Politik | Ausland
12.06.2018

Historischer Gipfel Trump-Kim: "Koreakrieg soll bald enden"

Trump und Kim Jong-un unterzeichnen Vereinbarung zu Denuklearisierung. US-Sicherheitsgarantien für Nordkorea.

  • Nordkorea verpflichtet sich zu kompletter Denuklearisierung
  • US-Präsident nennt den vierstündigen Gipfel großen Erfolg
  • Kim Jong-un kündigt an, dass die "Welt große Veränderungen sehen wird"
  • Trump lädt Kim nach Washington ein
  • Ende der US-Militärmanöver in Südkorea
  • Menschenrechte wurden "kurz" angesprochen

US-Präsident Donald Trump hat das Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un als Erfolg bezeichnet. „Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können, Spitzenklasse“, sagte Trump nach Abschluss ihrer Gespräche am Dienstag.

Die USA und Nordkorea haben sich auf gemeinsame Bemühungen zu einer "vollständigen Denuklearisierung" der Koreanischen Halbinsel verständigt.Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat sich demnach zu einer kompletten atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel bereiterklärt. In dem gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump am Dienstag in Singapur unterzeichneten Gipfeldokument erklärt er sein „festes und unerschütterliches Bekenntnis“ zu einer umfassenden atomaren Abrüstung. Trump sagte Nordkorea zudem Sicherheitsgarantien zu.  Ihre Vereinbarung wollen die beiden Staatschefs "vollständig" und "zügig" umsetzen, heißt es ferner in dem Dokument.

Ende des Koreakriegs

Die beiden Politiker bekundeten auch ihren Willen, eine dauerhafte Friedensordnung für Korea zu schaffen: Man wolle auf eine "anhaltende und stabile" Friedenslösung für die Koreanische Halbinsel hinarbeiten. Trump kündigte ein baldiges Ende des Koreakrieges an - die Kämpfe im Korea-Krieg waren 1953 mit einem Waffenstillstand zu Ende gegangen, ein Friedensabkommen wurde aber nie unterzeichnet.

"Die Welt wird große Veränderungen sehen", sagte Kim nach dem Gipfel. Trump erklärte: „Wir unterzeichnen ein sehr wichtiges Dokument, eine ziemlich umfassende Vereinbarung.“ Und weiter: „Wir sind sehr stolz darauf, was heute passiert ist.“

Ende der US-Militärmanöver

Trump sagte in einer Pressekonferenz nach dem Gipfel, dass Kim jetzt ein Raketentestgelände zerstören lässt. Gleichzeitig sagt der US-Präsident, dass die Sanktionen gegen Nordkorea "im Augenblick" wirksam bleiben. Auch Menschenrechte wurden "kurz" angesprochen und man werde auch weiter darüber reden. Was die US-Garantien für Nordkorea betrifft, wollte Trump nicht ins Detail gehen  - langfristig sollen aber die in Südkorea stationierten Soldaten (32.000 Anm.) nach Hause geholt werden, "aber das ist noch nicht spruchreif". Allerdings sollen die Militärmanöver der Amerikaner mit Südkorea beendet werden, so Trump. "Die Kriegsspiele werden nun beendet", sagte Trump.

Besonders am Herzen lag Trump offenbar das Thema der im Krieg in Nordkorea gefallenen US-Soldaten. Ihre sterblichen Überreste sollen in die USA überführt werden.

Die atomare Abrüstung in Nordkorea soll von internationalen Experten überwacht werden. Einzelheiten zum Fahrplan wurden nicht besprochen, weil die Zeit während des Gipfeltreffens nicht gereicht hätte.

Trump lobte das Treffen als "produktiv und ehrlich". Kim habe eine großartige Chance vor sich und er versteht, was wichtig ist, sagt Trump. Konkrete Gespräche zur Denuklearisierung soll es ab nächster Woche geben - diesbezüglich werden auch Japan, Südkorea und China mitarbeiten.

Trump bezog sich in seiner Pressekonferenz auch auf das G-7 Treffen in Kanada. Mehr darüber lesen Sie hier.

