© EPA/CESARE ABBATE

Politik Ausland
08/07/2021

Volle Restaurants, boomende Industrie: Italien lässt die Corona-Krise hinter sich

Die Wachstumsdaten sind im Moment mehr als erfreulich, ob der Trend anhält, wird sich erst in Zukunft zeigen.

Von Andrea Affaticati, Mailand 

Volle Restaurants, viele Touristen, boomende Industrie: Italien scheint die Corona-Krise endgültig hinter sich gelassen zu haben. Das BIP ist im zweiten Quartal dieses Jahres um 2,7 Prozent im Vergleich zum ersten gewachsen, also sogar mehr als die 1,5 Prozent des deutschen. Sollte die positive Konjunktur anhalten, könnte Italien Ende des Jahres sogar ein Plus von fünf Prozent verbuchen.

Eine wichtige Rolle im wiederentdeckten Optimismus der Italiener spielt zweifelsohne Premier Mario Draghi, der ein Vertrauen von drei Vierteln der Bevölkerung genießt.

Die Wirtschaftszahlen sind ein Lichtblick, auf den das Land bereits lange vor der Pandemie gewartet hat, denn von der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte es sich nie ganz erholt. Das Wachstum kränkelte unter einem Prozent vor sich hin. Jetzt scheint Italien den Turbo eingelegt zu haben und überraschte damit auch den Finanzminister Daniele Franco. „Sollten wir die 5 Prozent Marke wirklich erreichen, würde das sogar unsere Prognose übertreffen, die vor ein paar Monaten bei 4 Prozent lag“, bemerkte er unlängst. Dass es die zügig vorangeschrittene Impfkampagne ist, die maßgeblich zu diesem positiven Trend beigetragen hat, darüber sind sich fast alle einig.

Impfpflicht gefordert

Kein Wunder also, dass es vor allem die von den Lockdowns besonders schwer getroffenen Branchen Tourismus und Gaststättengewerbe sind, die sich am stärksten erholen. Gleich danach folgen Industrie und Manufaktur, daher auch der Vorschlag des italienischen Industrieverbands Confindustria, eine Impfpflicht am Arbeitsplatz einzuführen, um weitere Schließungen zu vermeiden.

Doch so erfreulich die aktuellen Wirtschaftsdaten auch seien, so Minister Franco, dürfe man nicht vergessen, dass das BIP im Jahr 2020 um neun Prozent geschrumpft ist, und der Stand vor der Pandemie voraussichtlich erst im zweiten Quartal 2022 erreicht werden wird.

Noch vorsichtiger zeigt sich der Turiner Wirtschaftsprofessor Mauro Zangola: „Man darf nicht vergessen, dass die Wirtschaft in den letzten 1,5 Jahren stark mit staatlichen Zuschüssen gedopt wurde“, sagt er im Gespräch mit dem KURIER.

Wie es wirtschaftlich wirklich um das Land stehe, werde sich erst in ein paar Jahren zeigen.

Junge in der Krise

Ein weiteres Problem, das selten von der Politik in Betracht gezogen wird, sind die Gehälter, besonders die der jüngeren Generationen. Mit etwas mehr als 1.000 Euro im Monat könne man sich keine Zukunft aufbauen, hebt Zangola hervor. Wobei es sogar Fälle gebe, in denen gratis gearbeitet wird. „Ist ja immerhin besser, als zu Hause zu hocken, hört der oder die eine vom Arbeitgeber sagen“ erzählt er.

Die Kinder von Wohlhabenden ziehen deswegen ins Ausland, die der Mittelschicht greifen auf die Ersparnisse der Eltern zurück, die aber auch irgendwann aufgebraucht sein werden, während die, deren Eltern nichts auf die Seite legen konnten, sich mit prekären Stellen über Wasser halten.

Das italienische Wirtschaftswunder der 50er- und 60er-Jahre hätte es ohne Marshall Plan, dem amerikanischen Wirtschaftsförderungsprogramm der Nachkriegszeit, wahrscheinlich nicht gegeben.

Jetzt ist es die EU, die mit ihrem Next Generation Fund dem Land unter die Arme greift. „Ja, stimmt, es bestand aber damals auch der Wille in der Bevölkerung, sich die Ärmel aufzukrempeln und es, alle zusammen, aus eigener Kraft zu schaffen. Vom einfachen Arbeiter bis zum großen Unternehmer“, sagt Zangola. Diesen Eifer, der die Gesellschaft damals zusammengeschweißt hat, vermisst er aber im Moment.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.