Warum die Hormus-Sperre eine Eskalation des Krieges wahrscheinlicher macht

Donald Trump fordert Hilfe von US-Verbündeten ein, um die Blockade der Straße von Hormus zu lösen. Bleibt die Meerenge gesperrt, wären die Golfstaaten gezwungen, sich am Krieg zu beteiligen.
Satellite image shows smoke rising from UAE's Fujairah port

Mit Zöllen droht Donald Trump den Verbündeten der USA in diesen Tagen zwar nicht mehr, zurückhaltend ist er trotzdem nicht geworden. Wenn die NATO-Partner nicht bald militärisch mithelfen würden, die Straße von Hormus wieder für den internationalen Schiffsverkehr zu sichern, stünde dem Bündnis „eine sehr schlechte Zukunft bevor“, polterte der US-Präsident am Sonntag im Interview mit den Financial Times.

Es ist eine Drohung, die zeigt, zu welcher Krise sich die Blockade der Meerenge durch das iranische Militär für die US-Regierung entwickelt hat. Auch wenn in Teheran weiter Raketen und Bomben vom Himmel fallen und Israels Armee täglich neue Gebiete im Süden des Libanon erobert, ist die Straße von Hormus zum derzeit größten Brennpunkt dieses Krieges geworden.

Nicht nur Öl- und Gas - auch die Ernährungssicherheit ist gefährdet

Unmittelbar nach Beginn der US-israelischen Luftangriffe am 28. Februar, bei denen auch Ayatollah Ali Khamenei getötet wurde, reagierten die iranischen Revolutionsgarden mit Drohnenangriffen auf Öltanker und erklärten die Route für gesperrt. Mit geringem Aufwand üben sie so massiven wirtschaftlichen Druck auf die USA und ihre Verbündeten aus: Ein Sechstel der weltweiten Ölversorgung und ein Fünftel der Flüssiggasexporte (LNG) sind unterbrochen, der Ölpreis kletterte in ungeahnte Höhen. 

FILE PHOTO: The Callisto tanker sits anchored in Port Sultan Qaboos as the traffic is down in the Strait of Hormuz, in Muscat

Ein Öltanker parkt im Hafen der omanischen Hauptstadt Maskat, weil die Durchfahrt durch die Straße von Hormus blockiert ist.

Dazu kommen ausgefallene Lieferungen chemischer Stoffe wie Helium oder Ammoniak, die für die Produktion von Düngemitteln essenziell sind. Die Vereinten Nationen warnen bereits, dass innerhalb weniger Wochen die Ernährungssicherheit etlicher Staaten des Globalen Südens gefährdet sein könnte.

Die USA trauten dem Iran die Sperre nicht zu

Offenbar hatte man in Washington tatsächlich nicht damit gerechnet, dass der Iran so weit gehen würde. Das aktuelle Aufgebot der US-Marine ist zwar schon jetzt das größte im Nahen Osten seit der Irak-Invasion 2003. Es ist aber nicht in der Lage, die Straße von Hormus im Alleingang zu sichern und gleichzeitig die Luftangriffe gegen den Iran fortsetzen zu können.

Einer Analyse der US-NGO Centre for Information Resilience zufolge wären „sieben oder acht“ Zerstörer nötig, um kurzfristig „drei oder vier Frachtschiffe“ täglich durch die Straße von Hormus geleiten zu können. Um diesen Notbetrieb länger aufrechtzuerhalten, wäre demnach mehr Feuerkraft nötig.

Trump fordert Hilfe ein - und erhält sechs Absagen

Trump forderte deshalb gleich sieben Staaten auf, sich an gemeinsamen Eskorten durch die Meerenge zu beteiligen. Der britische Premier Keir Starmer meinte, seine Regierung wolle „einen tragfähigen, gemeinsamen Plan“ zur Öffnung der iranischen Blockade entwickeln, sich aber auch nicht „in einen größeren Krieg hineinziehen lassen“. Irans neuer Ayatollah Mojtaba Khamenei hatte schließlich am Wochenende in einem Schreiben allen Nationen mit einer Eskalation gedroht, sollten sie Kriegsschiffe entsenden.

Die Bereitschaft der übrigen von Trump genannten Staaten blieb mehr als überschaubar: Frankreichs Präsident Macron meinte, Eskorten müssten „gemeinsam organisiert werden“. Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärte knapp: „Es ist nicht unser Krieg.“ 

Japans Premierministerin Sanae Takaichi verwies auf die strenge Verfassung ihres Landes, die Militäreinsätze nur dann erlaubt, wenn Japans Existenz bedroht wäre. Australien zeigte „Verständnis“ für Trumps Überlegungen, sagte aber ab. Und Südkoreas Regierung verwies auf „weitere Gespräche.“

Protesters in Seoul rally against Trump’s request to send ships to Strait of Hormuz

In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul fanden am Montag sogar Proteste gegen eine mögliche Beteiligung an Schiffspatrouillen im Nahen Osten Stadt.

Trump hatte sogar versucht, China, das seit Jahren 90 Prozent der iranischen Ölexporte aufnimmt, unter Druck zu setzen. Sollte die Volksrepublik nicht mithelfen, die Straße von Hormus zu sichern, so Trump, werde er seinen lange geplanten Peking-Besuch verschieben, der in wenigen Wochen stattfinden soll. China reagierte bisher nur floskelhaft, man sei weiter „im Gespräch“.

Warum die Golfstaaten gezwungen sind, zu handeln

Mit jedem Tag, an dem die Meerenge geschlossen bleibt, steigt der Druck auf die Golfstaaten. Saudi-Arabien verfügt zwar über eine Pipeline, mit der es Öl über das Rote Meer verschiffen kann, sie fasst aber maximal sieben Mio. Barrel täglich, also nur zwei Drittel der saudischen Förderkapazitäten. 

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) fasst die Pipeline zum Hafen von Fujairah an der Ostküste höchstens 50 Prozent des geförderten Öls. Bahrain, Katar und Kuwait können die Blockade überhaupt nicht umgehen.

Mit fortlaufender Kriegsdauer steigt daher die Chance, dass die Golfstaaten sich aktiv mit Angriffen gegen den Iran einbringen, wenn sie nicht zusehen wollen, wie ihr Wirtschaftsmodell zusammenbricht.

Kommentare