Politik | Ausland
30.11.2018

G-20-Gipfel: Imagepolitur für das Gastland Argentinien

Präsident Macri bietet das heute startende Treffen die Gelegenheit, vom wachsenden Widerstand gegen seine Politik abzulenken.

Als Mauricio Macri Ende 2015 die Ära des Präsidentenpaares Nestor (2003 bis 2007) und Cristina Kirchner (2007 bis 2015) mit seinem glanzvollen Wahlsieg beendete, jubelten die Märkte. Macri, ein konservativer Unternehmer und ehemaliger Fußball-Präsident des Hauptstadtklubs Boca Juniors, sollte das Land aus der tiefen Krise führen.

Linkspopulistin Kirchner hatte verbrannte Erde hinterlassen: Das Vertrauen an den Finanzmärkten war zerstört, zwölf Jahre Kirchner hatten vor allem die Präsidentenfamilie reich werden lassen.

Inzwischen ermittelt die Justiz gegen Cristina und Sohn Maximo Kirchner wegen Korruption. „Ich werde die Armutsbekämpfung zu meinem Gradmesser machen“, versprach Macri damals, als das Land am Boden lag und auf einen neuen Hoffnungsträger wartete.

Mit dem Manager, so hofften seine Wähler, sollte es Argentinien raus aus der Talsohle schaffen.

Magere Bilanz

Die Katholische Universität in Buenos Aires veröffentlicht regelmäßig einen Armutsindex. Der war bereits zu Zeiten der Kirchners gefürchtet – und auch für Macri sind die Daten wenig schmeichelhaft. Rund elf Millionen Argentinier leben derzeit in Armut, die hohe Inflation macht das Leben noch schwieriger.

Und weil Macris Sparkurs mit Entlassungen im Öffentlichen Dienst sowie bei sozialen Ausgaben nicht die erhofften Effekte erzielte, wächst der Widerstand gegen seine Politik.

Gewerkschaften und soziale Bewegungen – beide sind mit der Kirchner-Familie traditionell ideologisch und wohl auch finanziell eng verbunden – haben Macri den Kampf angesagt. Streiks und Massenproteste sind die Folge.

Der Präsident profitiert derzeit vor allem von der Aufsplitterung der Opposition und den Korruptionsermittlungen gegen die Kirchners. Und von der Hoffnung seiner Landsleute, dass sein Plan, die Wirtschaft mit harten Einschnitten wieder auf Kurs zu bringen, mittelfristig doch erfolgreich sein könnte.

Erfolglosigkeit

Nun ist Argentinien Gastgeber des G-20-Gipfels. Die argentinische Seele leidet bereits seit Jahren an Erfolglosigkeit auf verschiedenen Gebieten: Die Fußball-Nationalmannschaft scheiterte trotz Lionel Messi wieder einmal bei einer WM.

Am vergangenen Wochenende blamierte sich die Hauptstadt Buenos Aires mit der wegen der Gewaltausbrüche begründeten Absage des weltweit beachteten Lokalderbys im Finale der südamerikanischen Champions League, der Copa Libertores, zwischen den Boca Juniors und River Plate.

Und obendrein zeigt auch noch der Papst seinem Heimatland seit seiner Wahl 2013 die kalte Schulter.

Schöne Bilder

So hofft Macri, dass wenigstens der G-20-Gipfel am Wochenende ohne Krawalle, sondern mit einigermaßen schönen Bildern über die Bühne geht.

In den publikumswirksam arrangierten Einzelgesprächen mit den Führern dieser Welt will Macri Investitionserfolge vorweisen. Immerhin wollen die Amerikaner künftig wieder argentinisches Fleisch kaufen, was ein nicht zu unterschätzender erster Prestigeerfolg für den Regierungschef ist.

Die Argentinier selbst werden von dem G-20-Gipfel nicht viel mitbekommen. Die Viertel Recoleta und Palermo in Buenos Aires sind zu einer Festung umgebaut worden. Rund 22.000 Sicherheitskräfte riegeln das Veranstaltungsgelände weiträumig ab.

Immerhin einen Vorteil haben die Argentinier dann doch von dem gewaltigen Spektakel: Der Freitag wurde kurzerhand zum Feiertag erklärt. Das ist eine Lehre aus der Gewalt beim G-20-Gipfel in Hamburg vor einem Jahr. So können sich die Sicherheitskräfte ganz auf ihre Sonderaufgabe konzentrieren.