Der ewige Zweite hat seine Hauptrolle

File photo of Senator Kerry testifying during his
Foto: Reuters/JONATHAN ERNST John Kerry folgt Hillary Clinton

Der neue US-Außenminister hat im Gegensatz zu Obama eine tiefe Beziehung zu Europa, egal ob es um Geschichte oder Rotwein geht.

Sein ganzes Leben sei eine Vorbereitung auf diesen Job gewesen, bemühte sich Obama redlich um Begeisterung für seinen neuen Außenminister. Doch es ist wohl eher distanzierter Respekt, der das neue Spitzenduo der US-Außenpolitik verbindet.

Obama weiß um die langjährige Erfahrung und die weltpolitische Routine John Kerrys. Nicht ohne Grund hat er ihm schon in den vergangenen Jahren immer jene Missionen anvertraut, in denen diplomatisches Feingefühl verlangt war: Abrüstungsvertrag mit Russland, Versöhnung mit Pakistan nach der Tötung Osama bin Ladens.

Kerry blieb trotzdem für Obama immer nur zweite Wahl: In der ersten Amtsperiode zog er Hillary Clinton vor, diesmal hätte der Präsident viel lieber seine UN-Botschafterin Susan Rice als Außenministerin gesehen. Die aber geriet bei der Affäre um die Ermordung des US-Botschafters in Libyen ins Schussfeld der Republikaner.

Beste Beziehungen

Taktische Fehler wie sie Kerry sicher nicht unterlaufen. Als langjähriger Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses im Senat sind seine Beziehungen zum anderen politischen Lager so gut, dass auch von dort ausführliche Glückwünsche zum neuen Job kamen.

Persönlich haben Obama und Kerry kaum Berührungspunkte, zu weit sind die Welten, die die beiden prägten, voneinander entfernt. Obama wuchs in Hawaii oder Indonesien auf. Der Diplomatensohn John Kerry erlebte seine Jugendjahre im Berlin der Nachkriegszeit. Er fuhr mit dem Rad durchs Brandenburger Tor, vorbei am ausgebrannten Führerbunker, und erzählte Jahre später, dass ihm das die „Augen für die Folgen von Krieg, Holocaust und der Besetzung eines Landes“ geöffnet habe.

In Vietnam sollte er den Krieg dann persönlich kennenlernen. Er kehrte hochdekoriert, aber völlig desillusioniert zurück, wurde rasch vom Kriegshelden zum engagierten Kriegsgegner.

Seiner Liebe zu Europa dagegen ist er treu geblieben, politisch und privat. Kerry ist überzeugter Transatlantiker, hält die politischen Beziehungen zu Europa auch heute noch für essenziell – im Gegensatz zu Obama.

Bordeaux-Wein

Mit seiner zweiten Ehefrau Teresa Heinz – millionenschwere Erbin des Ketchup-Imperiums – genießt er europäischen Lebenstil. Bei einem guten Bordeaux parliere er mit Teresa auch Französisch, erzählte er während des Präsidentschaftswahlkampfs 2004. Den Durchschnittsamerikanern, die weder mit Bordeaux noch mit Französisch etwas anfangen können, ist Kerry daher fremd geblieben. Gegner George Bush ließ ihn als elitären Schnösel dastehen und gewann die Präsidentenwahl Wahl trotz Desasters im Irak.

Geboren wurde John Forbes Kerry 1943 im Bundesstaat Colorado. Sein Vater war Pilot im Zweiten Weltkrieg und Diplomat, nach dem Krieg lebte die Familie in Berlin. Aus seiner Kindheit erzählt Kerry, wie er Hausarrest aufgebrummt bekam, weil er auf eigene Faust in den sowjetischen Sektor radelte. Seine Jugend verbrachte Kerry vor allem in Internaten an der US-Ostküste, anschließend studierte er an der Eliteuni Yale.
(Im Bild: Der Alte Campus in Yale) Nach dem Abschluss ging Kerry zur Armee und kämpfte in Vietnam. Als Kommandant eines Patrouillenbootes im Mekong-Delta wurde er verwundet, das Militär zeichnete ihn mit mehreren Orden aus. (Im Bild: Die Verwundetenauszeichnung Purple Heart)) Nach seiner Rückkehr wandelte sich Kerry zum Gegner des Krieges. Jahrzehnte später holte ihn seine Armeezeit ein, als Präsident Bush die damaligen Verdienste seines Rivalen im Wahlkampf mit einer Schmierenkampagne in Zweifel zog. Kerrys politische Karriere begann in Massachusetts, wo er in den 70er-Jahren nach einem Jurastudium als Staatsanwalt arbeitete. 1982 wurde er zum stellvertretenden Gouverneur des Bundesstaates gewählt, zwei Jahre später schaffte er den Sprung in den Senat nach Washington. Dort sammelte er als Mitglied des Außenausschusses in einem Umfang Erfahrung in der Weltpolitik, dass sich nur wenige in Washington darin mit ihm messen können. Der Katholik ist zum zweiten Mal verheiratet - mit Teresa Heinz, die als Erbin des Heinz-Ketchup-Imperiums über ein Multimillionenvermögen verfügt. Aus seiner geschiedenen ersten Ehe hat Kerry zwei Töchter. Allerdings war der erfahrene Politiker auch dieses Mal nicht Obamas erste Wahl. Eigentlich hätte sich der Präsident seine UN-Botschafterin Susan Rice als neue Außenministerin gewünscht. Unter dem Druck der Republikaner, die Rice wegen ihrer Reaktion auf den tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Benghazi im September heftig kritisiert hatten, warf die Diplomatin aber das Handtuch. Kerry dagegen genießt auch beim politischen Gegner hohes Ansehen. Der einflussreiche republikanische Senator John McCain sagte, sein Kollege werde das Amt des Außenministers "ausgezeichnet" ausfüllen.

