Videokonferenz auf europäisch: Bundeskanzler Sebastian Kurz

© EPA/JOHN THYS / POOL

Politik Ausland
03/23/2021

Inside Brüssel: "Manche denken: Kurz spielt gern über die Bande"

Dem Bundeskanzler weht im Impfstreit eine steife Brise entgegen. Bisherige europäische Freunde zeigen Kurz die kalte Schulter.

von Ingrid Steiner-Gashi

Vielleicht muss Sebastian Kurz froh sein, dass der EU-Gipfel diese Woche wegen der Corona-Lage nur als Videokonferenz stattfinden kann. Denn die Stimmung gegenüber dem österreichischen Kanzler war schon mal besser.

Was Kurz als Initiative für eine gerechtere Impfstoffverteilung in der EU präsentiert, kam so manch anderen europäischen Ländervertretern in die falsche Kehle.

Niemand bestreitet, dass die Verteilung momentan schief ist und ausgeglichen werden soll.

„Basar-Methoden“

Doch übel genommen wird dem Kanzler, wie er das Problem öffentlich machte („Basar-Methoden“) und dass er sich, wie es ein EU-Diplomat formuliert, „quasi wie eine Art Retter in der EU selbst darstellt“. Wäre es ihm um Problemlösung gegangen, so der Vorwurf, hätte er es ohne mediale Inszenierung besser anpacken können.

Das Problem an sich hatte Frankreichs Präsident Macron schon vor Wochen angesprochen und Korrekturen angeraten.

Ausgerechnet des Kanzlers „frugale Freunde“ Dänemark und die Niederlande sind empört: Sie haben gut verhandelt, und sollen nun auf ihre Anteile an Impfstoffdosen verzichten?

Strenges Deutschland

Noch strenger sieht es Deutschland: Zusätzliche Dosen für Österreich? Sicher nicht – wenn es nach einem Vorschlag aus Berlin geht. Hinter Kurz stehen derzeit nur Bulgarien, Lettland, Tschechien, Kroatien und Slowenien.

Schon des Kanzlers Reise mit der dänischen Regierungschefin Frederiksen nach Israel kam in Brüssel nicht gut an: Man sah es als Ausscheren aus dem gemeinsamen europäischen Vorgehen.

Sein Plädoyer für „Fairness und Solidarität in der EU“ wird in Brüssel deshalb mit Skepsis gesehen. „Manche denken hier: Kurz spielt gern über die Bande“, schildert ein EU-Diplomat die Wahrnehmung unter Kollegen.

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