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Politik Ausland
05/26/2021

Insider: So bereitete sich Merkel auf Treffen mit Trump vor

In seinem neuen Buch zeigt der Merkel-Kenner Robin Alexander die Kanzlerin von bisher unbekannten Seiten - Anekdoten inklusive.

von Irene Thierjung

"Machtverfall: Merkels Ende und das Drama der deutschen Politik" hei√üt das neue Buch des deutschen Bestseller-Autors Robin Alexander. In diesem besch√§ftigt sich der Vize-Chefredakteur der Zeitung Welt mit den letzten Regierungsjahren der deutschen Kanzlerin, die er seit rund 20 Jahren begleitet.

In einem Podcast wartete Alexander am Mittwoch mit einigen bisher nicht bekannten Anekdoten √ľber die 66-J√§hrige auf.

In "Steingarts Morning Briefing" beschreibt der Autor, wie sich die fr√ľhere CDU-Chefin auf ihre erste Begegnung mit Donald Trump im M√§rz 2017 vorbereitete, den sie f√ľr "ein Ungl√ľck" hielt. 

"Merkel ist immer detailliert vorbereitet, aber das habe ich noch nie erlebt", sagt Alexander im Podcast. "Merkel hatte alles lesen lassen, was je √ľber Trump geschrieben wurde oder von Trump geschrieben wurde. Das ist exzerpiert worden f√ľr sie."

Die Kanzlerin habe sich zudem Folgen von "The Apprentice" angesehen, der fr√ľheren Reality-Show von Trump, habe dessen Pressekonferenzen verfolgt und sogar ein Playboy-Interview aus dem Jahr 1990 mit dem damaligen Immobilien-Tycoon gelesen. 

"Auf Fouls vorbereitet"

"Beim Fu√üball w√ľrde man sagen, sie hat eine Videoanalyse gemacht", sagt Alexander. "Sie hat sich den Gegner richtig ausgeguckt und sich gezielt Gegenstrategien √ľberlegt. Sie war auch auf Fouls vorbereitet."

Als Beispiel f√ľr ein solches "Foul" nennt Alexander eine Begebenheit beim Besuch der damaligen britischen Premierministerin Theresa May im J√§nner 2017 in Washington. Bei einem Spaziergang im Rosengarten des Wei√üen Hauses nahm Trump kurz Mays Hand und t√§tschelte sie, wie in diesem Video zu sehen ist:

"Merkel hat sich Strategien √ľberlegt, wie sie eine solche Ber√ľhrung, die sie als Erniedrigung empfunden h√§tte, vermeiden kann", sagt Alexander. "Sie hat sogar in London angerufen und mit Theresa May gesprochen."

Merkel und Trump seien nie warm miteinander geworden. "Merkel hat versucht, viele Br√ľcken zu schlagen", sagt Alexander. Bei ihrem erstem Besuch habe sie beispielsweise viele Firmenchefs mitgenommen, weil sie dachte, dass Trump das gefalle. Und sie habe auch die N√§he zu Trumps Tochter Ivanka zugelassen, "die ja gar nicht ihre Augenh√∂he ist". 

Von Obama ermuntert

H√§tte die Demokratin Hillary Clinton 2016 die US-Pr√§sidentenwahl gewonnen, w√§re Angela Merkel heute nicht mehr Kanzlerin, ist Alexander √ľberzeugt. 

Nach Trumps Wahl hatte Merkel bekanntlich entschieden, doch noch einmal bei Bundestagswahlen zu kandidieren. Sie habe den Westen in Gefahr gesehen und die internationale Politik nicht Trump √ľberlassen wollen, sagt Robin Alexander. Dazu sei sie von dessen Vorg√§nger Barack Obama ermuntert worden.

Bei einem Essen im Hotel Adlon habe Obama Merkel unter vier Augen gesagt, sie m√ľsse noch einmal kandidieren. Er habe die Worte "Wir brauchen dich" benutzt. 

Insider-Infos wie diese hat Alexander nach eigenen Angaben aus Obamas engstem Kreis. So habe etwa dessen fr√ľherer Redenschreiber Ben Rhodes in seinen Erinnerungen berichtet, was Obama ihm von dem Vier-Augen-Gespr√§ch mit Merkel erz√§hlt habe: "Da gibt es zum Beispiel die sch√∂ne Szene, als Obama ins Auto steigt", erz√§hlt Alexander. Dabei habe Obama eine Tr√§ne im Auge der Kanzlerin gesehen.

Merkel, die ihre Emotionen meist verbirgt, habe in der letzten Phase ihrer Kanzlerschaft tats√§chlich zunehmend Gef√ľhl gezeigt, so Alexander.

Der Autor verweist auf ihre mittlerweile legendäre Rede vergangenen Dezember im Bundestag, bei der sie die Deutschen beschwor, sich doch an die Corona-Maßnahmen zu halten: "Man dachte, wenn sie noch 30 Sekunden weiterspricht, dann weint sie tatsächlich."

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