COP26 in Glasgow

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Politik Ausland
11/02/2021

Klimakonferenz: 100 Staaten wollen Zerstörung von Wäldern stoppen

Am ersten Tag des COP26 in Glasgow gab es eine erste Vereinbarung und eindringliche Appelle. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres: "Wir graben unser eigenes Grab"

von Peter Temel

Vom Weltklimagipfel (COP26) in Glasgow wurde am späten Montagabend eine erste Vereinbarung gemeldet: Mehr als 100 Staaten haben sich verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderen Landschaften bis 2030 zu stoppen. Dies gab die vorsitzführende britische Regierung bekannt. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte zuvor beim feierlichen Auftakt vor einem Versagen der Menschheit im Kampf gegen die Erderwärmung gewarnt: "Wir schaufeln uns unser eigenes Grab", sagte er.

Die an der Vereinbarung zum Schutz der Landschaften beteiligten Länder, darunter Deutschland und die gesamte EU, repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche, also etwa 34 Millionen Quadratkilometer. Mit dabei sind die Staaten mit den größten Wäldern überhaupt, also Kanada, Russland, Brasilien, Kolumbien, Indonesien sowie China, Norwegen und die Demokratische Republik Kongo. Für das Vorhaben werden bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar (6,2 Mrd. Euro) private Investitionen.

"Wir graben unser eigenes Grab"

Die von den Staaten weltweit versprochenen Anstrengungen beim Klimaschutz reichen nach Worten von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres hinten und vorne nicht aus, um eine Katastrophe abzuwenden.

Er rief die Regierungsvertreter auf der Weltklimakonferenz am Montag in Glasgow auf, mehr zu tun. "Wir graben unser eigenes Grab", warnte Guterres bei der feierlichen Auftaktveranstaltung mit Dutzenden Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP).

"Genug brutale Angriffe, genug Selbstzerstörung"

Regierungen müssten Subventionen für fossile Brennstoffe beenden, aus der Kohle aussteigen und einen Preis für sämtliche Emissionen festlegen, verlangte er. "Es ist an der Zeit, zu sagen: Genug", sagte Guterres. "Genug brutale Angriffe auf die Artenvielfalt. Genug Selbstzerstörung durch Kohlenstoff. Genug davon, dass die Natur wie eine Toilette behandelt wird. Genug Brände, Bohrungen und Bergbau in immer tiefere Lagen."

Guterres äußerte Zweifel an den Klimaschutzversprechen mancher Staaten. Selbst, wenn alle tatsächlich eingehalten würden, steige die Erwärmung zur Jahrhundertwende auf 2,7 Grad über vorindustriellem Niveau. "Wir steuern immer noch auf eine Klimakatastrophe zu", sagte er.

Guterres rief die reichen Länder auf, ihr Versprechen von 2009, ärmeren Ländern jedes Jahr 100 Milliarden Dollar für die Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung zu stellen, endlich umzusetzen.

Johnson: "Eine Minute vor Mitternacht"

Der britische Premierminister Boris Johnson als Gastgeber nahm die Staats- und Regierungschefs ebenfalls in die Pflicht. Das Treffen müsse "diese Bombe" entschärfen und "der Anfang vom Ende" des zerstörerischen Klimawandels werden, sagte Johnson zu Beginn der feierlichen Eröffnungszeremonie am Montag in Glasgow. "COP26 kann und darf nicht das Ende der Geschichte sein." Man habe mit dem Pariser Klimaabkommen ein Rettungsboot geschaffen, dem man nun einen Schubs in die Richtung einer grüneren, saubereren Zukunft geben müsse.

