Pro-türkische syrische Kämpfer erreichen Quiratah auf dem Weg nach Manbij.

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Politik | Ausland
12/25/2018

Syrien: "Die Schlacht wird bald beginnen"

Nach Trumps Anküdigung des Abzugs verlegt syrisches Militär mit Unterstützung Russlands seine Truppen.

Im Norden Syriens spitzt sich die Lage nach dem angekündigten Abzug der USA zu. Syrische Truppen würden mit Unterstützung Russlands in dem Raum Manbij verlegt, teilten Milizen in der Kurden-Hochburg am Dienstag mit.

Die Truppenbewegungen seien mit den Milizen in der Stadt allerdings abgestimmt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Vertreibung der syrischen Kurdenmiliz YPG aus Manbij angekündigt. Laut dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu haben sich die USA und die Türkei geeinigt, dass sich die kurdische YPG vollständig aus Manbij zurückziehen muss.

Nach der Bekanntgabe des Abzugs der US-Truppen hat Erdogan die Offensive aber zunächst verschoben. Die YPG ist zugleich ein wichtiger Partner der USA im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Erdogans Offensive gegen Kurdenmiliz

"Die Schlacht wird bald beginnen", sagte der Sprecher der Nationalen Armee, Jussef Hamud. Die Nationale Armee ist eine Rebellen-Fraktion, die von der Türkei unterstützt wird. "Was wir jetzt an der Front beobachten können, ist die Verstärkung aller Kräfte, um die volle Einsatzbereitschaft für die Schlacht herzustellen", sagte Hamud.

Der syrische Präsident Bashar al-Assad lehnt die türkische Intervention im Norden seines Landes als Verletzung der Souveränität ab. Erdogan will jedoch unbedingt gegen die kurdischen Milizen in Nordsyrien vorgehen: Er sieht in ihnen Unterstützer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die PKK kämpft in der Türkei für mehr Autonomie der kurdischen Regionen.

Syrien sieht Angriff durch Israel

Unterdessen hat die syrische Luftabwehr hat laut Berichten staatlicher Medien am Dienstag auf einen Angriff in der Nähe der Hauptstadt Damaskus reagiert. Die Luftabwehr soll das Feuer auf einen "feindlichen Angriff" eröffnet haben. Es wurden dabei laut syrischen Staatsmedien mehrere "feindliche Ziele" abgeschossen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ging von einem israelischen Raketenangriff aus. Die Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Auch die syrischen Medien sprachen von israelischen Kampfflugzeugen. Die meisten Raketen seien abgeschossen worden, bevor diese ihre Ziele hätten erreichen können. Ein Waffendepot der Armee sei getroffen, drei Soldaten verletzt worden.

Die Angriffe vom Dienstag seien eine "krasse Verletzung der Souveränität Syriens", erklärte das russische Außenministerium in Moskau am Mittwoch. Das russische Verteidigungsministerium sprach von einem "provokativen Akt", der zudem zwei Passagiermaschinen gefährdet habe.

Das russische Außenministerium zeigte sich "sehr beunruhigt über die Luftangriffe und wie sie vonstatten gingen". Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, erklärte, der israelische Angriff sei von Flugzeugen über dem libanesischen Luftraum ausgegangen. Zeitgleich hätten sich gerade "zwei Passagierflugzeuge, keine russischen", im Landeanflug auf die Flughäfen von Beirut und Damaskus befunden.

Um eine "Tragödie zu verhindern", seien dem syrischen Luftabwehrsystem Restriktionen auferlegt worden, sagte der Sprecher weiter. Eines der Flugzeuge sei auf einen russischen Luftwaffenstützpunkt in Syrien umgeleitet worden.
 

Israel: Reaktion des Luftabwehrsystems

Die Raketen seien über libanesischem Gebiet abgefeuert worden. Eine israelische Militärsprecherin wollte auf Anfrage nichts zu den Berichten sagen. In einer Erklärung der israelischen Armee hieß es, ein Luftabwehrsystem habe auf eine "Luftabwehrrakete aus Syrien" reagiert. Es habe keine Berichte über Schäden oder Verletzte gegeben.

Die staatliche libanesische Nationale Nachrichtenagentur meldete, die israelische Luftwaffe sei Übungsangriffe über dem Südlibanon geflogen.

In der Vergangenheit hat Israel häufig Ziele in Syrien angegriffen, oft in der Gegend von Damaskus. Sie richteten sich gegen militärische Einrichtungen der syrischen Regierung oder ihrer Verbündeten: der schiitischen Hisbollah-Miliz und des Iran. Israel sorgt sich über den zunehmenden Einfluss seines Erzfeindes Iran in Syrien.