Gipfel Trump-Kim

1/18

Kein Mucks mehr vom "Raketenmann, der auf einem selbstmörderischen Weg ist", kein Wort mehr vom "geisteskranken, dementen US-Greis." Im Gegenteil. Der Gipfel in Singapur hätte freundlicher kaum verlaufen können. 

Donald Trump und Kim waren voll des Lobes füreinander. "Kim ist ein sehr talentierter Mann", erklärte Trump. "Wir haben eine sehr besondere Verbindung aufgebaut." 

Er sei sehr stolz darauf, was am Dienstag geschehen sei, sagte Trump bei der Unterzeichnungszeremonie mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Singapur nach dem vierstündigen Gipfel.

Trump lud Kim auch ins Weiße Haus nach Washington ein. Er werde Kim viele Male treffen, sagte der US-Präsident.

Kim Jong-un meinte, es wäre nicht einfach gewesen nach Singapur zu kommen. "Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier."

Die beiden können auch Konkretes vorweisen: Nordkorea verpflichtete sich zu einer "vollständigen Denuklearisierung". Die gesamte Koreanische Halbinsel solle komplett atomar abgerüstet werden.

Trump sagte Nordkorea zudem Sicherheitsgarantien zu.

Im Rahmen des Gipfels kam es zu mehreren Gesprächsrunden. 

Zunächst sprachen Trump und Kim nur in kleiner Runde, unter vier Augen, begleitet lediglich von ihren Dolmetschern. Erst im Anschluss in größerer Runde. 

"Die Welt wird einen großen Wandel erleben", meinte Kim im Anschluss. "Wir haben beschlossen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen."

Weitere Bilder vom Treffen

Einladung nach Washington

Er sei sehr stolz darauf, was am Dienstag geschehen sei, sagte Trump bei der Unterzeichnungszeremonie mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Singapur nach dem vierstündigen Gipfel. Er bezeichnete die erzielte Vereinbarung als "umfassend". Er lud Kim ins Weiße Haus nach Washington ein. Kim hat die Einladung auch angenommen und Trump  geht davon aus, dass auch für ihn die Zeit kommen wird, nach Nordkorea zu reisen.

Außerdem wollen die beiden Staaten  ihre Beziehungen auf eine neue Grundlage stellen. In der gemeinsamen Vereinbarung heißt es, mit neuen Beziehungen solle dem Wunsch beider Völker nach „Frieden und Wohlstand“ entsprochen werden. Die beiden Staaten haben bislang keine diplomatischen Kontakte miteinander.

Die beiden Politiker lächelten, als sie nach Abschluss der Gespräche einen Spaziergang über das Gelände des Hotels auf der Ferieninsel Sentosa machten. Es war das erste Treffen eines amtierenden US-Präsidenten mit einem nordkoreanischen Machthaber. Der US-Präsident sprach von einer "fantastischen Begegnung" mit Kim, bei der es "viele Fortschritte" gegeben habe.

Und Trump weiter über Kim Jong-un: "Kim ist ein sehr talentierter Mann. Wir haben eine sehr besondere Verbindung aufgebaut."

Der nordkoreanische Machthaber sagte seinerseits, der Weg zu diesem Treffen sei "nicht leicht" gewesen. Im Weg gestanden hätten "die alten Vorurteile und Praktiken". Doch seien diese Hindernisse überwunden worden, "und wir sind heute hier". Trump pflichtete den Bemerkungen seines Gesprächspartners bei: "Das ist wahr."

Dieses Auftaktgespräch zwischen Trump und Kim endete nach rund einer Dreiviertelstunde. Direkt danach begannen Gespräche in erweiterter Runde, an denen die Berater beider Staatenlenker dabei waren. Die Gespräche liefen "sehr, sehr gut", sagte Trump nach dem ersten Vier-Augen-Gespräch mit Kim. "Exzellentes Verhältnis", betonte der US-Präsident.

