistan trat auch Trumps "Board of Peace" bei für einen Frieden im Gazastreifen.
Konfessionelle Nähe
Mit dem Iran unterhält Pakistan ein neutrales bis gutes Verhältnis, die anti-israelische, teils anti-semitische Haltung Islamabads sorgt für Vertrauenspunkte. Dass Israel Berichten zufolge von bisherigen Verhandlungen so gut wie außenvorgelassen wurde und schlicht über die bereits entschiedene Waffenruhe informiert worden sein soll, unterstützt Pakistans Rolle in den Augen des Irans. Erschwert wird das Vertrauen jedoch von der historisch engen Beziehung zwischen Neu-Delhi und Teheran. Dazu kommt die 900 Kilometer lange Grenze, entlang der die Belutschen leben und wo es immer wieder Spannungen durch separatistische Bewegungen gibt.
Was für Pakistan spricht: seine gläubige, muslimische Bevölkerung. Pakistan ist mit über 96 Prozent muslimischer Bevölkerung einer der größten islamischen Staaten der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, die Mehrheit sunnitisch, 40 Millionen Menschen sind allerdings Schiiten. Das ist die zweitgrößte schiitische Bevölkerung weltweit (nach dem Iran). Nach der Tötung von Ayatollah Ali Khamenei durch die USA und Israel kam es auch in Pakistan zu heftigen Massenprotesten und mehreren Toten.
Ein Ende des Krieges und noch dazu eine Vermittlerrolle lassen sich nach innen hin gut verkaufen, während die eigenen Probleme groß sind: Pakistan ist laut globalem Terrorismusindex nach Burkina Faso das am zweitstärksten von Terrorismus betroffene Land der Welt. Die wirtschaftliche Situation ist schlecht, die Sperre der Straße von Hormus ließ auch in Pakistan Öl knapp und teuer werden und heizte die Inflation an. Selbst das vergleichsweise kleine Bangladesch, einst Teil von Pakistan, hat das Land im Bruttoinlandsprodukt und dem BIP-Wachstum pro Kopf sowie in der Erwerbstätigkeit der Frau mittlerweile übertroffen.
Durch seine proaktive, vertrauenerweckende Rolle verspricht sich Pakistan am globalen Parkett Pluspunkte, im besten Fall Finanzhilfen und Investitionen oder neue Rüstungsabkommen mit den USA oder gemeinsamen Verbündeten wie den Golfstaaten. Das würde Pakistan auch in seiner Rivalität mit Indien stärken.
Was Pakistan allerdings fehlt: die notwendige globale Durchsetzungskraft, sollten die Gespräche stocken. Sowohl die USA als auch der Iran könnten bei einem Scheitern Islamabad die Schuld zuschieben. Pakistan vertraut auf seine persönlichen Beziehungen und hat noch dazu Rückendeckung eines großen, alten Verbündeten, der sich bisher im Konflikt merkbar zurückgehalten, gleichzeitig aber nicht nur Zuseher vom Beckenrand bei der Aushandlung eines Kriegsendes sein möchte: Irans wichtigster Wirtschaftspartner und Pakistans größter Infrastrukturinvestor, China.
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