Oppositionskandidat  Peter Marki-Zay

© APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK

Politik Ausland
10/21/2021

Herausforderer des ungarischen Premiers: „Wir können Orban schlagen“

Der soeben gekürte Kandidat der vereinten Opposition Peter Marki-Zay sagt im Interview mit der "Presse": "Es geht um die Freiheit in Ungarn."

von Walter Friedl

Ein „wichtiges zentrales Anliegen“ des heterogenen Oppositionsbündnisses - bestehend aus Sozialisten, Linksliberalen, Grünen, der liberalen Momentum-Bewegung und Jobbik, einer Partei mit rechtsextremen Wurzeln - sei es, Premier Viktor Orban abzulösen, so Marki-Zay. „Wir haben unterschiedlichen Methoden, Stile und Schwerpunkte. Aber unser gemeinsames Ziel ist ein demokratisches, marktwirtschaftliches, rechtsstaatliches und in die EU integriertes Ungarn“, betonte der parteilose Bürgermeister der Provinzstadt Hodmezövasarhely, einer einstigen Hochburg der Regierungspartei Fidesz, der Orban bei der Parlamentswahl im kommenden Jahr herausfordert.

Orban werde zu allem bereit sein, um das zu verhindern, zeigt sich Marki-Zay überzeugt. „Ein Freund von mir, der für ihn gearbeitet hat und ihn gut kennt, meinte, wenn Orban eine Niederlage fürchtet, wird es gar keine echten Wahlen geben.“ Fidesz habe das System auf sich zugeschnitten, daher „müsste die Opposition sechs bis sieben Prozentpunkte Vorsprung haben, um zu gewinnen.“ Dennoch sei er optimistisch, betont der 49-Jährige. „Ich sehe eine Chance. Wir können Orban schlagen.“

Orban baue einen „Einparteienstaat auf, ein autokratisches System“ und bringe „die Demokratie zum Entgleisen, die Pressefreiheit, den Rechtsstaat“. Das sei nicht tolerierbar. Die Menschen hätten genug von der Einschüchterung und der Korruption im Land. „Ungarn hatte während seiner 1.000 Jahre langen Geschichte nie eine so korrupte Regierung.“ Praktisch jeder in der Umgebung von Orban sei in extrem kurzer Zeit extrem reich geworden. „Wenn ein Gasinstallateur (Orbans Freund aus Kindheitstagen, Lorinc Meszaros; Anm.) in paar Jahren reicher wird als die Königin Elisabeth von England, dann ist das schon äußerst verdächtig. Wir wissen, dass es nicht am Talent des Installateurs liegen kann, sondern um wessen Vermögen es sich in Wirklichkeit handeln muss“, so Marki-Zay gegenüber der „Presse“.

Das System Orban schrecke auch vor Einschüchterungen nicht zurück, berichtet Marki-Zay. Zwei Tage, nachdem er angekündigt hatte, für das Bürgermeisteramt in Hodmezövasarhely zu kandidieren, sei er gefeuert so worden. „Was für ein Zufall! Und danach hat man ausgerechnet in meiner Straße dem Überwachungssystem eine Kamera hinzugefügt. Und regierungsnahe Medien stellten meine Frau, die damals als Hebamme arbeitete, als 'Babymörderin' hin.“

Im Falle eines Wahlsieges würde Marki-Zay Ungarn als eine der ersten Amtshandlungen der Europäischen Staatsanwaltschaft anschließen, zudem würde man Schritte zur Einführung des Euro setzen. Gesuchte Verbrecher wie (Nordmazedoniens Ex-Premier; Anm.) Nikola Gruevski, denen Orban Unterschlupf gewährt, würde man ausliefern, kündigt Marki-Zay an. Die EU sei bisher zu weich gegenüber Orban aufgetreten, kritisiert er. „Die Krise in Europa ist real, und der Brexit ist ein deutliches Zeichen dafür. Aber die Lösung ist nicht weniger Europa, sondern mehr Europa.“

2010 und davor habe er selbst Fidesz gewählt, sagt Marki-Zay. „Ich bin Konservativer, praktizierender Katholik, Vater von sieben Kindern, ein Mann aus der Mittelschicht. Ich habe meine Positionen nicht verändert. Aber Fidesz und Orban haben sich immer wieder geändert.“ So habe er Orban nicht unterstützt, als er in der kommunistischen Jugendbewegung war, ebenso nicht, als er Vizepräsident der Liberalen Internationalen war, so Marki-Zay. „Und ich unterstütze Fidesz nicht mehr, seit sich die Partei von grundlegenden europäischen Werten abgewandt hat. Fidesz ist eine Anti-EU- und Pro-Putin-Partei geworden. Ich konnte dieser Kehrtwende nicht folgen.“

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