"Höflicher" Kim kam früher

Kim Jong-un erschien zum Gipfeltreffen mit Donald Trump in Singapur nach südkoreanischen Angaben sieben Minuten vor dem US-Präsidenten. Koreanische Medien interpretierten dies als eine Höflichkeitsgeste. In Korea hat der Jüngere zweier Gesprächspartner als erster zu erscheinen, dies gebietet der Anstand.

Nach der Zeitmessung von US-Reportern hat der anschließende Handschlag zwischen Kim und Trump übrigens exakt 13 Sekunden gedauert.

Nach etwas mehr als acht Stunden endete das Gipfeltreffen zwischen  Trump und Kim Jong-un. Nach Kim verließ am Dienstagnachmittag (Ortszeit) auch Trump das Hotel "Capella" auf der Insel Sentosa, wo der erste Gipfel in der Geschichte beider Nationen stattgefunden hatte.

Trump wollte sich gegen 19.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ) auf den Heimflug in die USA machen. Die Abflugzeit des nordkoreanischen Machthabers war offiziell nicht bekannt. Insidern zufolge sollte er gegen 21.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ) aus Singapur abreisen.

Zitate

Trump: "Ich fühle mich wirklich gut, wir werden ein gutes Gespräch haben."

Trump: "Richtig großartig hier. Wir werden eine großartige Diskussion haben und ich glaube, großartigen Erfolg."

Trump nach der ersten Gesprächsrunde: "Sehr sehr gut, exzellente Beziehung."

Kim Jong-un: "Es war nicht einfach, hierher zu kommen. Alte Praktiken und Vorurteile haben gegen uns gearbeitet. Aber wir haben sie alle überwunden. Und jetzt sind wir hier."

Trump: "Sehr, sehr gut. Ausgezeichnete Beziehung."

Kim zu Beginn der erweiterten Gespräche: "Es liegen Herausforderungen bevor, doch wir werden mit Trump zusammenarbeiten. Wie haben alle Arten der Skepsis und Spekulationen um diesen Gipfel überwunden, und ich glaube, das ist gut für den Frieden."

Trump nach dem gemeinsamen Mittagessen: „Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können, Spitzenklasse“

Trump zu den wartenden Reportern: „Bekommt jeder ein gutes Bild? Also, sehen wir freundlich, attraktiv und dünn aus? Perfekt.“

Trump über Kim: "Kim ist ein sehr talentierter Mann. Wir haben eine sehr besondere Verbindung aufgebaut."

Trump während der Pressekonferenz über Nordkoreas Möglichkeiten: "Mensch, haben die tolle Strände - könnte man da nicht ein Urlaubsressort bauen?"

Abseits des Gipfels

US-Präsident Donald Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow hat eine Herzattacke erlitten. Er habe einen sehr leichten Herzinfarkt gehabt und sei wohlauf, gab das Präsidialamt am Montagabend bekannt. Die Ärzte rechneten mit einer raschen und vollständigen Genesung.

"Unser großartiger Larry Kudlow, der so hart an der Handels- und Wirtschaftspolitik gearbeitet hat, hat gerade einen Herzinfarkt erlitten", schrieb Trump auf Twitter. Kudlow sei in Behandlung in einem Krankenhaus nahe Washington.

Kudlow löste im März 2018 seinen Vorgänger Gary Cohn ab. Der 70-jährige ehemalige TV-Kommentator war bereits unter Präsident Ronald Reagan als Wirtschaftsberater tätig. Er war ein früher Unterstützer Trumps und gilt als Befürworter der umstrittenen US-Handelszölle.

 Ex-US-Basketballstar Dennis Rodman hat unter Tränen seine Freundschaft zum nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un und dessen Gipfel mit US-Präsident Donald Trump verteidigt: "Wir müssen die Türen öffnen und neu anfangen und diese Welt zu einem besseren Ort machen. Baby, das ist es", sagte Rodman in einem Live-Interview mit dem Sender CNN am Dienstag, das zeitgleich mit dem Gipfel geführt wurde. Mehr dazu hier: