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Politik Ausland
08/27/2020

Kampfjets und Schiffe: Die Koalition gegen Erdoğan wird größer

Neben französischen und italienischen Schiffen, schicken jetzt auch die Vereinigten Arabischen Emirate Kampfjets nach Griechenland.

von Armin Arbeiter

Der Streit um die Gasfelder im östlichen Mittelmeer ist um eine Partei reicher: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) schickten Kampfjets nach Griechenland, um an einem gemeinsamen Manöver teilzunehmen. Dass sich die VAE auf die Seite Griechenlands und gegen die Türkei stellen, liegt daran, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan auch deren machtpolitischen Pläne in Libyen durchkreuzt.

Seit Jahren liegt die Türkei vor allem mit Zypern und Griechenland im Streit um reiche Gasvorkommen südlich von Zypern, einem Gebiet, das die Republik Zypern für sich beansprucht. Die Türkei, die die „Türkische Republik Nordzypern“ als einziges Land der Welt anerkennt und deren Schutzmacht ist, beansprucht einen Teil dieser Gasfelder (siehe Karte).

Da von diesem beanspruchten Gebiet bereits Gasfelder an Frankreich und Italien zugeschlagen wurden, reagieren beide Staaten scharf auf die türkische Forderung – und entsandten Kriegsschiffe zu einem gemeinsamen Manöver mit Griechenland. Athen selbst hat neben den zypriotischen Gasfeldern noch andere Sorgen: Nachdem Erdoğan gemeinsam mit der sogenannten „Libyschen Einheitsregierung“ ein Seerechtsabkommen (siehe Karte) geschlossen hat, das durch griechisches Hoheitsgebiet führt, schrillen die Alarmglocken. Dieser Vertrag wurde weder von Griechenland und Zypern noch von Ägypten anerkannt – alle sehen ihre Interessen dadurch bedroht. Als Reaktion vereinbarten Athen und Kairo ihrerseits ein Abkommen, das jenes Erdoğans obsolet machen soll.

Dieser sieht sich jedoch im Recht: Die kleine griechische Insel Kastelorizo liegt 150 Kilometer von der Insel Rhodos entfernt, doch sehr nahe der türkischen Küste. Nach dem Seerecht darf Griechenland Kastelorizo als „Grenzstein“ verwenden und damit die türkischen Ansprüche auf ein Minimum beschränken, Erdoğan will dagegen vorgehen. Das macht er in altbewährter Manier, spielt auf mittelalterliche Seeschlachten an, warnt Griechenland vor dem „Verderben“ und will sich „holen, was ihm zusteht“.

Diese Lesart hat dem türkischen Präsidenten bereits viele Feinde beschert, vor allem Ägypten, die VAE und Frankreich, die im libyschen Bürgerkrieg auf der anderen Seite stehen. Auch in Nordwestafrika macht Erdoğan den Franzosen Einfluss streitig. Würde das Abkommen mit der „Einheitsregierung“ faktisch, könnte Erdoğan seinen Einfluss rasch ausweiten. Seine Gegner wollen das verhindern – derzeit noch mit Manövern.

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