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Politik Ausland
04/24/2020

Färöer: Dank Lachsseuche keine Corona-Toten

Entwarnung auf den zu Dänemark gehörenden Inseln: 185 Infizierte, 178 geheilt. Erfolgsgeheimnis: ein Labor.

von Jens Mattern

Auf den Färöer-Inseln wird Entwarnung gegeben. Seit Montag sind die Grundschulen und Kindergärten in Betrieb, ab dem 9. Mai darf der FSF (Der Fußballverband der Färöer) wieder den Ball rollen lassen, wenn auch die fußballbegeisterten Bewohner der grünen Insel nicht vor Ort jubeln dürfen – Geisterspiele.

Das vorsichtige Aussteigen aus dem „Lockdown“ geht auf spektakuläre Zahlen zurück: auf den 18 teilautonomen, zu Dänemark gehörenden Inseln im Nordatlantik sind 185 Infizierte gemeldet, davon gelten 178 als genesen, niemand ist mehr im Krankenhaus, es gab keinen Todesfall. Von den 51.000 Einwohnern wurden 6.270 getestet, nach eigenen Angaben die meisten Tests pro Einwohner weltweit.

Hinter diesem Erfolg steht die Auseinandersetzung mit einer anderen Epidemie, der „Ansteckenden Blutarmut der Lachse“. Die Krankheit befiel vor zwanzig Jahren die Fischfarmen des Landes, das hauptsächlich vom Lachsexport lebt. Die Fischseuche war existenzbedrohend, da alle Lachse im Umfeld eines befallenen Lachses getötet werden mussten. Um schneller reagieren zu können und nicht Proben nach Dänemark zu schicken, investierte die Regierung in ein Labor, in dem schnell und in großer Anzahl getestet werden kann, um einen kommenden Ausbruch einzudämmen.

Bereits im Jänner, als Corona in Europa noch als chinesisches Problem betrachtet wurde, erkannte Debes Hammershaimb Christiansen, der Genetiker der färöerschen Lebensmittelbehörde, das Potenzial der Labors als Mittel gegen das Coronavirus. Es wurde in Absprache mit dem Landeskrankenhaus umgerüstet und war ab Ende Februar einsatzfähig. Täglich können 600 Tests umgesetzt werden, so dass jeder beim kleinsten Verdacht Zugang zu einer Untersuchung hat, nach acht Stunden liegt das Ergebnis vor. Somit können die Kontakte der Betroffenen verfolgt und Qarantäne umgesetzt werden.

Ungüstiges kühles Klima

Hinzu kam eine Abschottung des Landes vor ausländischen Besuchern – kleine Bevölkerungseinheiten sind für Epidemien besonders anfällig, das regnerische kühle Klima im Nordatlantik gilt als günstig zur Virusverbreitung.

Derzeit gibt es 4.000 Arbeitslose auf Inseln. Viele haben die Arbeit aufgegeben, um auf die Kinder aufzupassen. Auch darum wurden die Maßnahmen gelockert. „Es war keine leichte Entscheidung, aber sie musste getroffen werden, um unsere Gesellschaft vor dem Kollaps zu bewahren“, so Ministerpräsident Bárður á Steig. Denn es gibt kritischen Stimmen, die vor einem möglichen Infektionsschub warnen, wie ein Internist des Landeskrankenhaus, Shahin Gaïni, der auch für den Umbau des Labors verantwortlich war. Er rät noch abzuwarten und zu schauen, wie sich die Maßnahmen in anderen Ländern entwickeln. Jens Mattern

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