Putin, der unverhofft größte Profiteur des Iran-Krieges
Kremlherr Putin freut sich über die gestiegenen Ölpreise
Bei dieser Gelegenheit konnte sich Wladimir Putin, der sonst in der Öffentlichkeit kaum eine Miene verzieht, ein schadenfreudiges Lächeln nicht verkneifen: Russisches Gas sei ja viel billiger als Flüssiggas aus den USA oder aus dem Nahen Osten, sagte der Kremlherr zu Wochenbeginn im Beisein der Chefs der größten russischen Öl- und Gaskonzerne. Wenn Europa sich also nun „neu ausrichten“ wolle – „bitte. Wir haben uns nie geweigert, wir sind bereit, mit den Europäern zusammenzuarbeiten“, grinste er. Einzige Voraussetzung: „Europäische Garantien für langfristige Zusammenarbeit ohne politische Hintergedanken.“
Öl ist das Lebenselixier der russischen Wirtschaft. Die gewaltigen Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine, die Sanktionen des Westens und der bis vor Kurzem stark gesunkene Ölpreis haben die russischen Finanzen zuletzt erheblich belastet.
Doch dann kam der Krieg gegen den Iran. Das Mullah-Regime sperrte die für den internationalen Öltransport lebenswichtige Seestraße von Hormus und attackierte Energieanlagen in den nahöstlichen Nachbarländern.
Seither muss Kremlherr Putin nichts anderes mehr tun, als darauf zu hoffen, dass der Waffengang noch eine Weile andauert. Denn der Krieg mitsamt den international steigenden Ölpreisen spült Russland richtig viel Geld in die Kasse.
Ein amerikanischer B-1-Bomber wird mit Raketen beladen
Frohlocken in Moskau
Mit einem Ölpreis von 59 Dollar pro Barrel würde das Budgetloch im flächenmäßig größten Land der Welt zumindest nicht weiter wachsen. In der Vorwoche aber schoss der Ölpreis schon einmal über die 100-Dollar-Marke hinaus – und hob parallel dazu die Stimmung in Moskau. Gestern, Mittwoch, lag der Ölpreis der Marke Brent immer noch bei hohen 90,6 Dollar.
Und von dort dürfte er bei anhaltendem Kriegsgeschehen im Nahen Osten vorerst auch nicht mehr weiter sinken. Viel zusätzliches Geld, das Russland sofort wiederum in seinen eigenen Krieg gegen die Ukraine umlenken wird – während der Führung in Kiew das Geld für ihre Verteidigung auszugehen droht.
Brennende Ölanlage nahe Teheran
Kurze Atempause
Seine finanziellen Probleme hat Russland damit allerdings noch nicht auf Dauer gelöst. „Es verschafft ihnen eine kurze Atempause, aber nicht genug, um neue Fronten zu eröffnen“, glaubt Wirtschaftsexpertin Elina Ribakova vom Peterson Institute for International Economics im Gespräch mit dem Wall Street Journal.
Doch Russlands Präsident kann auf noch mehr Erleichterungen hoffen: Weil die gestiegenen Ölpreise nach dem Schock über den Iran-Krieg auch in den USA die Spritpreise in die Höhe treiben, versucht die Trump-Administration, gegenzusteuern. So hat US-Finanzminister Scott Bessent begonnen, einige Beschränkungen für russische Ölexporte zu lockern, die dazu dienten, den Kreml wegen des Krieges in der Ukraine unter Druck zu setzen. Indien etwa erhielt eine 30-tägige Ausnahme, um bereits auf dem Meeresweg befindliches russisches Öl kaufen zu können, ohne US-Strafzölle befürchten zu müssen.
Weitere Lockerungen könnten bevorstehen, wie US-Präsident Trump andeutete: „Wir haben Sanktionen gegen einige Länder, wir werden diese Sanktionen aufheben, bis sich die Lage beruhigt hat“, sagte Trump.
Für Putin hätte diese Wende zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können: Im Februar waren die Öl- und Gaseinnahmen um fast 50 Prozent geringer ausgefallen als im Februar des Vorjahres. Zudem hatte Washington Sanktionen gegen die beiden großen russischen Ölproduzenten Lukoil und Rosneft verhängt. Und nicht zuletzt hatten endlich auch die Sanktionen der EU sowie das Vorgehen gegen die russische Schattenflotte ihre Wirkung getan.
Mit 28. Februar aber, als die ersten US- und israelischen Bomben auf den Iran niederdonnerten, fiel dieser Druck auf Russland schlagartig weg. Sogleich forderte Ungarns russlandfreundlicher Präsident Viktor Orbán die Europäische Union auf, die Sanktionen gegen russische Energieunternehmen auch gleich auszusetzen. Davon aber will Deutschlands Kanzler Friedrich Merz nichts hören. Eine Lockerung der EU-Sanktionen komme nicht infrage, winkte er ab: „Die Solidarität mit der Ukraine hat Vorrang, selbst wenn das eine Phase höherer Energiepreise bedeutet.“
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