"Es ist eine Minute vor Mitternacht auf der Uhr des Weltuntergangs", sagte Johnson. "Wir fühlen uns vielleicht nicht wie James Bond und sehen vielleicht auch nicht so aus." Aber mit Blick auf den Film-Geheimagenten und die Gefahr der Erderwärmung sagte er: "Lasst uns diese Bombe entschärfen." Man habe nun die einmalige Chance, das Ruder herumzureißen und dafür zu sorgen, dass kommende Generationen die heutigen Mächtigen nicht verurteilen würden, sagte der Premier zu seinen Amtskolleginnen und -kollegen.

Prinz Charles: "Geld in die Hand nehmen"

Prinz Charles betonte beim Auftakt der Weltklimakonferenz die wichtige Rolle des Privatsektors für eine klimaneutrale Zukunft. Industrie und Banken hätten Billionen, um die Transformation voranzutreiben, sagte der britische Thronfolger.

Sie, die Politikerinnen und Politiker, müssten dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen klar seien und sich nicht immer wieder änderten. Nur dann hätten Investoren das Vertrauen, Geld in die Hand zu nehmen.

Attenborough: "Wir sind die Problemlöser"

Auch der britische Naturfilmer David Attenborough erinnerte die Verhandlerinnen und Verhandler an ihre Verantwortung für zukünftige Generationen. Die Menschen von morgen würden zur COP26 zurückblicken und sich fragen, ob die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre durch die dortigen Entscheidungen zurückgegangen sei oder nicht, sagte Attenborough bei der Eröffnungszeremonie.

COP26 in Glasgow

"Wir haben allen Grund zu glauben, dass die Antwort Ja sein kann", sagte der 95-Jährige. Es werde allerdings hart werden und riesige Anstrengungen benötigen, auch eine industrielle Revolution. "Letztendlich sind wir aber noch immer die größten Problemlöser, die je auf der Erde gelebt haben", sagte er.

Chinas Präsident schwänzt

Chinas Präsident Xi Jinping wird auf dem Gipfel in Glasgow indes weder persönlich sprechen noch sich per Video zuschalten. Wie aus der am Montag abrufbaren Version der offiziellen Rednerliste hervorging, soll stattdessen ein schriftliches Statement von Xi Jinping auf der Website des Gipfels veröffentlicht werden.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums wollte dies zunächst nicht bestätigten. Kein Land produziert eine so große Menge klimaschädlicher Treibhausgase wie China.Die USA setzten China indes zu Beginn der Weltklimakonferenz unter Druck. Das Land habe eine Verpflichtung, seine Ziele zu verschärfen, sagte US-Sicherheitsberater Jake Sullivan am Montag auf dem Flug mit Präsident Joe Biden nach Glasgow.

BRITAIN-UN-CLIMATE-COP26

China als weltgrößter Treibhausgas-Emittent sei dazu absolut in der Lage. Der Stand der Beziehungen zu den USA sei kein Grund, beim Klimaschutz nicht zu handeln. Biden werde am Montag eine starke Rede mit einem Bekenntnis zu einer Führungsrolle der USA im Kampf gegen den Klimawandel abliefern.

Erdogan kommt auch nicht

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte unterdessen seine Teilnahme am Klimagipfel nach eigenen Angaben wegen mangelnder Sicherheitsstandards kurzfristig ab. "Nachdem unseren Anforderungen nicht entsprochen wurde, haben wir darauf verzichtet, nach Glasgow zu reisen", sagte Erdogan nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu vom Montag.

Das türkische Parlament hatte im vergangenen Monat als letztes G20-Land das Pariser Klimaabkommen ratifiziert.

Vertreter von 197 Staaten ringen bei der UNO-Konferenz um einen Weg, den Ausstoß von Treibhausgasen noch in diesem Jahrzehnt drastisch zu mindern. Denn die bisherigen Zusagen der Staatengemeinschaft reichen nicht aus, um wie im Weltklimavertrag von Paris 2015 vereinbart, die Erwärmung der Atmosphäre im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Die Folgen dieses Temperaturanstiegs gelten trotz vermehrter Dürren, Überflutungen und Stürme als gerade noch beherrschbar.

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