Wie sich der Iran im Krieg eine goldene Nase verdient

Der Iran profitiert derzeit doppelt so stark von Öleinnahmen wie vor dem Krieg. Käufer China finanziert so indirekt Armee und Revolutionsgarden im Mullah-Staat.
Auf dem Meer schwimmen mehrere große Frachtschiffe im Dunst.

Wie Sanktionen umgangen werden können und so ungehindert Milliarden in den Iran fließen, wusste Jamshid Eshaghi meisterlich zu nutzen. Der 65-jährige Brigadegeneral galt als das Herz und Hirn des iranischen Ölhauptquartiers. Eshaghi zog seit vielen Jahren die Fäden beim illegalen Ölverkauf an China, er koordiniert den Schmuggel der regulären Armee mit jenem der Revolutionsgarden - und sorgte so dafür, dass der Iran weiter große Summen in seine Aufrüstung stecken konnte.

Vergangenes Wochenende haben israelische Streitkräfte Eshaghi bei einem gezielten Luftangriff getötet.

Das könnte Irans unter US-Sanktionen stehenden Ölverkäufe, die man in Washington auf Null herunterzwingen möchte, ein wenig bremsen, stoppen wird die Tötung des Brigadegenerals den illegalen Ölhandel des Mullah-Staates allerdings nicht.

Kompliziertes Netzwerk zur Sanktionsumgehung

Alles ist auf Schiene, der Iran lebt seit Jahrzehnten mit Sanktionen. Ein ausgeklügeltes System von Tarn- und Briefkastenfirmen und Schattenflotten wurde entwickelt.

Seedokumente wurden gefälscht, um die iranische Herkunft des Öls zu verschleiern. Ein ungeheuer komplexes Netzwerk wurde geschaffen, mit dem sich das Öl gewinnbringend außer Landes schaffen ließ - trotz aller Sanktionen.

Auch nach fast schon sechs Wochen Krieg funktionieren die Mechanismen weiter wie geschmiert. Mehr noch: Der Iran profitiert derzeit doppelt so stark von den Öleinnahmen wie vor dem Krieg.

Im Vorjahr, so berechnete es das US-Bankhaus Goldman Sachs, habe der Iran täglich zwischen 1,5 bis 1,8 Millionen Barrel Öl exportiert. Heute sollen die täglichen Ausfuhren zwischen 2,5 bis 2,8 Millionen Barrel Öl und Erdölprodukte betragen, wobei sich die Ausfuhren an reinem Erdöl nicht gesteigert haben dürften, errechneten die Rohstoffexperten des britischen Economist.

Aber weil der Iran die Meerenge von Hormus weitestgehend gesperrt hat, schnellten die weltweiten Ölpreise in die Höhe - und sorgen auch so im Iran für sprudelnde Einnahmen.

Derzeit liegt der Ölpreis bei rund 110 Dollar pro Barrel (159 Liter) - also schon fast doppelt so hoch wie vor dem Krieg.

Fazit: Wegen der gestiegenen Preise lukriert der Iran derzeit doppelt so viele Einnahmen wie noch vor nicht einmal zwei Monaten. Der Großteil dieser Einnahmen fließt direkt an die Armee und die Revolutionsgarden - und damit in die Verlängerung des Krieges.

IRAN-US-ISRAEL-WAR-FUNERAL

Teheran: Begräbnis für einen General der Revolutionsgarden, der diese Woche von der israelischen Luftwaffe getötet wurde

Der Iran mag zwar mit mehr als 15.000 Treffern der israelischen und amerikanischen Armee bombardiert worden sein, im Energiekrieg aber haben die Mächte in Teheran so noch immer die Nase vorn.

Zu den rund 20 mächtigsten Männern im Land - neben dem nun getöteten Jamshid Eshaghi - die den illegalen Ölhandel im Iran kontrollieren, gehört auch die Clique um Mojtaba Khamenei – Sohn und Nachfolger des Obersten Führers, der am ersten Kriegstag von Israel getötet wurde. Von Khamenei aber war abgesehen von einer Sprachnachricht seit seiner Ernennung nichts mehr zu hören, gerüchteweise soll er schwer verletzt, im Koma oder gar tot sein.

Fast 90 Prozent des auf illegalen Wegen verschifften Öls aus dem Iran wird von China gekauft. Auch die Zahlung läuft meist über chinesische Banken oder extrem kompliziert verschachtelte Finanzwege, um die US-Sanktionen zu umgehen.

Wegen dieser Blockaden sind auch meist nicht staatlich gesteuerte chinesische Petrokonzerne die Abnehmer, sondern an die hundert kleine Raffinerien im Norden des Landes. Offiziell agieren sie unabhängig von Chinas staatlichen Ölkonzernen. Die Realität ist jedoch eine andere: Einige dieser Raffinerien zählen die chinesischen Ölkonzerne zu ihren Kunden.

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