Israel feierte seinen 73. Unabhängigkeitstag auch mit Militärflugshow

© APA/AFP/JACK GUEZ

Politik Ausland
04/16/2021

Israels Unabhängigkeitsfeier zwischen Grillfesten und Gedenken

Für die Israelis ein Tag der Freude, der fleißig gefeiert wurde. Palästinenser erinnerten hingegen an ihre Vertreibung 1948.

von Norbert Jessen

Es sind immer Geburtstagsfeste der eigenen Art: Am Donnerstag beging Israelseinen 73. Unabhängigkeitstag mit der in den vergangenen Jahrzehnten eigenen Routine aus Militärzeremoniellen über Bibel-Quiz bis hin zum Feuerwerk und dem an diesem Tag allgegenwärtigen Fleisch-Grill. Der auch schon eine eigene Tofu-Version entwickelt hat. Auch wieder in einem Ausnahmezustand aus politischem Dauer-Chaos und einem zweiten Corona-Jahr.

Das politische Chaos vertiefte sich nach vier Wahlgängen in zwei Jahren noch. Die Corona-Pandemie schaffte es nach einer weltweit beispiellosen Impfkampagne nicht, Teil der Routine zu werden. 2021 warfen die Grills überall wieder ihre Rauchschwaden in einen wolkenlosen Frühjahrshimmel. Wer noch Mundmaske trug, konnte sie vor dem Reinbeißen abnehmen.

Beim zentralen Zeremoniell auf dem Herzl-Berg in Jerusalem wurden die traditionellen 14 Fackeln von ausgewählten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens entzündet. Im Vordergrund der Kameras wieder Premier Benjamin Netanjahu, der an diesem Tag eigentlich hinter dem Präsidenten und Vorsitzenden des Parlaments stehen sollte. "Zumindest die 14 Anzünder der Fackeln zeigten, dass es neben Netanjahu noch andere Menschen gibt“, bemerkte die Zeitung Haaretz süffisant.

Staatspräsident Reuven Rivlin versuchte die Kluft in Israels Gesellschaft zu einen: "Auch wenn es scheint, als Volk könnten wir uns nicht auf einen Weg einigen, haben wir nicht unseren Kompass verloren.“ Für Rivlin ist die Vielseitigkeit der israelischen Gesellschaft eine Grundlage, die zu nutzen ist. Versuche, Israel als Schmelztiegel zu sehen, sind letztlich weitgehend gescheitert. Daher soll und kann gerade die Vielseitigkeit zu Zusammenarbeit führen und weiter bringen.

Anerkennung

Keineswegs Routine war eine erste Gedenkzeremonie an gefallene arabische Soldaten in der israelischen Armee im moslemisch-arabischen Ar´ara im Norden des Landes. Vier Leuchter wurden dabei angezündet für Moslems, Drusen, Christen und Juden. Schon 1948 kämpften arabische Soldaten in der israelischen Armee. Ihre Zahl stieg in den letzten Jahren stetig. Parallel zu den arabischen Bürgerkriegen in Nahost.

Sie ist letztlich aber die Folge einer seit Jahrzehnten stetigen, weitgehend unbeachteten, doch deutlichen „Israelisierung“ der arabischen Staatsbürger. Zeigten die letzten Wahlen durch eine niedrige Wahlbeteiligung eher einen Rückgang in diesem Trend, kommt es ausgerechnet jetzt zu einer verstärkten Teilnahme arabischer Abgeordneten am parlamentarischen Diskurs.

 

Nicht wie zu erwarten auf der linken, sondern der rechten Seite der Abgeordnetensitze. Netanjahu, der in den vorhergehenden Wahlen noch gegen die arabischen Parteien hetzte, braucht sie einfach dringend.

 

 

Weniger auffallend in diesem Jahr die auch häufig an diesem Tag angesetzten Feiern in Gedenken an die „Naqba“, die Flucht der Palästinenser 1948. Offiziell fällt der Naqba-Gedenktag in der palästinensischen Autonomie auf den 15. Mai. In Israel wird sie von manchen Arabern gleichzeitig mit dem Unabhängigkeitstag begangen.

„Es gibt eben zwei Narrative“, so die Zeitung Maariv, „sie sollten nicht als Provokation und gegenseitige Verneinung, sondern in ihrer jeweils eigenen Form verstanden werden.“

Zukunftsmusik? Schon die Gegenwart bringt einige neue Töne. Der Nahe Osten befindet sich im Umbruch, der sich vor allem am Golf abzeichnet. Israels neue diplomatische Partner in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Marokko sind mehr als erste Signale. Wie im Parlament bewegt sich auch in der Außenpolitik Israels etwas, das noch vor kurzem völlig unerwartet schien. Politik, die sich nicht an Narrativen, sondern Interessen orientiert.

 

Pfizer-Chef dabei

Zu den Feierlichkeiten auf dem Tempelberg war auch Albert Bourla, Chef des Pharma-Riesen und Impfstoff-Herstellers Pfizer zugeschaltet. Er ist der Sohn einer jüdischen Familie aus Thessaloniki, wo eine der größten jüdischen Gemeinden Europas lebte. Bis zu den Deportationen in die Vernichtungslager der Nazis 1943. „Wie viele Juden in aller Welt bin ich sehr stolz auf Israel. Stolz darauf, dass Israel für alle Juden weltweit existiert“, sagte Burla.

Für einen Pfizer-Chef eigentlich ein bescheidenes Fazit. Wer Israel als „Impflabor der Welt“ betrachtet, könnte seine Aussage doch universal ausweiten.

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