Politik | Ausland
30.12.2018

Komplettes Rauchverbot: Finnen sollen bis 2030 ausdämpfen

Als erstes Land Europas will die Regierung in Helsinki Tabakkonsum vollständig aus der Öffentlichkeit verbannen.

Auch in Finnland haben die Menschen gute Vorsätze für das Neue Jahr. Doch da das für eine tatsächliche Verhaltensänderung oft nicht genügt, hilft der Staat nach. Der Vorsatz, mit dem Tabakkonsum aufzuhören, wird der gesamten Bevölkerung nahegelegt – durch Gesetze.

Finnland soll binnen 12 Jahren rauchfrei werden, so das Ziel. Jüngstes Beispiel ist das Verbot, auf dem eigenen Balkon zu rauchen sowie eventuell auch auf privaten Grundstücken, die an andere grenzen.

„Wir haben immer wieder Beschwerden wegen rauchender Nachbarn“, sagt Reetta Honkanen von der finnischen Gesundheitsbehörde. Mehr als 40 Maßnahmen wurden gegen Raucher erlassen, die laut Studien 13 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ausmachen.

Suchtverhalten

Die Anti-Tabakkampagne der Regierung begann 2010, damals rauchten noch 20 Prozent der Volljährigen. Mittlerweile wurde die Tabaksteuer erhöht, die Bilder auf den Zigarettenpackungen drastischer, Tabakprodukte dürfen in Lebensmittelgeschäften nicht mehr sichtbar angeboten werden, das Rauchen im Auto mit Kindern ist untersagt.

Alle Gesetze gelten ebenso für E-Zigaretten, für die keine Fruchtaromen angeboten werden dürfen.

Suchtverhalten

Das Land mit den langen Winternächten hat allgemein ein Problem mit Suchtverhalten. Das Trinken beispielsweise ist dort wenig genuss-, sondern vor allem rauschorientiert. Auch fällt bei einem Besuch in Helsinki auf, wie gierig die Raucher an ihren Kippen ziehen. Menschen, die stark nach Tabak und Schnaps riechen, trifft man zu jeder Uhrzeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

In Sachen Alkohol geht Finnland den anderen Weg – Gaststätten und Geschäfte haben seit Anfang 2017 die Erlaubnis, härtere Getränke zu verkaufen – eine Anpassung an EU-Standards.

Seit 2007 geht in Finnland der Alkoholkonsum offiziell zurück, dennoch trinken heute 13 Prozent der Bevölkerung auf eine gesundheitsgefährdende Art, so die Weltgesundheitsorganisation. Die Statistiken berücksichtigen dabei den Schmuggel aus dem Baltikum und das Selbstbrennen nicht.

Tabak in Grundschule

Auch in Sachen Tabak gibt es ein steigendes Schmuggelproblem. Das begehrte Gut wird dabei aus Schweden geliefert: „Snus“, Tabak, der unter die Oberlippe geschoben wird und Nikotin an die Mundschleimhaut abgibt. Das Herstellerland Schweden ist das einzige EU-Land, in dem Snus legal vertrieben werden darf.

Der finnische Zoll bringt immer mehr Schmuggelware auf. Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Fernsehens kommt der Konsum von Snus sogar im Grundschulalter vor, mit stark steigender Tendenz. Schulärzte sind alarmiert. Zusätzlich zu den Schäden, den das Nikotin verursacht, schadet Snus langfristig dem Zahnfleisch.

Bereits 20 Prozent der 18-jährigen Finnen konsumieren den Schwedentabak. Da er auch von populären Eishockeyspielern konsumiert wird, plant die finnische Regierung auch hier eine große Aufklärungskampagne.