Kerry zog sich in die zweite Reihe zurück, ließ 2008 Obama bereitwillig den Vortritt. Vier Jahre später kam der bei der Suche nach einem Außenminister an Kerry einfach nicht mehr vorbei. Mit 69 ist der Katholik nun erstmals die Nummer eins auf seiner liebsten Bühne – der Weltpolitik. Dass er dort weit entfernt von seinen Mitbürgern ist, kann ihm jetzt niemand mehr vorwerfen.

Mit den Initialen JFK schien für John Kerry (69) die Politik-Karriere vorbestimmt zu sein: Wie sein Vorbild John F. Kennedy wollte der drahtige Ostküsten-Katholik John Forbes Kerry US-Präsident werden. Dass es 2004 gegen George W. Bush nicht reichte, lag auch am elitären und mitunter steifen Auftreten des 1,93 Meter großen Diplomatensohns mit dem markanten Kinn. In der zweiten Reihe der US-Politik zählt der demokratische Senator aus Massachusetts seit Jahrzehnten zu den profilierten Außenpolitikern. Kerry hat nicht zuletzt mit schwierigen Missionen in Afghanistan und Pakistan viel Vertrauen gewonnen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses war der erste US-Politiker, der Ägyptens neu gewählten Präsidenten Mohammed Mursi traf. Der erklärte Israel-Freund galt dennoch nicht als erste Wahl für das Amt des Außenministers. Ein volksnaher Politiker ist Kerry bis heute nicht. Dass er etwa im Wahlkampf 2004 bekannte, mit seiner zweiten Frau, der Millionärin und Ketchup-Erbin Teresa Heinz, auch mal auf Französisch zu parlieren, war vielen US-Patrioten nicht geheuer. Republikaner hatten den Kriegs-Veteranen beschuldigt, sich hohe Orden in Vietnam erschlichen zu haben. Kerry, der später als Kriegsgegner in die Politik einstieg, ließ die Vorwürfe aber durch Kameraden widerlegen.
Die einen lieben sie, die anderen hassen sie - eines aber ist gewiss: Zu Hillary Clinton hat fast jeder eine Meinung.
  Die ehemalige Außenministeri spaltet die Gemüter, wo immer sie auftaucht und das dürfte auch in Zukunft der Fall sein. Nachdem Hillary Clinton Jahrzehnte lang Seite an Seite mit ihrem Mann für dessen Karriere gekämpft hat, begann die Juristin 2000 mit dem Senatswahlkampf, ihren eigenen politischen Traum zu verfolgen. Clinton war die erste Präsidentengattin der Geschichte der USA, die in den Kongress einzog. Nun könnte sie auch die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Hillary Rodham wurde am 26. Oktober 1947 als Tochter eines wohlhabenden Industriellen in Park Ridge bei Chicago geboren. Ihre politische Karriere begann sie im aus heutiger Sicht gegnerischen Lager, 1964 als Wahlkampfhelferin für den Republikaner Barry Goldwater. Rodham studierte Jus an der Yale-Universität, wo sie einem Mitstudenten aus Arkansas begegnete, Bill Clinton. 1975 heiratete das Paar. Nach der Hochzeit sorgte die äußerst erfolgreiche Anwältin zunächst allein für den Lebensunterhalt von Tochter Chelsea und Ehemann Bill, der in dieser Zeit seine politische Laufbahn plante. Als Clintons Karriere 1992 mit seiner Wahl zum Präsidenten den Höhepunkt erreichte, machte sich Hillary Clinton mit ihrem energischen Auftreten von Anfang an Feinde. Kritiker sprachen nach kurzer Zeit von der "Doppel-Präsidentschaft" des Ehepaars Clinton. Hillary Clinton machte es ihren Gegnern leicht, indem sie verkündete, sie werde nicht daheim bleiben und Kekse backen. Ein weiterer Stolperstein waren ihre Bemühungen um eine Gesundheitsreform in den USA, die später scheiterten - nicht zuletzt, weil Hillary Clinton nicht willens war, mit dem Establishment in Washington Kompromisse einzugehen.
  Ironischerweise war es ausgerechnet die Affäre des Präsidenten mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky, die Clinton und ihrer würdevollen Haltung während der politischen Schlammschlacht Sympathien einbrachte. Obama hält große Stücke auf seine ehemalige Außenministerin  - und vielleicht auch die nächste Präsidentin der USA.

Obamas "Boys Club"

Nicht nur von politischen Gegnern musste sich US-Präsident Obama anhören, er habe mit seinen Nominierungen einen „Boys Club“ kreiert. Auch aus eigenen Reihen erntete er für die vielen weißen Männer Kritik: Pentagonchef wird der 66-jährige republikanische Ex-Senator Chuck Hagel, der sich aber noch wegen israel- und schwulenfeindlicher Aussagen rechtfertigen muss. Künftiger CIA-Chef ist Antiterrorberater John Brennan, Mitbegründer des Drohnenkrieges gegen Terroristen. Finanzminister wird Obamas Stabschef Jack Lew.

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