Überraschung mit texanischen Wurzeln: Lamont Marcell Jacobs

© EPA/DIEGO AZUBEL

Sport
08/01/2021

Das ist der italienische Erbe von Usain Bolt

Erstmals seit 2008 heißt der Olympiasieger nicht Usain Bolt. Lamont Jacobs war um eine Hundertstel schneller als der Jamaikaner 2016.

Wenn ein Sprinter für die 100 Meter erstmals weniger als zehn Sekunden braucht, dann ist das für ihn ein Ritterschlag, aber noch kein Zeichen, dass er Leichtathletik-Geschichte schreiben wird.

Lamont Marcell Jacobs Junior, so sein voller Name, knackte diesen Mai erstmals die Schallmauer. Drei Monate später hat er nun Geschichte geschrieben, weil er das Rennen bei den Olympischen Spielen gewann und damit auf Usain Bolt folgt. Der 34-jährige Jamaikaner hatte 2008, 2012 und 2016 über diese Distanz gewonnen.

Jacobs war beim ersten Olympiasieg von Bolt noch keine 14 Jahre alt und nahm bei den italienischen Nachwuchsmeisterschaften meistens am Weitsprung teil. Er wurde am 26. September 1994 in El Paso in Texas geboren. Seine Mutter ist Italienerin, der Vater US-Amerikaner. Noch als er ein Kleinkind war, zogen seine Eltern mit ihm nach Italien zurück.

Ehemaliger Weitspringer

2012 hatte Bolt zum zweiten Mal den Sprint beherrscht. 2014 legte Jacobs verstärkt Fokus auf den 100-Meter-Sprint. 2016 legte Bolt den dritten Olympiasieg drauf, Jacobs trat bei der Europameisterschaft im Weitsprung an und wurde im Finale Letzter. Nach einer Knieverletzung konzentrierte er sich ab 2018 auf den Sprint, Bolt war seit 2017 in Pension. Jacobs lief 10,08, verbesserte sich 2019 auf 10,03. Am 13. Mai 2021 blieb er in Savona erstmals unter zehn Sekunden – 9,95.

Jacobs bezeichnet sich selbst als Italiener, „zu einhundert Prozent“. Als Beweis führt der verheiratete Vater zweier Söhne an, wie schlecht er doch Englisch spreche. Und so empfing ihn noch auf der Laufbahn Gianmarco Tamberi, der kurz davor Hochsprung-Gold geholt hatte. „Wir sind sehr gute Freunde, wir haben heute Nacht noch zusammen Playstation gespielt“, sagte der überglückliche Jacobs an diesem italienischen Feiertag bei Olympia, bei dem aber der Sprinter in der Hauptrolle war. Gazzetta, Corriere und Tuttosport verliehen Jacobs den Ehrentitel Legende.

Auf Christies Spuren

Der Italiener ist der erste europäische Olympiasieger im Sprint – seit Linford Christie 1992. Jacobs stieß ins Vakuum, das sich nach Bolt aufgetan hat. Trayvon Bromell lief dieses Jahr 9,77, so schnell wie kein anderer. Doch gerade bei den Spielen war der US-Amerikaner nicht in Form, zitterte sich ins Semifinale, scheiterte aber am Finaleinzug. Sein Landsmann Fred Kerley holte in 9,84 Sekunden immerhin die Silbermedaille. Dritter war wie schon 2016 der Kanadier André de Grasse in 9,89.

Mit Bolt ist auch die Ära der jamaikanischen Sprinter zu Ende gegangen. Während die Damen am Samstag alle drei Medaillen geholt hatten, schaffte es keine Mann am Sonntag ins Finale, Yohan Blake scheiterte im Halbfinale.

1988 Seoul               Carl Lewis (USA)                   9,92 Sek.
1992 Barcelona        Linford Christie (GBR)           9,96 Sek.
1996 Atlanta             Donovan Bailey (CAN)           9,84 Sek.
2000 Sydney            Maurice Greene (USA)           9,87 Sek.
2004 Athen               Justin Gatlin (USA)                 9,85 Sek.
2008 Peking             Usain Bolt (JAM)                     9,69 Sek.
2012 London            Usain Bolt (JAM)                     9,63 Sek.
2016 Rio de Janeiro Usain Bolt (JAM)                     9,81 Sek.
2021 Tokio                Lamont Marcell Jacobs (ITA)  9,80 Sek.

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