Politik | Ausland 29.01.2013

Der ewige Zweite hat seine Hauptrolle

U.S. Senator John Kerry (D-MA) testifies during his Senate Foreign Relations Committee confirmation hearing to be secretary of s… © Bild: Reuters/JONATHAN ERNST

Der neue US-Außenminister hat im Gegensatz zu Obama eine tiefe Beziehung zu Europa, egal ob es um Geschichte oder Rotwein geht.

Sein ganzes Leben sei eine Vorbereitung auf diesen Job gewesen, bemühte sich Obama redlich um Begeisterung für seinen neuen Außenminister. Doch es ist wohl eher distanzierter Respekt, der das neue Spitzenduo der US-Außenpolitik verbindet.

Obama weiß um die langjährige Erfahrung und die weltpolitische Routine John Kerrys. Nicht ohne Grund hat er ihm schon in den vergangenen Jahren immer jene Missionen anvertraut, in denen diplomatisches Feingefühl verlangt war: Abrüstungsvertrag mit Russland, Versöhnung mit Pakistan nach der Tötung Osama bin Ladens.

Kerry blieb trotzdem für Obama immer nur zweite Wahl: In der ersten Amtsperiode zog er Hillary Clinton vor, diesmal hätte der Präsident viel lieber seine UN-Botschafterin Susan Rice als Außenministerin gesehen. Die aber geriet bei der Affäre um die Ermordung des US-Botschafters in Libyen ins Schussfeld der Republikaner.

Beste Beziehungen

Taktische Fehler wie sie Kerry sicher nicht unterlaufen. Als langjähriger Vorsitzender des außenpolitischen Ausschusses im Senat sind seine Beziehungen zum anderen politischen Lager so gut, dass auch von dort ausführliche Glückwünsche zum neuen Job kamen.

Persönlich haben Obama und Kerry kaum Berührungspunkte, zu weit sind die Welten, die die beiden prägten, voneinander entfernt. Obama wuchs in Hawaii oder Indonesien auf. Der Diplomatensohn John Kerry erlebte seine Jugendjahre im Berlin der Nachkriegszeit. Er fuhr mit dem Rad durchs Brandenburger Tor, vorbei am ausgebrannten Führerbunker, und erzählte Jahre später, dass ihm das die „Augen für die Folgen von Krieg, Holocaust und der Besetzung eines Landes“ geöffnet habe.

In Vietnam sollte er den Krieg dann persönlich kennenlernen. Er kehrte hochdekoriert, aber völlig desillusioniert zurück, wurde rasch vom Kriegshelden zum engagierten Kriegsgegner.

Seiner Liebe zu Europa dagegen ist er treu geblieben, politisch und privat. Kerry ist überzeugter Transatlantiker, hält die politischen Beziehungen zu Europa auch heute noch für essenziell – im Gegensatz zu Obama.

Bordeaux-Wein

Mit seiner zweiten Ehefrau Teresa Heinz – millionenschwere Erbin des Ketchup-Imperiums – genießt er europäischen Lebenstil. Bei einem guten Bordeaux parliere er mit Teresa auch Französisch, erzählte er während des Präsidentschaftswahlkampfs 2004. Den Durchschnittsamerikanern, die weder mit Bordeaux noch mit Französisch etwas anfangen können, ist Kerry daher fremd geblieben. Gegner George Bush ließ ihn als elitären Schnösel dastehen und gewann die Präsidentenwahl Wahl trotz Desasters im Irak.

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U.S. Senator Kerry listens to a question during hi

Kerry zog sich in die zweite Reihe zurück, ließ 2008 Obama bereitwillig den Vortritt. Vier Jahre später kam der bei der Suche nach einem Außenminister an Kerry einfach nicht mehr vorbei. Mit 69 ist der Katholik nun erstmals die Nummer eins auf seiner liebsten Bühne – der Weltpolitik. Dass er dort weit entfernt von seinen Mitbürgern ist, kann ihm jetzt niemand mehr vorwerfen.

Nicht nur von politischen Gegnern musste sich US-Präsident Obama anhören, er habe mit seinen Nominierungen einen „Boys Club“ kreiert. Auch aus eigenen Reihen erntete er für die vielen weißen Männer Kritik: Pentagonchef wird der 66-jährige republikanische Ex-Senator Chuck Hagel, der sich aber noch wegen israel- und schwulenfeindlicher Aussagen rechtfertigen muss. Künftiger CIA-Chef ist Antiterrorberater John Brennan, Mitbegründer des Drohnenkrieges gegen Terroristen. Finanzminister wird Obamas Stabschef Jack Lew.

John Kerry

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( Kurier ) Erstellt am 29.01.2013