Bahrain-Israel: Das Machtgefüge im Nahen Osten verändert sich

Bahrain-Israel: Das Machtgefüge im Nahen Osten verändert sich
Die arabische Charmeoffensive zu Israel treibt die Palästinenser in die Arme des Iran.

Nach den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hat sich in der Nacht auf Samstag auch Bahrain dazu bereit erklärt, diplomatische Beziehungen zu Israel aufzunehmen.

Während US-Präsident Donald Trump von einem „historischen Durchbruch“ sprach und sich für seine Vermittlertätigkeit feiern lässt, verurteilte die Palästinenserführung in Ramallah die Bereitschaft Bahrains, sich gegenüber Israel zu öffnen. Es handele sich um „Verrat an Jerusalem, der Al-Aksa-Moschee und der palästinensischen Sache“.

Außerdem legitimiere Bahrain „die abscheulichen Verbrechen der israelischen Besatzungsmacht an unserem palästinensischen Volk“. Zwar will der israelische Premier Benjamin Netanjahu im Gegenzug für die Einigung die geplante Annektierung von Gebieten im besetzten Westjordanland aussetzen, doch insgesamt läuft derzeit alles zugunsten Israels.

Neben Jordanien und Ägypten werden mit den VAE und Bahrain bereits vier arabische Länder diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten, was die Palästinenser noch mehr in die Arme des Iran treiben dürfte. Teheran unterstützt vor allem die radikalislamische Hamas im Gazastreifen, ihr Chef, Ismail Haniyeh, besuchte Anfang der Woche die libanesische Hisbollah. Ein historischer Schritt – immerhin das erste Treffen zwischen Hisbollah und Hamas seit 30 Jahren. Haniyeh und Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah betonten die „Wichtigkeit einer stabilen und fähigen Achse des Widerstands gegen Israel“.

Suche nach Verbündeten

All das widerspricht Trumps Ansicht, wonach die Palästinenser wieder gesprächsbereit würden, wenn noch weitere arabische Staaten dem Beispiel der VAE und Bahrains folgten. Den arabischen Staaten dürfte es nicht mehr stark um das Schicksal der Palästinenser gehen, sondern vielmehr um einen Verbündeten in der Rivalität zum Iran. Mehr als die Hälfte der bahrainischen Bevölkerung ist schiitisch, das Königreich wirft Teheran vor, die Bevölkerung zu Aufständen anzustacheln.

Enger Verbündeter Bahrains ist Saudi-Arabien, das zu Zeiten des Arabischen Frühlings einen schiitischen Aufstand mit Panzern niedergeschlagen hat. Und auch wenn offizielle diplomatische Beziehungen zwischen Riad und Jerusalem noch auf sich warten lassen dürften, versucht Saudi-Arabien seit geraumer Zeit, Israel als Partner gegen den Iran für sich zu gewinnen.

Die Gewinner der aktuellen Annäherung sind die 35 Mitglieder der jüdischen Gemeinde Bahrains, die sich einen solchen Schritt „zu Lebzeiten nicht hätten vorstellen können“. Armin Arbeiter

Kommentare