Politik | Ausland
03/23/2019

Fragen & Antworten: Was bedeutet der Sieg gegen den IS?

Die Anti-IS-Allianz verkündete die Niederlage der Terrormiliz – wie geht es jetzt weiter?

Eine Militärkapelle war gekommen, um das Ende des Kalifats musikalisch zu unterstützen. Bei der Feier auf einem Ölfeld bei Deir ez-Zor, wo die SDF-Allianz ihre Basis hat, wurde getanzt und gesungen. Die Freude und Erleichterung war groß, nachdem die Führung der von der USA unterstützten kurdisch-arabischen Allianz die Einnahme der Ortschaft Baghuz verkündet hatte.

Was bedeuten diese Neuigkeiten für den Krieg in Syrien?

Ist die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ nun endgültig besiegt?

Militärisch schon. Die Miliz hatte jahrelang den Anspruch, ein Staat zu sein. Auch wenn US-Präsident Trump bereits im Dezember den Sieg gegen den IS verkündet hatte, scheint es jetzt erst offiziell. Einige Tausend IS-Kämpfer sollen sich allerdings in der Region auf freiem Fuß befinden, in den schwer zu kontrollierenden Wüstengebieten Syriens und des Irak. Außerdem gibt es Zellen, die immer wieder Anschläge verüben. Die Ideologie ist weit verbreitet und hat weltweit Jugendliche erreicht. Das erkennt man an von den Kurden gefangen genommenen IS-Mitgliedern, die teilweise aus Europa oder anderen „westlichen“ Staaten stammen. Abdel Karim Umar, Außenbeauftragter der SDF warnt, dass der IS in neuer Form wieder auferstehen könne. Bereits vor Monaten hat die Miliz ihre Strategie in Richtung Guerilla-Kampf geändert.

Wo befindet sich der Anführer des IS?

Der Verbleib von IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi ist auch nach der Einnahme der letzten IS-Bastion völlig unklar. Er trat während des Bürgerkrieges nur einmal öffentlich auf, im Juli 2014 in der Al-Nuri-Moschee in Mossul. Danach veröffentlichte die Terrormiliz immer wieder Audiobotschaften, die aber nicht zweifelsfrei al-Baghdadi zugeordnet werden können. Mehrmals wurde von seinem Tod oder Verwundungen berichtet. Verifizieren ließen sich die Meldungen nie.Der Dschihadismusexperte Hisham al-Hashemi vermutet ihn in der Badia-Wüste in Zentralsyrien, wo im Juli sein Sohn Hudhaifa von russischen Raketen getötet worden sein soll. Al-Baghdadi sei immer von seinem Bruder Jumua, seinem Leibwächter Abdellatif al-Juburi sowie seinem Kurier Saud al-Kurdi umgeben.

Werden die US-Soldaten Syrien nun verlassen?

Trump verkündete den Sieg über den IS – und folglich den Abzug – schon im Dezember. Spätestens jetzt könnte es soweit sein. Das würde die Kurden, die die Hauptlast im Kampf gegen den IS trugen, empfindlich schwächen. Es hieß, die US-Truppen wollten bei einem Abzug auch jene Waffen mitnehmen, mit denen sie die Kurdenmiliz YPG unterstützt hatten.

Nähern uns dem Ende des Bürgerkrieges?

Noch nicht. Der Kampf gegen den IS stand schon lange nicht mehr im Vordergrund. Insbesondere im Norden des Landes, an der Grenze zur Türkei, steht eine weitere Eskalation im Raum. Die türkische Armee ist dort bereits mehrmals gegen die Kurdenmiliz vorgegangen, die Ankara schon lange ein Dorn im Auge ist. Recep Tayyip Erdogan fürchtet ein Erstarken der Kurden dies- und jenseits der Grenze – ein Abzug der US-Truppen könnte die Chancen auf einen türkischen Angriff erhöhen.

Und Bashar al-Assad?

Der wiedererstarkte Diktator konnte beim Kampf gegen den IS zusehen. Nur kurz wurde die Terrormiliz der syrischen Armee gefährlich. Assads Ziel ist es, die Kontrolle über ganz Syrien zurückzugewinnen. Unterstützt vor allem von Russland und dem Iran hat seine Armee bereits einen großen Teil zurückerlangt.