Kriegsgefangene Herero und ein deutscher Soldat im heutigen Namibia

© APA/AFP/NATIONAL ARCHIVES OF NAMIBIA/HANDOUT

Politik Ausland
05/28/2021

Kolonialzeit: Als Deutschland in Afrika Massenmord verübte

Deutschlands Verbrechen in seiner ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika werden nun als Völkermord anerkannt.

von Konrad Kramar

Zehntausend Reichsmark, 260 Gewehre und eine List: So viel musste der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz 1884 aufwenden, um jene Bucht zu kaufen, aus der Deutschlands erste Kolonie wurde. Das Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika war weit größer, als das dort heimische Volk der Nama (früher „Buschmänner“) geglaubt hatte. Der Kaufmann hatte verheimlicht, dass die deutsche Meile viermal so lang war wie die englische, mit der sie kalkuliert hatten.

Auftakt für Verbrechen

Eine unblutige Betrügerei stand am Anfang von Deutschlands kurzer Kolonialgeschichte bis 1918, es sollten bald schrecklichere Verbrechen folgen. Verbrechen, die erst in den letzten Jahren aufgearbeitet wurden und die endlich auch politische Konsequenzen haben.

120 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia erkennt die Bundesregierung die Gräueltaten an den Herero und Nama als Völkermord an.

„Dunkelstes Kapitel“

Die Nachkommen will Deutschland mit 1,1 Milliarden Euro unterstützen. Bundespräsident Steinmeier wird bei einem Festakt im Parlament Namibias offiziell um Vergebung bitten. Darauf haben sich nach fast sechs Jahren Verhandlungen die beiden Länder verständigt. Außenminister Heiko Maas spricht von „einem gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte“.

Streit um Formulierungen

Bis zuletzt hatte man um einzelne Begriffe gestritten: Deutschland wollte nicht von „Reparationen“ sprechen, Namibia war die Formulierung „Heilung der Wunden“ zu verharmlosend.

Das Kaiserreich Deutschland war gerade einmal ein paar Jahre alt, als man sich daran machte, Gebiete in anderen Kontinenten unter seine Kontrolle zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die großen europäischen Gegenspieler Großbritannien, Frankreich und die Niederlande den Großteil der Welt längst unter sich aufgeteilt.

Beamte und Siedler

Entsprechend eifrig und mit preußischer Gründlichkeit machte sich Berlin daran, Gebiete in Afrika, Ostasien und Ozeanien einzunehmen, mit entsandten Beamten und Siedlern zu bewirtschaften und zu verwalten und zuletzt auch militärisch zu besetzen. Große militärische Operationen wollte die Armeeführung eigentlich vermeiden. Doch die brutale Aneignung von Land, die Vertreibung der dort ansässigen Menschen und deren Ausbeutung als Arbeitskräfte sollte die afrikanischen Stämme bald in den Aufstand gegen die deutsche Herrschaft treiben.

Vergeltungsaktionen

Und diese Aufstände schlug das Kaiserreich erbarmungslos nieder. Als die Rebellion einer Gruppe von Herero 1904 zum Tod von drei deutschen Beamten führte, beschloss die Armee jene Vergeltungsaktionen, die nun als Völkermord gelten. „Innerhalb der deutschen Grenzen wird jeder Herero mit und ohne Gewehr erschossen. Ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auf sie schießen“, so lautete der Befehl des deutschen Generals Trotta.

Der Guerillakrieg gegen die Stämme der Herero und Nama sollte Jahre dauern, und er sollte von Seiten Deutschlands mit immer brutalerer Gewalt geführt werden: Gefangene wurden hingerichtet oder zur Zwangsarbeit in eigens dafür angelegten Camps deportiert. Erstmals taucht hier in deutschen Dokumenten ein Begriff auf, der ein paar Jahrzehnte später zum Inbegriff des Holocaust werden sollte: „Konzentrationslager“.

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