Iran-Krieg, Tag 20: Iran reagiert auf Gasfeld-Angriff mit Rundumschlag, Ölpreis klettert

Die Lage im Iran-Krieg bleibt unübersichtlich. Wir versuchen täglich, Ihnen die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden auf einen Blick zusammenzufassen.
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Seit 28. Februar tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten. Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe gegen den Iran unentwegt fort, der reagiert mit großflächigen Drohnen- und Raketenangriffen auf fast alle Staaten der Region. Dieses Briefing bietet einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse der letzten 24 Stunden in betroffenen Ländern.

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Iran

  • "Neue Eskalationsstufe". Israel führte am Mittwochabend Luftangriffe auf den vom Iran genutzten Teil des Gasfelds South Pars im Persischen Golf durch. Irans Präsident Masoud Peseschkian sprach anschließend von einer "neuen Eskalastionsstufe", das Militär reagierte mit umfassenden Gegenangriffen auf die Energieinfrastruktur der umliegenden Staaten.
    • Warum das wichtig ist: South Pars ist das größte Offshore-Gasfeld der Welt. Es befindet sich zu Teilen in den Hoheitsgewässern des Iran und Katars, wird von beiden Staaten bewirtschaftet und ist für ihre Energieversorgung essenziell. Der Iran bezieht 70 Prozent seiner Erdgasversorgung aus South Pars. Für den Fall eines Angriffs hatte die iranische Führung heftige Gegenschläge angekündigt - diese Entwicklung stellt also tatsächlich ein neues Kapitel in diesem Krieg dar.

Katar

  • Schwer getroffen. Der Zorn des Iran über den Angriff auf seinen Teil des Gasfelds South Pars richtete sich auf Katar: Das Emirat meldete am Mittwochabend und Donnerstagmorgen massive Raketenangriffe auf sein Industriegebiet Ras Laffan, was zu "bedeutenden Bränden und schweren Schäden" an katarischen Flüssiggasanlagen geführt habe. Der Gaspreis stieg anschließend sprungartig um 24,5 Prozent an, der Ölpreis für die Sorte Brent kletterte auf mehr als 115 Dollar.
    • Warum das wichtig ist: Katar ist der weltgrößte Exporteur von Flüssiggas (LNG) und spielt eine Schlüsselrolle bei der globalen Versorgung. Das Land kann wegen der Blockade der Straße von Hormus schon seit 20 Tagen keine Lieferungen mehr ausfahren, was zu Versorgungsmängeln in vielen asiatischen Staaten geführt hat. 

USA

  • Massive Drohung. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit massiven Konsequenzen, sollte dessen Militär erneut Katars Flüssiggasinfrastruktur angreifen. In diesem Fall würde das US-Militär den iranischen Teil des Gasfelds South Pars "in die Luft sprengen - und zwar in einem Ausmaß an Stärke und Macht, das der Iran noch nie zuvor gesehen oder erlebt hat". Trump erklärte außerdem, Israel habe bei seinen Angriffen auf South Pars am Mittwoch alleine gehandelt, er habe davon "nichts gewusst".
    • Warum das wichtig ist: Donald Trump hält sich mit Kritik an Israel zwar weiter zurück, doch in den USA wird längst die Debatte geführt, ob sich der Präsident von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in diesen Krieg hat hineinziehen lassen. Erst am Mittwoch schmiss Trumps Terrorabwehrchef Joe Kent seinen Posten hin - aus Protest gegen den Iran-Krieg, der nur Israel diene. Die Angriffe auf South Pars erhöhen den Druck auf Trump - zumal der Ölpreis steigt.

Saudi-Arabien

  • Saudische Ölraffinerie getroffen. Am Donnerstag griff der Iran erstmals in diesem Krieg die für Saudi-Arabien enorm wichtige Ölraffinerie in der Küstenstadt Yanbu am Roten Meer aus der Luft an. Zuvor hatten die iranischen Revolutionsgarden das Personal an Ölanlagen in Saudi-Arabien, den VAE und Katar zur Evakuierung aufgefordert. Auch in Kuwait wurden zwei Raffinerieanlagen aus der Luft angegriffen.
    • Warum das wichtig ist: Die SAMREF-Raffinerie in Yanbu ist wegen der Blockade der Straße von Hormus aktuell die einzige Möglichkeit für Saudi-Arabien, Öl zu exportieren. Dafür wird im Osten des Landes gefördertes Öl über eine 1.300 Kilometer lange Pipeline bis an die Westküste geliefert. Saudi-Arabien warnte deshalb bereits mehrfach, Angriffe auf seine Ölinfrastruktur würden eine "rote Linie" überschreiten. Analysten befürchten, das saudische Königshaus könnte aktiv in den Krieg miteinsteigen - Saudi-Arabien ist nach dem Iran und Israel der militärisch stärkste Golfstaat.

Israel & Libanon

  • Raketenangriffe auf den Süden. Erstmals seit Kriegsbeginn griff die mit dem Iran verbündete libanesische Hisbollah-Miliz am Mittwochabend wieder den Süden Israels an. In der Stadt Ashkelon heulten die Luftalarmsirenen, ebenso wie im Norden des Landes und in der Küstenmetropole Tel Aviv. Auch der Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv sei beschädigt worden. Verletzt wurde offenbar niemand.
  • Bomben auf Beirut. Bei israelischen Luftangriffen auf das Zentrum der libanesischen Hauptstadt Beirut wurden laut Behördenangaben mindestens 14 Menschen getötet. Anders als zuvor gab es diesmal keine vorhergehenden Evakuierungswarnungen vonseiten des israelischen Militärs.

NATO

  • Hormus-Beratungen. Laut NATO-Generalsekretär Mark Rutte beraten die Mitgliedsstaaten des Bündnisses derzeit über eine gemeinsame Strategie zur Öffnung der Straße von Hormus. "Wir sind uns alle einig, dass die Straße wieder geöffnet werden muss", so Rutte am Mittwoch in Norwegen. Zuvor hatte Donald Trump die europäischen Bündnispartner heftig kritisiert: Ihre Teilnahmslosigkeit sei "schockierend", so Trump.
  • Wird Zypern Mitglied? Auf der Insel, die auch EU-Mitglied ist, wird derzeit die Möglichkeit eines NATO-Beitritts öffentlich diskutiert. Präsident Nikos Christodoulides erklärte, Zypern bereite sich systematisch darauf vor, in Zukunft bereit für einen Beitritt zu sein. Aktuell stelle sich aber die benachbarte Türkei quer.
    • Warum das wichtig ist: Der EU-Staat Zypern ist seit einer türkischen Invasion im Jahr 1974 de facto geteilt. Die im Norden gelegene Republik Nordzypern wird bis heute nur von der Türkei anerkannt, die Republik Zypern im Süden der Insel von fast allen anderen Staaten. UNO-Blauhelme bewachen die Grenze seit Jahren. Ein NATO-Beitritt wäre für die verfeindete Türkei, die innerhalb der NATO eine gewichtige Rolle einnimmt, wohl unannehmbar.

Alle aktuellen Entwicklungen im Iran-Krieg

Lesen Sie hier unsere aktuellsten Meldungen zum Angriff der USA und Israels auf den Iran.

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