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Politik Ausland
06/02/2019

Israel: Eine Operette namens „Ibiza“

Das Verhältnis zur FPÖ bleibt nach Straches Abgang in Israel problematisch.

von Norbert Jessen

Israel hat selbst korrupte Politiker und auch Neuwahlen. Trotzdem schaffte es Österreich, die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu ziehen. Die Bilder aus einer angeblichen Oligarchen-Villa zeigten einen verblüffend unverhohlen korrupten Politiker, der sogar in Israel Kopfschütteln auslöste. „In meiner Kindheit gab es in Tel Aviv noch Operette“, erinnerte sich Arye Golan, ein nicht mehr junger Moderator, „aber da hieß die Gräfin, glaub ich, Mariza… oder doch Ibiza?“ Ein anderer Kommentator fragte: „Liegt Israel jetzt eigentlich näher an Europa – oder umgekehrt?“

Der sofortige Rücktritt des Politikers ließ Neid aufkommen. Weniger die Neuwahlen in Folge. Da ist Israel noch schneller. Und eine Frau an der Spitze der Regierung ist hier auch kein Novum. Für Merkel wurde sogar die weibliche Kanzlerform im Hebräischen geprägt: „Kanzlerit“. Eine Übergangsregierung hingegen ist in Israel nicht denkbar. Nur wer die Urne passierte, darf regieren.

Im Hintergrund steht aber noch ein anderes Dilemma: Israels Verhältnis zur FPÖ. Ob Haider oder Strache: Israel boykottiert jeden offiziellen Annäherungsversuch. Gleichzeitig verstärkten sich inoffizielle FPÖ-Kontakte mit rechten Parteien in Israel. Auch mit der Regierungspartei Likud und nicht ohne den stillen Segen Netanyahus. Der hat mit rechten Populisten außerhalb des deutschen Sprachraums weniger Probleme. Seinen „wahren Freund“ Viktor Orbán in Ungarn boykottierte er nicht einmal, als der eine offen antisemitische Kampagne gegen George Soros führte.

Und Strache? Er hat aus israelischer Sicht noch eine Chance. Ist er nun der geläuterte Ex-Neonazi und Freund Israels, als der er sich in den letzten Jahren zeigte? Dann wird er auch in Zukunft nicht auf Burschenschafter-Treffen Liedgut deutscher Sprache singen…